1989 John Ya Otto wird Generalsekretär der NUNW.
16.01. Die erste Gruppe von 450 kubanischen Soldaten wird in der zweiten Januarwoche aus Angola abgezogen. Der UNO-Generalsekretär Péres de Cuéllar empfiehlt beachtliche Einschränkungen in der Stärke und bei den Kosten von der militärischen Komponente der UNTAG (von 7 500 auf etwa 4 500 Truppen). Gleichzeitig kündigt der südafrikanische Außenminister Pik Botha eine Verminderung der südafrikanischen Polizeikräfte in Namibia an. General Johannes (Jannie) Geldenhuys, Kommandeur der südafrikanischen Streitkräfte in Namibia, kündigt ebenfalls eine Verminderung der in Namibia stationierten südafrikanischen Truppen an. Nach verschiedenen vergeblichen Anläufen gelingt es dem UNO Sicherheitsrat, den 01.04.1989 als Beginndatum für die UNO SR Resolution 435 festzulegen.
18.01. Die zivile Komponente von UNTAG besteht aus 300 Professionals für die politischen,, wahltechnischen und administrativen Büros in Windhoek und in den 42 Distrikten. Eine zweite Gruppe von 180 kommt für den Registrierungsprozess, der nach drei Monaten beginnt.
20.01. Timothy Dibuama, der Militärberater des UNO-Generalsekretärs, schlägt vor, dass UNTAG die ursprüngliche Truppenstärke von 7 500 beibehält, aber nur 4 650 mobilisiert: drei Bataillone mit fünf Kompanien: die vier anderen Bataillone würden in Reserve in ihren Heimatländern bleiben.
Februar Die Parteien-Allianz der Vereinigten Demokratischen Front von Namibia (UDF) wird gegründet. Die LP von Reggie Diergaardt ist eine der Gründerparteien. Justus ||Garoëb vom Damara-Rat wird Parteiführer.
Die Rehoboth Volkspartei wird von Arrie Hermanus Smit neu gegründet. Sie bildet eine Allianz mit der Namibia Nationalen Front (NNF), die im gleichen Monat wiederbelebt wird.
Die United Liberation Movement wird gegründet. Sie tritt der NPLF bei.
Nach einer Spaltung in der NDP wird die Namibia National-Demokratische Partei (NNDP) (Namibia National Democratic Party (NNDP)) unter dem Vorsitz von Paul Helmuth gegründet.
Die Action Christian National (ACN) wird unter dem Vorsitz von J.W.F. "Kosie" Pretorius gegründet.
16.02. Die UNO SR Resolution 632 schafft die praktische Voraussetzung für die Implementierung der UNO SR Resolution 435 am 01.04.1989. An diesem Tage müssen die UNTAG-Streitkräfte überall mobilisiert sein, einschließlich jener Punkte, an denen sich PLAN-Soldaten zu versammeln haben. Die südafrikanischen Truppen werden auf die beiden Militärlager Grootfontein, Oshivelo oder beide beschränkt. Jetzt endlich ist die Voraussetzung geschaffen, das erste UNTAG-Personal nach Namibia zu schicken. Abdou Ciss entsendet das erste Schlüsselpersonal nach Windhoek, wo es mit Steven Fanning und Rachel Mayanja zusammentrifft.
20.02. Südafrika legt Beschwerde ein, dass Schweden UNTAG mit einer Transportkompanie unterstützt. Timothy Dibuama schlägt vor, dass Polen diese Aufgabe übernehmen könnte. Es ist nur starkem diplomatischem Druck zu verdanken, dass Südafrika diesem Vorschlag zustimmt.
24.02. Neue Probleme mit der Implementierung von Resolution 435 tauchen auf. Die "Non-Aligned-Movement" stellt in Frage, ob es UNTAG erlaubt werden kann, in Südafrika trotz der bestehenden Sanktionen einzukaufen, obwohl es allen Beteiligten klar ist, dass UNTAG ohne Versorgung aus Südafrika in Namibia nicht überleben kann. Nur der Hinweis, das unabhängige Länder wie Zambia und Zimbabwe massiv von Südafrika abhängig sind, löst die Situation.
26.02. General D. Prem Chand, Oberbefehlhaber der UNTAG-Militärkomponente, und zwanzig Senioroffiziere kommen in Windhoek an. Die erste Einheit von UNO-Soldaten erreicht Namibia einige Tage später.
28.02. Die namibische Interimsregierung (TGNU) löst sich auf.
Der namibische Generaladministrator Louis Pienaar übernimmt vorübergehend die Regierungsvollmacht in Namibia.
März Petrus "Piet" Matheus Junius gründet die Christ-Demokratische Partei (CDP)(Christian Democratic Party (CDP)) als einen Zusammenschluss von Mitgliedern der ehemaligen CDU und der Namibischen Volkspartei in Allianz mit der DTA, nachdem die CDU von ihrem vormaligen Vorsitzenden Andrew Kloppers, der die DTA verlassen und der LP 1988 beigetreten war, aufgelöst worden war.
Die National-Patriotische Front (NPF) wird durch eine Drei-Parteien-Allianz, der SWANU-MPC von Moses Katjiuongua, der CANU von Siseho Simasiku und der ANS von Eben van Zijl, gebildet.
01.03. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet den namibischen Friedensplan, schneidet aber den Haushalt dafür von US $ 700 Millionen auf US $ 416 Millionen.
14.03. Der UNO-Generalssekretär Javier Péres de Cuéllar schafft die Grundlagen für den formellen Waffenstillstand zwischen SWAPO und der südafrikanischen Regierung, wie in der UNO SR Resolution 435 vorgesehen. Er schreibt zwei identische Briefe an SWAPO (akzeptiert am 18.03.) und Südafrika (akzeptiert am 21.03.). Er legt den Beginn des Waffenstillstandes auf 04:00 Greenwich-Weltzeit am 01.04.1989 fest.
16.03. UNO-Rechtsanwälte machen den Südafrikanern die Konzession, dass sie praktisch jedem Personalmitglied der UNTAG ein Einreisevisum nach Namibia verweigern können. Daraufhin wird einigen UNTAG-Mitgliedern, besonders Presse- und Informationsleuten, ein Visum abgelehnt. Martti Ahtisaari übt entsprechenden Druck auf den südafrikanischen diplomatischen Vertreter in Windhoek, Jeremy Shearar, aus, um den Visumbann aufzuheben.
21.03. Vezera "Bob" Kandetu, stellvertretender Sekretär des Rates der Kirchen in Namibia (CCN), drückt die Sorgen der namibischen Kirchen aus, dass "die Südafrikaner sich darauf vorbereiten, die Ereignisse zu "manipulieren", besonders in Hinblick auf die Wahlen".
29.03. General Prem Chand von der UNTAG drückt seine Besorgnis aus, dass bis jetzt, drei Tage vor der Implementierung von UNO SR Resolution 435,es keine Anzeichen für einen Waffenstillstand auf der südafrikanischen Seite gäbe.
29./30.03. Sam Nujoma inspiziert eine militärische Parade von SWAPO-Truppen an der Hainjeko-Militär-Akademie in Lubango, weiterhin in Cahama, Xangongo und anderen SWAPO militärischen Ausbildungslagern. Er erklärt den Truppen die Waffenstillstandsbedingungen aufgrund der UNO SR Resolution 435, die am 01.04.1989 in Kraft treten würden. Er erklärt weiterhin, von nun an würden die Soldaten wieder in den Zivilistenstatus und nach Namibia zurückkehren, "um die Massen zu mobilisieren, um für SWAPO zu stimmen".
31.03. Der UNO-Sondervertreter für Namibia, Martti Ahtisaari, kommt in Windhoek an, um zusammen mit dem südafrikanischen Generaladministrator, Louis Pienaar, die Übergangsregierung zu übernehmen. Ahtisaari wird am Internationalen Flughafen Windhoek durch eine pro-südafrikanische Demonstration begrüßt. SWAPO gibt ihren Anhängern den Rat, mit Begrüßungsdemonstrationen bis zur wirklichen Implementierung der UNO SR Resolution 435 am 01.04.1989 zu warten.
