1972 Die UNO Vollversammlung reagiert auf das Urteil des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag durch die Gründung eines Spezialfonds der Vereinten Nationen für Namibia.
Theo-Ben Gurirab, der SWAPOs Vertreter für Nordamerika war, wird als Missions-Chef bei den Vereinten Nationen angestellt.
Simon "Mzee" Kaukungua wird zum Finanzsekretär der SWAPO in Dar-Es-Salaam ernannt.
Südafrika bietet den Dama einen Gesetzgebenden Rat an. Die Mehrheit der Stammesführer lehnt das Angebot ab. Die Bauarbeiten für die Homeland-Hauptstadt Khorixas, früher als Welwitschia bekannt, beginnen.
Die meisten Dama, die außerhalb des beabsichtigten Damara Homelands leben, lehnen irgendwelche Autorität des von einer Dama-Minorität geformten Damara Advisory Council von Justus ||Garoëb ab. Dieser Teil der Dama-Gemeinschaft ist in der DEC unter der Führung von Oscar Karuchab organisiert. Andere Dama sind in der DTEC zusammengeschlossen. Letztere schließt sich später der Namibia National-Konvention (NNC)(Namibia National Convention (NNC)) an.
In Namibia leben jetzt 749 000 Einwohner, 90 000 von ihnen sind "weiß".
43 000 "schwarze" Kontraktarbeiter sind im entwickelten südlichen Wirtschaftssektor Namibias tätig, etwa 11 000 im Farmsektor, 14 000 im Regierungsdienst, im Handel und der Industrie und 3 000 im Fischereisektor. Etwa 3 000 Kontraktarbeiter arbeiten als Hausangestellte.
Es gibt gute Regenfälle im ganzen Land. Die Eisenbahnlinie zwischen Mariental und Salzbrunn wird durch Verspülungen unterbrochen.
SWAPO-PLAN-Kämpfer operieren von Zambia aus gegen südafrikanische Truppen.
Die Matchless Mine, 40 km westlich von Windhoek, wird geschlossen.
Fischfang-Quoten von 400 000 t werden für 1972 von der SWA Administration genehmigt. Im Jahre 1971 wurden 72 363 t Pilchards, 204 127 t Sardellen und 80 193 t andere Hochseefischarten gefangen.
Die Evangelische Lutherische Kirche von SWA (ELC) hält ihre vierte Synode in Otjimbingwe ab. Lukas de Vries wird zum Präses gewählt. Der von den "weißen" ELC-Pastoren favorisierte Albertus Maasdorp unterliegt.
25.01. Als Folge des Generalstreiks vom Dezember 1971 werden 13 Personen in Windhoek vor Gericht gestellt. Sie werden nach dem Masters and Servants laws (1916/1920))(Proklamation Nr. 2 von 1916) angeklagt. Die Angeklagten sind: Harold Sam, Immanuel Mbolili, Erastus Shanila, Thomas Shepumba, Vilho Villiha, Cleopas Kapapu, Maiakias Hiloohamb, Lazarus Shikongo, Jason Nhituamata, Jonas Nejulu, Matupang Shimuefeleni und Leonard Nghipandula. Am Ende des Prozesses werden sie zu Geldstrafen verurteilt und erzielen so einen wichtigen moralischen Sieg.
Januar-Februar Es kommt zu verschiedenen Unruhen im Ovamboland. Es wird der Notstand ausgerufen (Notstand-Proklamation R 17 von 1972 vom 04.02.). Die Proklamation wird ein Hauptinstrument, politische Aktivitäten im Norden niederzuschlagen. Zur Unterdrückung der politischen Protestaktionen wird südafrikanisches Militär eingesetzt.