Sam Nujoma kündigt in Gegenwart von Hidipo Hamutenya und dem Governador da Provincia du Cunene (Angola), Pedro Mutindi, in Lubango den Waffenstillstand zwischen SWAPO und den südafrikanischen Streitkräften an. Am Nachmittag hält Ahtisaari seine "erste Kabinettssitzung" mit Prem Chand, Danny Opande (Brigadier-General, Kenyaner, Prem’s Stellvertreter), Abdou Ciss, Steven Fanning,, Hisham Omayad, Cedric Thornberry und Omar Halim (Indonesier, Thornberry’s Stellvertreter) in Windhoek ab. Prem Chand berichtet, dass UNTAGs Militäraktionen auf Kurs sind, aber dass er einen ernsten Mangel an Fahrzeugen habe. Er habe ein Verbindungsteam in Angola, und die Angolaner haben versprochen, in der Frage von SWAPOs "confinement to base" zusammenzuarbeiten. Im Moment sei er nicht in der Lage, die PLAN-Aktionen zu überwachen. Chand sei auch nicht in der Lage zu bestimmen,, wie viel PLAN-Soldaten es gäbe und wo sich die Militärbasen befänden.
Römisch-Katholische Missionsstationen im Ovamboland, mit ihren gut organisierten Informations-Netzwerken, berichten nach Windhoek, dass am Abend des 31.03. südafrikanische Sicherheitskräfte an der Nordgrenze zusammengezogen würden. Dies ist eine Verletzung der Bestimmungen der UNO SR Resolution 435, in der es heißt, dass sich die SA-Truppen in ihren Militärbasen befinden müssten (Oshivelo oder Grootfontein). Die Kirche berichtet, dass sich die Südafrikaner auf ein Massaker an SWAPO-Truppen, die das Land infiltrieren würden, vorbereiteten. Der General-Vikar, Nordkamp, informiert sofort die UNO-Vertreter in Windhoek und die südafrikanischen Behörden. Die UNO schenkt Nordkamps Informationen keinen Glauben. Die Südafrikaner antworten ihm: "Wir haben den Feind entdeckt. Morgen [01.04.1989] werden wir ihn vernichten".
Am Abend gibt Südafrika ein offizielles Abendessen für UNTAG im "Südwestafrika-Haus", der offiziellen Residenz vom General-
Administrator, Louis Pienaar. Der südafrikanische Außenminister, Pik Botha, und der SA Verteidigungsminister, Magnus Malan, berichten über ernsthafte Zwischenfälle an der nördlichen Grenze zu Angola. Sie behaupten, dass SWAPO 150 seiner PLAN-Soldaten über die Grenze geschickt habe und dass sich weitere 750 direkt nördlich der Grenze befänden. Nach dem Abendessen ruft Ahtisaari New York an und schlägt dem UNO-Generalssekretär vor, Theo-Ben Gurirab, SWAPOs Vertreter bei den Vereinten Nationen und den angolanischen Botschafter einzubestellen und ihnen mitzuteilen, was die Südafrikaner heute Abend berichtet hätten und ihnen seine ernsthafte Besorgnis über die Vorfälle zu übermitteln.
April Vier Auffanglager werden von Namibia Consult Incorporated (Direktor: Klaus Dierks) für zurückkehrende Namibier (etwa 40 000) in Döbra, Mariabronn nahe Grootfontein, Ongwediva und Engela im Ovamboland unter der Aufsicht des Repatriation, Resettlement and Reconstruction Committee (RRR-Committee: Vorsitzender: Wilfried Neusel, General-Sekretär: Immanuel Dumeni, Schatzmeister: Carl Scholz) des Rates der Kirchen in Namibia (CCN) eingerichtet.
Während UNTAGs Hauptphase gibt es etwa 8 000 Personen aus 21 Ländern (militärisch ), 25 Ländern (Polizei) und 80 Ländern (Zivil), die in Namibia Dienst tun. UNTAGs Postdienst verfügt über eine zivile Abteilung (G. Andal) im Philip-Troskie-Gebäude in Windhoek. Die militärische Postabteilung wird vom dänischen UNTAG-Kontingent (Borge Knudsen) in der Suiderhof-Militärbasis in Windhoek wahrgenommen.
01.04. Die Durchführung der UNO SR Resolution 435 beginnt, um freie und faire Wahlen für eine Verfassungsgebende Versammlung unter Aufsicht der Vereinten Nationen abzuhalten. Der vereinbarte Waffenstillstand zwischen SWAPO und den südafrikanischen Streitkräften tritt in Kraft. Die UNTAG-Truppen haben noch nicht ihre volle Stärke erreicht (weniger als ein Viertel der - bereits reduzierten - 4 650 UNTAG-Truppen befinden sich in Namibia, und nur eine Handvoll im kritischen Norden).
Der namibische Unabhängigkeitsprozess droht an dem Tage, an dem er beginnt, zu scheitern: Südafrika und die Westmächte erklären, etwa 600 SWAPO-Truppen würden aus Angola nach Namibia zurückkehren (wie von Pik Botha behauptet), um den - immer noch nicht im Norden vorhandenen - UNTAG-Truppen ihre Waffen zu übergeben. Die wirkliche Anzahl der SWAPO-Truppen, welche nach Namibia aus Angola zurückkehrt, und ob diese Truppen wirklich aus Angola oder Namibia kommen, muss durch weitere Forschungen verifiziert werden. Die Zahl von 600 Truppen wird von den Südafrikanern gebraucht, um den UNO-Sondervertreter für Namibia Martti Ahtisaari zu überzeugen (die Südafrikaner stellen ihm ein Ultimatum, dass er eine halbe Stunde Zeit hätte, einen Beschluss zu fassen), der Öffnung der südafrikanischen Militärbasen in Grootfontein und Oshivelo zuzustimmen. Es besteht kein Zweifel, dass sich immer SWAPO-Truppen in den nördlichen Gebieten Namibias befanden (Der einzige Überlebende von einer Gruppe von 28 PLAN-Kämpfern, Johannes Kutumba, berichtet später, dass er seit Dezember 1988 im Norden Namibias in Stellung lag. Klaus Dierks berichtet später, dass er persönlich vor dem 01.04.1989 SWAPO-Lager in Namibia gesehen hätte).
Die ausschlaggebende Direktive in der UNO SR Resolution 435 bestimmt, dass "Provision for SWAPO forces inside Namibia at the time of cease-fire to be restricted to base at designated locations inside Namibia to be specified by special Representative after necessary consultation".
Was sogenannte "SWAPO-Militärbasen in Namibia" angeht, so gibt es zahllose Beweise, dass, obwohl PLAN-Truppen regelmäßig aus Angola die Grenze nach Namibia überquerten und für längere Zeiträume im Busch und unter der örtlichen Bevölkerung verweilten, sie nach Angola zurückkehrten, sobald ihre Aufgaben erfüllt waren. Sie besitzen keine "Basen" in Namibia im Sinne von permanenten Installationen mit Personal und technischer Infrastruktur.
Die Südafrikaner behaupten, dass PLAN-Kräfte planten, die Basen der südafrikanischen Streitkräfte anzugreifen, die Straße von Ondangwa nach Oshakati und die Hochspannungslinie von Ruacana, Telephonlinien und Straßenbrücken zu zerstören. Es gäbe Pläne, die Wasserzufuhr in das Ovamboland abzuschneiden und dann die "weißen" Farmgebiete um Tsumeb herum anzugreifen. Der SWA Polizeichef, Dolf Gous, beharrt darauf, dass PLAN nicht an einem Waffenstillstand interessiert sei. "Sie verwischen nicht mal ihre Spuren". Diese südafrikanischen Behauptungen können nicht bewiesen werden. Zwei PLAN-Kriegsgefangene, die von den Südafrikanern schwer misshandelt worden waren, werden von Daniel Opande und Ed Omotoso von der UNTAG verhört. Das Verhör ergibt keine Widersprüche und beide Soldaten sind glaubwürdig. Jeder sagt in Einzelverhören dass "sie Befehle von ihren Kommandeuren empfangen hätten, Namibia friedlich zu betreten und sich in keine Kämpfe mit den Südafrikanern verwickeln zu lassen, da am 01.04.1989 ein Waffenstillstand eintreten würde und dass es keine weiteren Kämpfe mehr geben würde. Das UNO-Personal würde sie in Empfang nehmen und für sie sorgen".
Es kommt nahe der angolanischen Grenze sofort zu schweren Kämpfen mit den Südafrikanern. Die Kämpfe konzentrieren sich zunächst auf die Gebiete von Ohangwena, Omafu, Onuno, Engela
, Endola und Ondeshifiilwa. Ernstlich beginnen die Kämpfe erst am 02.04., als es klar wird, dass der Waffenstillstand keinen Bestand mehr hat.
In den nächsten Tagen und Wochen können die südafrikanischen Sicherheitskräfte nicht zur Zurückhaltung gezwungen werden. Sie veranstalten ein Blutbad, ein Massaker. Im Jahre 1998 verweist die South African Truth and Reconciliation Commission auf den Verdacht, dass in jenen Tagen schwere Verbrechen von den Südafrikanern begangen wurden. Sie verweist auf die summarische Hinrichtung von zahlreichen SWAPO-Kriegsgefangenen [Report of the Truth and Reconciliation Commission 1998, Vol. 2].
Pro-SWAPO-Demonstrationen in Windhoek, um die UNTAG zu begrüßen, werden von der südafrikanischen Sicherheitspolizei unter dem Befehl von Jumbo Smit zerschlagen. Die deutsche Bundestagsabgeordnete, Uschi Eid, und Klaus Dierks protestieren ohne Erfolg bei den UNO-Behörden in Windhoek.
Die Demonstranten ziehen sich nach Katutura zurück, wo im Laufe des Tages ca. 15 000 Namibier demonstrieren.
Die britische Premier-Ministerin Margaret Thatcher kommt aus Blantyre/Malawi in Windhoek an. Sie unterstützt sofort Bothas Behauptung über das Eindringen von SWAPO-Truppen aus Angola, ohne sich mit den wirklichen Tatsachen vertraut zu machen.

Namibia.Owambo.Omusati.Ondeshifiilwa.jpg (99802 bytes)

Denkmal in Ondeshifiilwa, das an die Ereignisse vom
1. April 1989 erinnert         

Copyright of Photo: Dr. Klaus Dierks

03.04. Drei südafrikanische Bataillone, die aufgrund der UNO SR Resolution 435 eigentlich bereits auf ihre vereinbarten Truppenbasen in Oshivelo und Grootfontein beschränkt hätten sein sollen, werden mit Genehmigung des UNO-Sondervertreters Martti Ahtisaari mobilisiert, um die SWAPO-Truppen zu stoppen. Die schweren Kämpfe im Norden Namibias gehen weiter. Etwa 300 SWAPO-Kämpfer (dabei auch lokale und unbeteiligte Nicht-Kombattanten und SWAPO-Sympathisanten) und 27 Südafrikaner kommen in den Gefechten um.
Theo-Ben Gurirab, SWAPOs Vertreter bei den Vereinten Nationen, kritisiert Martti Ahtisaari und spricht davon, dass die Hände der Vereinten Nationen mit namibischem Blut bedeckt seien.
04.04. Peter Mweshihange, SWAPOs Sekretär für Verteidigung, spricht in Luanda, Angola. Er sagt, dass SWAPO auf die Vereinten Nationen drei Tage gewartet hätte, um den Kämpfen eine Ende zu bereiten, und dass es jetzt einen erneuten Waffenstillstand akzeptieren würde. Es wäre jetzt Ahtisaaris Pflicht, die Südafrikaner zu bewegen, auch einem solchen zuzustimmen. Die PLAN-Kräfte hätten Befehl, sich in keine Kämpfe innerhalb Namibias verwickeln zu lassen, bis der Waffenstillstand in Kraft wäre. Dann sollen sie sich der UNTAG ergeben. "Unglücklicherweise hätte UNTAG ihnen diese Möglichkeit nicht gegeben. UNTAGs und Südafrikas andringen, dass die SWAPO-Kader aus Namibia nach Angola vertrieben werden müssten,  ... , stände im Widerspruch zum UNO-Friedenplan ... ." Interne SWAPO-Führer wie Niko Bessinger, Jerry Ekandjo und Danny Tjongarero sind offensichtlich über SWAPOs Bewegungen, obwohl sie SWAPOs offizielle Verbindungskader bis zur Rückkehr der externen SWAPO-Führung nach Namibia sind, nicht informiert.
David Smuts, Namibischer Rechtsanwalt, der das Menschenrechtszentrum in Namibia leitet, informiert UNTAG über die Ereignisse im Norden am letzten Wochenende. Er berichtet, dass die PLAN-Kräfte sich friedlich versammelt hätten und dann von den südafrikanischen Sicherheitskräften angegriffen worden wären. Getötete SWAPO-Soldaten sind dann in Massengräbern beigesetzt worden.
06.04. Südafrika schlägt vor, dass PLAN-Soldaten, die entwaffnet wären, aus Namibia übe designierte Kontrollstellen an der Nordgrenze gebracht werden sollten. Sie könnten dann als normale Rückkehrer zurückkommen. Der Rat der Kirchen in Namibia (CCN) informiert Martti Ahtisaari, dass dieser durch die Ereignisse am 01.04.1989 völlig überrascht worden wäre.
07.04. Der Generaladministrator Pienaar suspendiert den namibischen Unabhängigkeitsprozess. Dieser einseitige Beschluss wird später vom südafrikanischen Außenminister Pik Botha rückgängig gemacht.
Der UNO-Generalsekretär arrangiert die frühzeitige Mobilisierung von drei UNTAG-Bataillonen aus Finnland, Kenya und Malaysia.
08.04. Sam Nujoma gibt Befehl, im Interesse der Rettung des Friedensplanes aufgrund von UNO SR Resolution 435, dass sich alle SWAPO-Truppen über die Grenze nach Angola zurückzuziehen hätten. Die Kämpfe gehen jedoch bis zum 24.04. weiter.
Der Rat der Kirchen in Namibia (CCN) schlägt vor, dass die Kirchen im Norden (Oniipa, Oshigambo, Engela, Odibo, Mpungu, Okatana, Oshikuku and Anamulenge) die nötige Unterkunft verschaffen könnte, die UNTAG braucht, um SWAPO-Soldaten vor ihrer Rückkehr nach Angola sicher unterzubringen. Die Kombination von UNO-Präsenz und Kirche wäre eine sichere Lösung.
09./11.04. Vertreter der Gemeinschaftlichen Kommission zwischen Angola, Kuba und Südafrika mit USA (Chester Crocker)- und sowjetischen (Anatoly Adamishin) Beobachtern treffen sich auf der Mount Etjo-Gästefarm, um den namibischen Friedensprozess zu retten. Die Parteien kommen überein, dass die SWAPO-Truppen unter UNO-Aufsicht in sechzehn Lagern versammelt, und unter Garantie freien Geleits bis zum 16. Breitengrad nach Angola zurückgeschickt werden. Alle Versammlungspunkte wären unter UNTAG-Aufsicht und sollten am 11.04.1989-12h00 operationell sein.
11.04. Der Mount-Etjo-Kompromiss droht zu scheitern, da die südafrikanischen Truppen versuchen, den freien Rückzug der SWAPO-Truppen nach Angola zu stören und zu verhindern. Sehr wenig PLAN-Kräfte tauchen, wegen der sehr sichtbaren südafrikanischen Militärpräsenz an den offiziellen Versammlungspunkten auf. Generaladministrator Louis Pienaar erklärt, dass UNTAG und die südafrikanischen Sicherheitskräfte "übereingekommen wären, dass PLAN-Soldaten verhört werden würden". Pienaars Aussage wird in der Folge von Pik Botha als nichtig erklärt.