Der Dezember-1971-Streik fordert auch seine Opfer im Ovamboland. Johannes Nangutuuala und Andreas Nuukuawo (DEMCOP) sowie Johannes Otto (SWAPO) werden festgenommen. Andere politische Aktivisten, die verhaftet werden sind: Jimmy Hmapula, Thomas Kamati, Keshi Nathaniel, Rehabeam Namuhaya, Shipanga Kanjouda, Shilikumye Hiveluah, Ndaxu Namuloc und Frieda-Nela Williams. In der Gerichtssache gegen Nangutuuala und Kamati verhängt das Amtsgericht in Ondangwa harte Strafen. Die Strafen werden allerdings später vom SWA Obergericht in Windhoek annulliert (13.08.1973).
Das sogenannte Grootfontein-Abkommen führt zur Auflösung der SWANLA. Das Kontraktarbeiter-System wird aber nicht wesentlich verbessert.
01.02. Es werden Personalausweise (ID cards), die auf Rassenklassifikationen beruhen, eingeführt.
UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim, vom Sicherheitsrat beauftragt, nimmt mit der südafrikanischen Regierung Kontakt auf, um neue Lösungsmöglichkeiten für das Namibia-Problem zu ventilieren (UNO SR Resolution 309). Südafrikas Gegenwart in Namibia wird nochmals als illegal erklärt (UNO SR Resolution 310).
Die südafrikanische Regierung weist den anglikanischen Bischof des Damaralandes, Colin O’Brien Winter und drei seiner Mitarbeiter, David de Beer, Stephen Hayes und Frau Halberstadt, aus. Die Deportierung erfolgt aufgrund der Undesirables Removal Proclamation No. 50 of 1920. Winters Nachfolger wird Richard Wood. Am 16.06.1975 wird er auch aufgrund der Proclamation No. 50 of 1920 ausgewiesen (Ed Morrow wird Woods Nachfolger, wird aber dann im Juli 1978 deportiert).
13.02. Die National-Konvention (NC) wird während einer Versammlung in Rehoboth durch eine Reihe von Parteien wie der SWAUNIO, der Voice of the People Party, der SWANU unter Gerson Hitjevi Veii, der NAPDO und der Vereinigung für die Erhaltung des Tjamuaha-Maharero Königlichen Hauses verstärkt. Die NC stellt Kapuuo als ihren Vorsitzenden und Veii als Sekretär an. Andere Parteien wie die DEMCOP, der Herero Chiefs’ Council, der Nama-Rat der Stammesführer (Nama Chiefs’ Council) und das DTEC schließen sich später der NC an. Die NC weigert sich, der südafrikanischen Ratgebenden Versammlung für Südwestafrika (Advisory Council for South West Africa), dem konstitutionellen Vorläufer der Turnhalle-Konferenz von 1975, beizutreten.
06./10.03. Kurt Waldheim besucht sowohl Südafrika als auch Namibia. In Namibia spricht er mit allen politischen Parteien (Pro-Apartheid und Pro-Unabhängigkeit). Die Pro-Unabhängigkeit-Parteien sind die NC, die SWAPO, der Herero Chiefs’ Council, die Nationale Konventions- und Unabhängigkeits Partei (NACIP) (National Convention Independence Party (NACIP), NUDO, SWANU, die Rehoboth Volkspartei und die Voice of People Party. Die Pro-Apartheids-Parteien werden hauptsächlich durch einige Stammeseliten im Ovamboland und im Kavango sowie Splittergruppen im Damaraland und der Farbigen-Gemeinschaft vertreten. Romanus Kampungu, Chef-Ratsherr im Kavango, erklärt Waldheim, dass, "wenn die Vereinten Nationen jetzt allen Stämmen eine Zentralregierung aufzwingen würden, dieses politischer Selbstmord wäre". Er wendet sich auch vehement gegen den Gebrauch des Namens "Namibia", "da die Namib Wüste nur ein Teil des Gebietes wäre".
David Hoveka Meroro versucht, Waldheim eine Petition auszuhändigen, wird dabei aber mit 100 SWAPO-Unterstützern von den Südafrikanern verhaftet. Er geht daraufhin ins Exil.