13.04. Selbst ohne die Androhung von Verhören geben sich die südafrikanischen Sicherheitskräfte bedrohlich und bewegen sich ohne Hemmungen in den Versammlungspunkten und in den Kirchengrundstücken. Keine PLAN-Soldaten kommen zu den Versammlungspunkten und sehr wenige zu den Kirchen. Es kommt zu einem fatalen Zwischenfall im Kaokoveld, an einem Versammlungspunkt bei Swartbooisdrift. Verwundete SWAPO-Nachzügler versuchen, sich in Sicherheit zu bringen. Sie werden von den Südafrikanern in einen tödlichen Hinterhalt gelockt.
17.04. Bis heute sind nur sieben PLAN-Soldaten in den offiziellen Versammlungspunkten und in den Kirchen aufgetaucht.
18.04. Angola und Kuba verlangen, dass es zu direkten Kontakten zwischen SWAPO und den Südafrikanern kommen muss, um den Mount-Etjo-Vertrag zu retten. SWAPO und Südafrika einigen sich, in Ruacana direkte Gespräche zu führen. Die SWAPO-Delegation steht unter Führung von Nahas Angula und Erastus Negonga, die südafrikanische unter General Willie Meyer und Carl von Hirschberg. Die Verhandlungen führen zu einer 60-stündigen Waffenruhe ab 26.04.
20.04. UNTAG eröffnet das erste Büro der United Nations Civilian Police (UNCIVPOL) in Windhoek-Katutura. Zweihundert UNO-Polizisten sollen nächste Woche in den Norden geschickt werden. UNTAG wird jedoch durch einen Mangel an Unterkünften, Fahrzeugen und Kommunikationen und im Norden durch das Fehlen von mine-resistant vehicles (MRVs). UNTAG kann seine Soldaten und Polizisten nicht in normalen Fahrzeugen im norden herumfahren lassen. Die SA-Truppen, die die Situation viel besser kennen als die Vereinten Nationen verlassen niemals befestigte Straßen ohne ihre MRVs. UNTAG bekommt ihre ersten zwanzig MRVs von den Südafrikanern, aber nur vier sind fahrbereit.
Die meisten der UNTAG-Militärbeobachter in Angola sind zu dieser Zeit im Süden des Landes stationiert, in Chibemba, wo sie die Zurückkehr der PLAN-Kräfte in den Norden kontrollieren können.
25.04. Die südafrikanischen Sicherheitskräfte informieren UNTAG in Oshakati, dass sie eine Anzahl von PLAN-Kriegsgefangenen, die in den letzten Wochen gefangen genommen worden waren, übergeben würden. Martti Ahtisaari und Marrack Goulding werden am nächsten Tag informiert, dass 31 Gefangene UNTAG ausgeliefert werden würden. Aber es sind keine Übergabe-Modalitäten mit den Angolanern vereinbart worden, und es gibt keine Unterkünfte für die Gefangenen in Oshakati. So muss sich UNTAG wieder an seine Kirchenfreunde wenden, und Bischof Kleophas Dumeni von ELCIN weist Quartiere in Ongwediva für die 26 gesunden Gefangenen an (fünf andere werden in das Kirchenhospital in Oniipa überwiesen). Am 27.04. erreichen die 26 PLAN-Soldaten die Angola-Grenze, nachdem sie medizinisch untersucht und ihre Bereitschaft erklärt hatten, dass sie nach Angola zurückkehren würden.
26.04. Die südafrikanischen Truppen werden wieder, für 60 Stunden, auf ihre Basen beschränkt, um den SWAPO-Truppen Gelegenheit zu geben, unter UNTAG-Aufsicht, über bestimmte Grenzübergangspunkte nach Angola zurück zu gehen.
27./28.04. Die Cape Town Joint Commission wird für die UNTAG von Martti Ahtisaari, Marrack Goulding, Prem Chand und Ed Omotoso und von dem südafrikanischen Generaladministrator für SWA beigewohnt. Es wird beschlossen, dass nach der Beschränkung der südafrikanischen Truppen auf ihre Basen, ein "process of verification", für vierzehn Tage bis um 06h00 am 13.05., beginnen solle. "An diesem Datum soll die Beschränkung aller SWAPO-Truppen in Angola auf Basen nördlich des 16. Breitengrades unter UNTAG-Kontrolle abgeschlossen sein. Die SA Truppen müssen dann in ihre Basen zurückkehren und der Implementierung der UNO SR Resolution 435 in ihrer ursprünglichen Form steht dann nichts mehr im Wege".
28.04. Die CANU spaltet sich nach den Ausschlüssen von Präsident George Mutwa, Lemmy Matengu und Ernest Likando in die CANU-NPF und die CANU-UDF. Präsident der CANU-NPF wird Siseho Simasiku. Mutwa wird Präsident der CANU-UDF.
30.04. Die britische Sonntagszeitung Sunday Telegraph berichtet über den Zustand von achtzehn toten PLAN-Soldaten, die offensichtlich hingerichtet worden und nicht im Kampf gefallen waren.
Mai Die UNTAG-Militär- und Polizeikomponenten erreichen endlich ihre Sollstärke. Die Vereinten Nationen stellen eine Kommission an, die alle Verletzungen des Unparteilichkeitsprinzips im Wahlkampf untersuchen soll.
Die Workers Revolutionary Party (WRP) wird als Allianzpartei der UDF und später auch der Sozialistischen Allianz von Namibia (SAN) von Werner Henry Mamugwe, Attie Beukes (Enkel von Samuel Beukes, der 1915 gegen die Deutschen und 1925 gegen die Südafrikaner kämpfte) und Erica Beukes gegründet.
08.05. Das Senior-Personal des Generaladministrators verbessern sichtlich ihre Beziehungen mit UNTAG. UNTAG ist jetzt in der Lage, oft informell, Dinge effizient mit Leuten wie Carl von Hirschberg, Kobus Bauermeester, Gerd Roux und John Viall zu regeln.
Am gleichen Tage besteht UNTAG auf der Suspendierung eines hohen Polizeioffiziers als Folge eines südafrikanischen Polizei-Überfalls (Koevoet (Kuhfuß)) auf ein Kirchen-Hospital im Norden, wo Koevoet auf der Suche nach angeblichen SWAPO-Soldaten das Gelände überfiel. Von Hirschberg genehmigte die Suspendierung und schlug ein gemeinsames Komitee vor, dass sich mit solchen Vorfällen befassen soll, mit der Vollmacht, den General-Staatsanwalt zu bewegen, Anklage in solchen Fällen zu erheben.
13.05. Die südafrikanischen Sicherheitskräfte kehren in ihre Basen zurück. Seit dem Cape Town Joint Commission-Treffen Ende April konzentrierten sie sich auf das Auffinden von angeblichen SWAPO-Waffenlagern und hatten dabei noch weitere vier SWAPO-Soldaten getötet.
15.05. Eine zweite Gesprächsrunde zwischen UNTAG und den Südafrikanern findet in Ruacana statt. Südafrika befestigt, dass die ursprüngliche Lage vom 31.03.1989 wiederherstellt wurde, und dass die südafrikanischen Truppen in ihre Basen zurückkehren könnten. UNTAG-General Opande berichtet, dass bisher 1 442 PLAN-Soldaten nach Angola zurückgekehrt seien, und der angolanische General Ndalu stellt fest, dass es keine PLAN-Soldaten südlich des 16. Breitengrades mehr gäbe. Die Parteien kommen überein, dass sie sich am 19.05. wieder in Cahama in Angola on 19.05. treffen sollten.
16.05. Angola legt während der Luanda-Gipfelkonferenz einen Friedensplan vor.
17.05. Der Generaladministrator stellt eine juristische Kommission an, Judicial Commission for the Prevention of Intimidation and Election Malpractices (bis zum 17.11.). Vorsitzender der Kommission ist Bryan O’Linn.
19.05. Hompa Angelina Matumbo Ribebe wird in Kayengona (Kavango) als Königin im Shambyugebiet eingeschworen.
22.05. Der Generaladministrator erlässt die nötigen Gesetze, um einen gerechten und freien Wahlprozess zu gewährleisten. Das erste Gesetz ist die Proklamation AG 11, die die Grundlagen schafft für die "Establishment and Powers of the Commission for the Prevention and Combatting of Intimidation and Election Malpractices".
Juni Weitere 1 200 kubanische Truppen verlassen Angola (über 2 000 seit Januar).
01.06. UNO SR Resolution 435 erfordert die Demobilisierung der Südwestafrika-Gebietsmacht (SWATF) und der "Bürgerwehren" und der "Kommandos", die am 01.04.1989 abgehandelt hätte sein sollen. Die zwei letzteren Militäreinheiten haben 11 158 Soldaten. Ihre Waffen und Equipment sollen von der UNTAG-Infanterie bewacht werden. Die SWATF hat 21 661 Mitglieder, alle Ränge, und hätte auch am 01.04.1989 demobilisiert sein sollen. Die Meisten von ihnen wurden nach den Ereignissen am und nach dem 01.04 re-aktiviert, werden aber mit dem heutigen Tage endgültig demobilisiert. Die ehemaligen SWATF-Mitglieder glauben jedoch, dass sie nur auf Urlaub und nicht demobilisiert wären. Sie behalten ihre Uniformen und werden weiterhin von den Südafrikanern bezahlt. UNTAG besteht darauf, dass dieses ein Bruch der UNO SR Resolution 435 sei und verwirft die südafrikanische Erklärung, dass weiteres SWAPO-Eindringen zu erwarten sei.
08.06. Der Generaladministrator erlässt Proklamation AG 14 ("First Law amendment (Abolition of Discriminatory of Restrictive Laws for purposes of Free and Fair Elections)).
12.06. Der Generaladministrator kündigt eine General-Amnestie für alle Exil-Namibier an. Alle Beschränkungen von politischen Aktivitäten und 46 diskriminierende Gesetze werden aufgehoben (AG 16 von 1989). Exil-Namibier bekommen damit die Möglichkeit, in ihr Heimatland zurückzukehren.
Mitte Juni Zu diesem Zeitpunkt hat UNTAG fünf operative Netzwerke in Namibia. Die Militärkomponente repräsentiert das erste Netz. Das Zweite besteht aus der UN-Zivilpolizei, die in den letzten Monaten auf eine Stärke von 500 auf 1 500 gebracht wurde. Die UNTAG-Verwaltung repräsentiert das dritte Netz. Das Vierte setzt sich aus der Wahlabteilung, die von Hisham Omayad geleitet wird, zusammen. Das Fünfte besteht aus den 42 Regional-Zentren. Obwohl der Flüchtling-Hochkommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) und das Repatriation, Resettlement und Reconstruction Committee (RRR-Committee) des Rates der Kirchen in Namibia (CCN) autonom sind, arbeiten sie doch mit UNTAG eng zusammen.
18.06.



Unter der Aufsicht des Flüchtling-Hochkommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) und des Repatriation, Resettlement and Reconstruction Committee (RRR-Committee) des Rates der Kirchen in Namibia (CCN) beginnt die Zurückführung von namibischen Exilanten. Die erste Gruppe SWAPO-Führer wie Hage Gottfried Geingob, Libertine Amathila, Theo-Ben Gurirab, Hidipo Hamutenya und Pendukeni Iivula Ithana kehrt nach Jahrzehnten des Exils nach Namibia zurück. Bei der Ankunft in Windhoek wird sofort zu einer Politik der nationalen Aussöhnung aufgerufen. Insgesamt kehren 42 736 Namibier aus dem Exil in 42 Ländern zurück, einschließlich von etwa 7 000 PLAN-Soldaten in Zivilkleidung mit ihren Kommandeuren. Diese mehr als 40 000 SWAPO-Exilanten sind wesentlich mehr als die 30 000 Soldaten der Südwestafrika-Gebietsmacht (SWATF), die gegen die SWAPO kämpften, und die etwa 6 000 Angehörigen der Polizei einschließlich der paramilitärischen Verbände wie Koevoet. Die meisten Exilanten kommen aus dem SWAPO-Lager in Kwanza-Sul in Angola.
Der von Südafrika kontrollierte Südwestafrikanische Rundfunk (SWAR) ignoriert völlig die heutige Nachrichtenschlagzeile. Nicht nur, dass diese aus den Abendnachrichten ausgelassen wurde, es gab überhaupt keine Nachrichten. Als SWAPO bei der Ankunft von Ahtisaari am 31.03.1989 ihre erste Pressekonferenz abhielt, verfiel SWAR wenigstens nicht so sehr in Panik, dass sie die Nachrichten abbliesen, sondern sie ignorierten nur SWAPO und machten stattdessen für die DTA Propaganda.
SWARs Parteilichkeit unter der Leitung von Piet Venter und seinem Stellvertreter, Piet Coetzer, zugunsten der südafrikanischen kolonialen Verwaltung dauert bis nach den November-Wahlen. Der UNO-Bericht S/20883 vom 06.10.1989 geißelt diese Parteilichkeit. UNTAGs Versagen, den SWAR zur Unparteilichkeit zu zwingen, kann als UNTAGs Hauptversäumnis in der Durchsetzung der UNO SR Resolution 435 bezeichnet werden. Die Namibia-Friedensplan-Gruppe (NPP-435)(Namibia Peace Plan 435 (NPP-435))(Nahum Gorelick) berichtet laufend über die Parteilichkeit des SWAR.
Pendukeni Iivula Ithana wird die stellvertretende Vorsitzende in der Rechtsabteilung des SWAPO-Wahlbüros. Tjitendero wird ebenfalls einer der Organisatoren des Wahlbüros.
Die südafrikanische Regierung zieht ihre Budget-Subsidien von etwa US$ 200 Millionen im Jahr für den namibischen Haushalt zurück. Die Folge dieser südafrikanischen Entscheidung wäre eine Verschlechterung der namibischen Infrastruktur und die Kürzung vieler notwendiger Dienstleistungen. Es wäre auch nicht möglich, die Beamtengehälter bis zum Ende des Haushaltjahres am 31.03.1990 zu bezahlen. UNTAG warnt Südafrika, dass es bis zur Unabhängigkeit Namibias für dieses Land verantwortlich sei.
22.06. Dos Santos und Savimbi einigen sich in Gbadolite (Zaire) auf ein Waffenstillstandsabkommen zwischen MPLA und UNITA in Angola, das um Mitternacht in Kraft treten soll.
Die Sozialistische Allianz von Namibia (SAN) wird gegründet. Generalsekretär ist Rirua Karihangana. Die Partei überlebt das Jahr 1989 nicht.
26.06. Nach schwierigen Verhandlungen zwischen UNTAG und dem Generaladministrator wird nun über die Qualifikationen für die Wählerregistrierung Übereinstimmung erzielt. Das Kriterium von vier Jahren Residenz in Namibia für nicht-hier-geborene Namibier wird nun akzeptiert. Südafrikanisches Militär- oder Zivilpersonal kann nur registriert werden, wenn diese einen Eid ablegen, dass sie nach der Unabhängigkeit im Lande bleiben würden. Als Wähler können auch die nicht in Namibia geborenen, erwachsenen Kinder von geborenen Namibiern registriert werden.
30.06. Der Generaladministrator erlässt Proklamation AG 19 ("Registration of Voters (Constituent Assembly Proclamation))".
01.07. Der Wahlkampf beginnt offiziell.
Die Nationale Transport-Korporation wird in TransNamib umgetauft.
02.07. SWAPO veröffentlicht ihr Wahl-Manifest, das auf den Grundsätzen des Verfassungs-Diskussionspapiers von 1975 beruht. Das Manifest propagiert die Gewährleistung von fundamentalen Menschenrechten, unabhängige Rechtsstaatlichkeit, die Strukturen der zukünftigen Staatsorgane und der Verwaltung, die rechtlichen Voraussetzungen für namibische Bürgerschaft und die grundsätzlichen Charakteristika des neuen Staates.