26.04. Missionar Heinrich Vedder stirbt in Okahandja.

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Haus des Rheinischen Missionars Heinrich Vedder auf dem Grundstück der Rheinischen Mission in Okahandja: Otjozondjupa Region: August 2003
Copyright of Photo: Dr. Klaus Dierks

21.06. Drei Off-shore-Bohrkonzessionen für Erdöl werden ausgegeben. In Toscanini wird ein Bohrloch (On-shore) mit einer Tiefe von 1 736 m geschlagen.
Juni/Juli Viele Dama beginnen einen Streik für bessere Arbeitsbedingungen, gegen die niedrigen Gehaltsstrukturen und gegen die allgemeinen schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse im Damaraland.
Juli DEMCOP kündigt an, dass die Mehrheit aller "Schwarzen" in Namibia das Kontraktarbeiter-System ablehnen würden.
01.08. Nach der Vorlage des Waldheim-Berichtes (19.07.) befestigt der UNO-Sicherheitsrat durch UNO SR Resolution 319, "dass Namibia das Recht hätte als Ganzes in unverletzlichen nationalen Grenzen unabhängig zu werden". Weiterhin wird Waldheims Mandat verlängert und Alfred Escher als sein persönlicher Vertreter angestellt. Der UNO-Rat für Namibia fordert alle fremden Firmen in Namibia auf, über die Arbeitsbedingungen ihrer Angestellten Berichte vorzulegen.
31.08. Nach der Vorlage des Waldheim-Berichtes (19.07.) befestigt der UNO- Sicherheitsrat durch UNO SR Resolution 319, "dass Namibia das Recht hätte als Ganzes in unverletzlichen nationalen Grenzen unabhängig zu werden". Weiterhin wird Waldheims Mandat verlängert und Alfred Escher als sein persönlicher Vertreter angestellt. Der UNO-Rat für Namibia fordert alle fremden Firmen in Namibia auf, über die Arbeitsbedingungen ihrer Angestellten Berichte vorzulegen.
September SWAPO erhält Beobachterstatus beim UNO Treuhandbüro der Vollversammlung der Vereinten Nationen.
Das staatliche Musikkonservatorium wird in Windhoek eröffnet.
09.09. Die Naute-Talsperre, südwestlich von Keetmanshoop, wird eingeweiht.
25.09. Eine UNO-Delegation unter der Leitung von Alfred Escher wird nominiert, Südafrika und Namibia zu besuchen.
12./29.10. Escher besucht Namibia. Er hält ohne die Präsenz von südafrikanischen Beamten 74 Zusammenkünfte mit allen Parteien und Interessengruppen ab. Die pro-südafrikanische Haltung Eschers und seine Unterstützung der südafrikanischen Bantustan-Politik verärgert SWAPO.
25.11. Namibias Telephonsystem wird mit Direktwahl an das südafrikanische System angeschlossen. Das Netz wird später durch ein Mikrowellen-Richtfunk-System zwischen Windhoek, Keetmanshoop und Upington ergänzt. Die Fernmeldezentralen wachsen von 99 auf 467. Es gibt 5 400 Farmlinien mit einer Gesamtlänge von 46 466 km.
06.12. Der Escher-Bericht bestätigt, dass die Mehrheit aller Namibier Südafrikas Fremdherrschaft und die Politik der ethnischen Trennung ablehnen.
Der UNO-Sicherheitsrat verlängert wiederum Waldheims Mandat. Er bekommt Zeit bis zum 30.04.1973, den Vereinten Nationen einen Bericht vorzulegen.
Ende 1972  Die SWA Non-European Unity Movement (SWANEUM) wird als Rivale für die NC gebildet. Hauptinitiator ist Andrew Kloppers. Sie wird von der RBA, der Vereinigung für die Erhaltung des Tjamuaha-Maharero Königlichen Hauses und einigen Nama unter der Führung von David Isaaks unterstützt.
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[Inhaltsverzeichnis]

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