04.07. Die Wählerregistrierung beginnt. Jeder potentielle Wähler kann dieses an jedem Registrierungspunkt im Lande tun. 69 Registrierungs-Zentren werden in den 23 Wahlbezirken eingerichtet. Zusätzlich werden 110 mobile Registrierungseinheiten geschaffen, um die 2 200 Registrierungspunkte abzudecken. UNTAG schätzt, dass etwa 685 276 Namibier als Wähler qualifizieren (Am 23.09.1989 sind 701 483 Wahlberechtigte registriert worden). Spezielle Wahlpunkte werden in Swakopmund eingerichtet, um Wähler aus Walvisbucht, das immer noch zu Südafrika gehört, zu akkommodieren. Andere werden im äußersten Süden geschaffen. Ein Weiteres wird am Internationalen Flughafen Windhoek eröffnet.
Ein Political Consultative Council (PCC) wird von Riundja Kaakunga und Johannes Konjore als Druckgruppe von 153 ehemaligen SWAPO-Häftlingen in Angola gegründet, um sich für die Freilassung aller in Angola immer noch inhaftierten SWAPO-Häftlinge einzusetzen (als Folge der sogenannten "Spion-Krise"). Die meisten dieser Häftlinge kehren unter UNO-Aufsicht nach Namibia zurück.
Die Römisch-Katholische Kommission für "Gerechtigkeit und Frieden" verurteilt alle Menschenrechtsverletzungen in SWAPO-Lagern.
Externe SWAPO-Gemeinschaften in Zambia und später in Angola, sind immer der Infiltration von südafrikanischen Agenten ausgesetzt gewesen. Wie mit anderen Befreiungsbewegungen des südlichen Afrika ist das eine wirkliche Gefahr. Aber das führte auch zu einer gewissen Paranoia bei SWAPO. Sogar die Frau des SWAPO-Präsidenten, Kovambo Theopoldine Nujoma, geb. Katjimune und Schwager Aaron Mushimba sollen in SWAPO-Lagern festgehalten worden sein. Senior-SWAPO-Führer sollen bis Februar 1989 gefangen gehalten worden sein.
Das Parlament der Europäischen Union akzeptiert eine Resolution über die SWAPO-Gefangenen in Angola. Das geschieht auf Ersuchen einer Druckgruppe, die in der Vergangenheit sich wenig um die Opfer der Apartheid gekümmert hat.
Am 05.05.1989 schickte Martti Ahtisaari einen Brief an den südafrikanischen Generaladministrator, an Sam Nujoma und an die Außenminister von Zambia und Angola. Er forderte Information über den Verbleib von allen namibischen Gefangenen unter der jeweiligen Kontrolle dieser Länder. Antworten wurden bis zum 20.05.1989 erwartet. SWAPO und Angola antworteten innerhalb dieser Frist. Angola erklärt, dass es "gegenwärtig keine namibischen Gefangenen in Angola oder in SWAPO-Lagern gäbe".
Im September 1989 schickt UNTAG eine UN-Mission, die UN Mission on Detainees (UNMD), geführt vom nigerianischen Ex-Botschafter B.A. Clark, nach Angola und Zambia. Die Mission durchkreuzt beide Länder für mehrere Wochen, oft unangemeldet, findet aber keine namibischen Gefangenen mehr.
17.07. Ombara (traditioneller Titel) Tuhavi David Kambazembi wird als Gruppenführer des Kambazembi Royal House in Okakarara eingeschworen.

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Treffen zwischen dem Kabinett-Komitee: Archives of Anticolonial  Resistance and the Liberation Struggle (AACRLS) mit der Kamabazembi-Gruppe in Okakarara: 29.07.2003
Copyright of Photos: Dr. Klaus Dierks

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Ratsmitglieder der Kambazembi-Gruppe bei dem Treffen mit dem Kabinett-Komitee: Archives of Anticolonial  Resistance and the Liberation Struggle (AACRLS) in Okakarara: 29.07.2003
Copyright of Photos: Dr. Klaus Dierks

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Gruppenführer Tjikuua von der Ovaherero-Gemeinschaft der Kambazembi-Gruppe während eines Treffens mit dem Kabinett-Komitee: Archives of Anticolonial  Resistance and the Liberation Struggle (AACRLS) in Okakarara: 29.07.2003
Copyright of Photo: Dr. Klaus Dierks

20.07. Eric Biwa gründet in Allianz mit der UDF die Patriotic Unity Movement.
21.07. Der Generaladministrator publiziert einen Proklamationsentwurf für die November-Wahlen. Ein Protestaufschrei folgt im ganzen Lande, da es klar wird, dass Südafrika versucht, die Wahl in ihrem Sinne zu beeinflussen. Die Diskussionen zwischen dem G.A. und UNTAG werden durch die Monate August und September geführt und sind oft sehr bitter. Sie werden Anfang Oktober so hart geführt, dass UNTAG ernstlich in Erwägung zieht, die Wahlen zu verschieben. Ein Zwistpunkt ist, dass UNTAG fordert, dass alle politischen Parteien zu allen Stadien des Wahlprozesses gegenwärtig sein dürfen. Das soll nicht nur garantieren, dass die Wahlen fair und frei sind, sondern dass dies auch für das namibische Volk sichtbar gemacht wird. Südafrika opponiert diesen UN-Vorschlag mit allen Mitteln. Südafrika versucht bis zum letzten Moment, die Bildung der Verfassungsgebenden Versammlung zu beeinflussen.
Der UNO-Generalssekretär Javier Péres de Cuéllar besucht Namibia. Er ist über die fortgesetzte Gewaltanwendung, besonders im Norden Namibias, beunruhigt. Eine der Prioritäten des UNO-Generalssekretärs ist es, die namibischen politischen Parteien zu treffen. Sie kommen alle, zehn Parteien und die gesamte namibische Presse, um über dieses einzigartige Ereignis zu berichten. Péres de Cuéllar erklärt unter Anderem den Parteien "Früher oder später werden UNTAG und die Südafrikaner verschwinden. Ihr, als die Vertreter des namibischen Volkes werdet die Früchte der lange entbehrten Unabhängigkeit ernten. Ihr müsst aber auch die volle Verantwortung für Unabhängigkeit und Nationen-Bildung übernehmen ... ." Péres de Cuéllar’s Vorschläge werden von allen Parteien angenommen. Ein Ergebnis des Treffens ist der Wahlverhaltenskodex, der am 12.09.1989 unterzeichnet wird.
25.07. Die Popular Movement 1904 (PM 1904) wird als politische Druckgruppe gegründet, um die "Zurückführung aller Nachkommen der ausgerotteten Namibier in den Kolonialkriegen gegen die Deutschen in den Jahren 1896 und 1904-1905" aus Botswana zu initiieren. Ein weiteres Ziel ist es, das von der deutschen Kolonialmacht enteignete Land zurückzufordern. Der erste Sekretär ist Rirua Karihangana.
24.-28.07. Der UNO-Rat für Namibia hält die UNO-Konferenz: "Contingency Planning for Technical Assistance to Namibia during the Transition to Independence" in Wien/Österreich ab. Namibische Teilnehmer sind u.a.: Lindi Kazombaue, Immanuel Dumeni, Solomon Amadhila, Pius Dunaisky, Fanuel Tjingaete, Ben Kathindi, Calle Schlettwein, Hermann Weitzel, Bob Meiring und Klaus Dierks.
August Die Liberale Partei wird von Andrew Kloppers wiederbelebt. Sie bildet eine Parteienallianz mit der FCN. Nach dem Unfalltod von Andrew Kloppers im gleichen Jahr wird sein Sohn Andrew "Andy" John Fred Kloppers der neue Vorsitzende.
04.08. Das berüchtigte südafrikanische Civil Cooperation Bureau (CCB), welches in den letzten Jahren für zahlreiche Menschenrechtsverletzungen wie die Ermordung von PLAN-Kriegsgefangenen verantwortlich war, bemüht sich, den Unabhängigkeitsprozess zu stören. Wouter Basson versucht, die Wasserversorgungsanlage in dem Lager für zurückkehrende Namibier in Döbra mit Cholerabakterien zu vergiften. Im Jahre 2000 wird bekannt, dass Basson angeblich den Befehl gegeben haben soll, mehr als 200 SWAPO-Soldaten zu vergiften.
10.08. Die südafrikanischen Rechtsextremisten Horst Klenz, Darryl Stopforth und Leonard Veenendal (die drei sogenannten "Outjo Brandbombenwerfer ") greifen das Regionalbüro der UNTAG in Outjo an. Dabei und bei dem nachfolgenden Fluchtversuch kommen zwei Namibier, Theophilus Haoseb und Ricardo van Wyk, um. Nach der anfänglichen Festnahme gelingt es den Attentätern nach Südafrika zu entkommen.
14.08. Der südafrikanische Präsident P.W. Botha tritt zurück. Am nächsten Tag tritt F.W. de Klerk seine Nachfolge an.
23.08. Einige SWA Polizeioffiziere, zusammen mit Koevoet-Soldaten, schießen auf unbewaffnete SWAPO-Teilnehmer an Wahlveranstaltungen in Onaukali und Okatope.
Ende August Um alle gewalttätigen Bedrohungen des Wahlprozesses zu beenden, erlässt der UNO Sicherheitsrat einstimmig die UNO SR Resolution 640, die die Demobilisierung aller paramilitärischer Verbände wie Schießkommandos und Koevoet zum Ziel hat. In Reaktion auf die Resolution konfrontiert der südafrikanische Außenminister Pik Botha Martti Ahtisaari mit folgender Erklärung: "Und erzählen Sie Ihrem Generalsekretär, er solle zur Hölle gehen. Wenn das dessen Haltung ist, werde ich dem amtierenden Staatspräsidenten (F.W. de Klerk) heute berichten, und morgen werden wir 435 suspendieren".
Südafrika jedoch setzt seine Unterstützung des parteilichen SWAR und der Koevoet und die Politik der Destabilisierung SWAPOs fort. Pik Botha gibt später (25.07.1991) zu, dass Südafrika einen massiven Geheimfond von 100 Millionen Rand eingerichtet habe, um alle Oppositionsparteien, im Besonderen die DTA, im Wahlkampf gegen SWAPO zu unterstützen.
28.08. Charlie Marengo (geboren 1901), Sohn von Jakob Marengo, stirbt in Kakamas/Südafrika.
04.09. Die "Registrierung-von-Politischen-Parteien-Proklamation" wird veröffentlicht. Jede Partei muss 2 000 Unterschriften von registrierten Unterstützern beibringen und müssen ein zurückzahlbares Depositum von R 10 000 hinterlegen. Zehn Parteien werden am Ende registriert.
08.09. Nach Monaten von Anstrengungen durch UNTAG, die Koevoet zu demobilisieren, kommt der Generaladministrator mit einer großen Überraschung. Er will nun endlich Koevoet auflösen. Sie wird auf Urlaub geschickt, die Mitglieder müssen ihre Uniformen und Waffen abgeben.
09.09. Charlie Marengo wird in Vaalgras/ Koichas begraben. Wilhelm Konjore, Urenkel von Jakob Marengo, leitet den Gedenkgottesdienst. Klaus Dierks und Henning Melber sind die einzigen "Weißen", die an der Zeremonie teilnehmen.
12.09. Der Windhoeker Rechtsanwalt Anton Lubowski, einer der wenigen "weißen" SWAPO-Mitglieder und amtierender Direktor für Finanzen und Administration im SWAPO-Wahlbüro, wird vor seinem Haus in Klein-Windhoek erschossen. Das CCB soll auch für diesen Mord verantwortlich sein.
14.09. SWAPO-Präsident Sam Shafiishuna Nujoma kehrt, begleitet von Moses Makue ||Garoëb, nach fast dreißig Jahren Exil nach Namibia zurück. Er wird am Internationalen Flughafen Windhoek von SWAPO-Führern Nathaniel Maxuilili, Hendrik Witbooi und Hage Geingob und Tausenden von SWAPO-Anhängern begrüßt.
15.09. Die United Nations Civilian Police (UNCIVPOL) erreicht ihre finale Stärke von 1 500. Polizisten aus 25 Ländern nehmen an der friedenserhaltenden Aktion teil. Zum ersten Mal sind auch die beiden Deutschlands dabei. Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) hat sich sehr bemüht, der UNTAG Polizeikräfte anzubieten. UNTAG nimmt das Angebot an und glaubt, dass die Gegenwart der DDR-Polizei, zur Überwachung der Südwestafrikanischen Polizei (SWAPOL), eine wichtige bewusstseinsbildende Erfahrung für die DDR-Beamten wäre. Die DDR-Polizisten helfen mit Begeisterung bei der Überwachung der freien und fairen Wahlen in Namibia, zum gleichen Zeitpunkt als am 09.11.1989 die DDR-Bürger die Mauer in Berlin niederreißen. Eine wichtige Aufgabe ist es, Koevoet (Kuhfuß), die immer noch die Bevölkerung im Norden terrorisiert, zu kontrollieren. Viele Koevoet-und SWAPOL-Beamte unterstützen immer noch das koloniale Apartheid-System und sind nicht die Bewahrer von Gesetz und Ordnung zum Schutze der Bevölkerung. Ein Beispiel steht für viele Andere. Am 15.06. zeigte Koevoet seine Macht beim UNHCR-Lager für zurückkehrende Flüchtlinge in Ongwediva. UNTAG zählte zwischen 70 und 80 Casspir-Panzerfahrzeuge, die das Lager umkreisten. Nachdem UNCIVPOL seine finale Stärke erreicht hat, beginnt SWAPOLs Macht zu bröckeln. Zum Zeitpunkt der November-Wahlen ist UNCIVPOL die einzige Ordnungsmacht im Norden. UNCIVPOL schützt auch das Zurückführungs-Programm des UNHCR an den kritischen Zugangspunkten nach Namibia und den Auffanglagern für SWAPO-Exilanten. UNCIVPOList auch im Besonderen aktiv bei der Überwachung von Wahlveranstaltungen. Zum Zeitpunkt der Wahl kontrolliert UNCIVPOL etwa 100 Wahl-Rallys pro Woche.
22.09. Die Wählerregistrierung endet.
28.09. Es kommt zu schweren Zusammenstößen zwischen der DTA und SWAPO in Windhoek-Katutura. Etwa 500 bewaffnete DTA-Mitglied marschieren in den "SWAPO-Stadtteil" von Katutura. Es kommt sofort zu schweren Kämpfen zwischen den Parteimitgliedern. Aus einem vorbeifahrenden Auto wird wahllos in die Menge gefeuert. Es gibt mehrere Verletzte, zum Glück keine Toten. SWAPOL ist verdächtigerweise abwesend.
September bis Oktober Der Wahlkampf erreicht seine heiße Phase. Es gibt eine Reihe von gewalttätigen Zwischenfällen zwischen Anhängern der SWAPO und der DTA, besonders im Norden. Der UNTAG gelingt es, die Gewalt zu kontrollieren, indem sie alle Parteien dazu bewegt, einen Wahlverhaltenskode am 12.09. (UNO-Bericht S/20883) zu unterzeichnen. Ende Oktober kehrt in ganz Namibia friedliche Ruhe ein.
Anfang
Oktober
Der südafrikanische Generaladministrator Louis Pienaar überträgt den Pensionsfond des namibischen Staatsdienstes nach Südafrika. Dadurch verliert Namibia etwa 1,2 Milliarden Rand namibischer Pensionsgelder.
10.10. Martti Ahtisaari gibt die folgende Erklärung ab: "Nach unserer Ansicht ist die Verfassungsgebende Versammlung eine Schöpfung des namibischen Volkes .. und muss sich selbst regieren. Natürlich ist es eine Körperschaft mit begrenzter Macht, und sie hat die Pflicht die Verfassung für ein unabhängiges Namibia zu formulieren und zu implementieren, die Unabhängigkeit auszurufen und die anfängliche Regierung für das neue Land ins Leben zu rufen. Alles was von der bestehenden Regierung, das ist der Generaladministrator, gebraucht wird, sind die Mittel ihre Funktion zu erfüllen und der Schutz von Einmischung von außen."
13.10. Der Generaladministrator erlässt Proklamation AG 49 ("the Holding of an Election for a Constituent Assembly"). Die finale Version der Proklamation verfügt, dass alle registrierten Wähler, die die korrekten Dokumente besitzen, "normale Stimmen" abgeben, wenn sie in den Distrikten wählen, in denen sie registriert wurden. Wähler, die nicht dort wählen, wo sie registriert wurden, müssen "Spezial-Stimmen" abgeben, die einem speziellen Verifizierungsprozess in Windhoek unterorfen werden, ehe sie gezählt werden. Später stellt sich heraus, dass die Spezial-Stimmen 13,4% der totalen Wählerstimmen ausmachen. 97% der registrierten Wähler gehen im November zur Wahl, und nur 1,4% der abgegebenen Stimmen sind ungültig.
15.10. Südafrikas Haltung wird liberaler und ist weniger extrem. Der neue südafrikanische Präsident, F.W. de Klerk, genehmigt eine Anti Apartheids-Demonstration in Kapstadt, und alle südafrikanischen ANC-Führer, außer Nelson Mandela (entlassen am 11.02.1990), werden aus den Gefängnissen freigelassen.
20.10. Eine junge südafrikanische Beamtin, Sue Dobson, berichtet über eine gewaltige und finanziell bestens abgesicherte südafrikanische Missinformations-Kampagne gegen UNTAG und die UNO SR Resolution 435.
24.10. UNTAG bekommt Berichte von verschiedenen Quellen über unspezifische Destabilisierungsaktivitäten im Norden. Ein Beispiel zeigt die Aktivitäten der Ombili-Stiftung. Diese Stiftung unterstützt Aktivitäten der Buschleute (San oder Khoesan) im Norden und hat zwei Ziele. Das eine ist es, ein starke DTA-Präsenz in traditionellen SWAPO-Hochburgen zu etablieren. Das andere ist es, logistische Unterstützung an ein großes UNITA-Lager an der angolanischen Grenze beim Baken 34 zu verschaffen. Die Stiftung unterstützt auch die subversiven Tätigkeiten der von Südafrika unterstützten Buschmann-Kontingente gegen SWAPO.
01.11. Heute explodiert eine letzte von Südafrika gelegte Bombe, um den Friedenprozess doch noch zu stören oder sogar zu vereiteln. Die südafrikanischen Truppen, die auf ihre zwei Basen Oshivelo und Grootfontein beschränkt sind, werden nach Berichten, dass SWAPO-Truppen an der Grenze zu Angola aufgetaucht seien, in Bereitschaft versetzt. Der südafrikanische Außenminister Pik Botha erklärt, dass Südafrika UNTAGs Kommunikationen überwacht und nun den klaren Beweis hätte, dass UNTAG von SWAPOs Plänen wüsste, Namibia am Vorabend der Wahlen massiv aus Angola anzufallen. Pik Bothas "Beweise" werden schnell als plumpe Fälschung entlarvt, und dass es sich hier um einen üblen Streich und gezielte Missinformationen handele, den "weiße Anti-Unabhängigkeitskräfte" in die Welt gesetzt hätten, um den Unabhängigkeitsprozess zu gefährden. Pik Botha gibt später zu, dass diese Information ihm über General Johannes Geldenhuys aus der gleichen Quelle wie die Information über die Ereignisse vom 31.03./01.04.1989, die zu den Angriffen auf SWAPO-Truppen und Zivilisten führten, zugespielt wurde. SWAPOs Peter Katjavivi reagiert, dass "Pik Bothas Dummheit brächte SWAPO nahe an eine Zweidrittel-Mehrheit".
06.11. Am Vorabend der Wahlen für die Verfassungsgebende Versammlung erklärt Fred Eckhardt, UNTAGs Pressesprecher, dass alle UNTAG-Beobachter berichteten, dass "Namibia von Oshakati bis Keetmanshoop, von Swakopmund bis Gobabis, ausnahmslos friedlich und ruhig sei".
07./11.11. Die Wahlen für die Verfassungsgebende Versammlung finden statt.
07.11. Der UNO-Sondervertreters Martti Ahtisaari erklärt Folgendes: "Ich habe die ersten vorläufigen Berichte aus allen Teilen des Landes über die von UNTAG überwachten 358 Wahllokale erhalten . ... Verzögerungen müssen jedoch einkalkuliert werden durch die unerwartet hohe Wahlbeteiligung am ersten Tage. Namibier sind mit übergroßer Begeisterung zu den Wahlurnen geeilt. An einigen Stellen begannen sich lange Schlangen 81/2 Stunden vor der Eröffnung der Wahllokale um 07h00 zu bilden. ... Obwohl normalerweise die Wahllokale um 19h00 Uhr schließen, wurde es Namibiern, die bereits anstanden, erlaubt, auch später zu wählen, so groß ist die Begeisterung, die Zukunft des Landes mitzubestimmen. ... Alle Regionen berichten, dass Alles sehr ruhig und geordnet zuginge ... ".
08.11. Am zweiten Wahltag ist die Wahlbeteiligung so hoch wie am ersten, ist aber besser organisiert durch erfahreneses Personal, so dass die Kilometer-langen Schlangen vom ersten Tage vermieden werden. Die Situation ist weiterhin ruhig im ganzen Lande. Im Norden gibt es allerdings einen Mangel an Wahlboxen und Stimmzetteln.
09./10.11. Der Mangel an Wahlboxen und Stimmzetteln wird am dritten und vierten Wahltag abgestellt. Er wurde von politischen Parteien verursacht, die die langen Schlangen an manchen Wahlpunkten vermeiden wollten. Sie brachten Parteianhänger in Massen per Bus zu weniger bevölkerten Wahlstationen, und die Vorräte dieser Stationen gehen schnell zu Ende.
10.11. Der vierte Wahltag ist extrem ruhig. Verschiedene Stationen berichten, dass die geschätzten Wählerzahlen bereits überschritten seien.
11.11. Der UNO-Sondervertreters Martti Ahtisaari bestätigt die Wahlen als "frei und fair".  Er erklärt "Es ist das Volk von Namibia, dem ich gratulieren möchte. Es hat für viele Jahre geduldig gewartet, sein Schicksal selbst in die Hand nehmen zu dürfen. Während der Wahlkampagne und im Besonderen während dieser Woche demonstrierten sie Ruhe, Selbst-Disziplin und Selbstbewusstsein. In dieser Woche hat das namibische Volk der ganzen Welt eine Lektion in Demokratie erteilt. Es war ein Privileg für uns von den Vereinten Nationen an diesem historischen Prozess teilzunehmen, eine Erfahrung, die wir nie vergessen werden".
14.11. Die offiziellen Wahlergebnisse werden angekündigt: SWAPO 57,3%, DTA 28,6%, UDF 5,6%, ACN 3,5%, NPF 1,6%, FCN 1,6%, NNF 0,8%, SWAPO-D 0,5%, CDA 0,4% und NNDP 0,1%. Die Wahlbeteiligung beträgt mehr als 97 % von 701 483 registrierten Wählern. SWAPO bekommt mehr als 57% (41 von 72 Sitzen in der Verfassungsgebenden Versammlung). Die DTA blockiert erfolgreich eine Zweidrittelmehrheit der SWAPO mit 28% der Stimmen (21 Sitze). Die DTA gewinnt 14 Stimmbezirke, SWAPO 8 (darunter die mit den höchsten Bevölkerungszahlen: Ovamboland, den Kavango und Windhoek). Der hohe Stimmenanteil der DTA wird durch eine konzertierte Transportkampagne der Südafrikaner erreicht, die Tausende von "weißen" Südafrikanern und Unita-Anhängern aus Angola nach Namibia bringen, um gegen SWAPO zu stimmen. Die zwei Parteiführer, Sam Nujoma und Mishake Muyongo, akzeptieren die Wahlergebnisse als frei und fair.
15.11. SWAPOs Präsident Sam Nujoma kündigt an, dass die SWAPO nicht vorhabe, einen Ein-Parteienstaat zu gründen, sondern bereit sei, mit der politischen Opposition beim Aufbau des neuen Staates zusammenzuarbeiten.
16.11. Südwestafrika bekommt eine neue Dauerserie von Briefmarken mit Mineralien- und Bergwerksmotiven. Diese Dauerserie erscheint immer noch mit dem Namen "SWA", trotz der von der SWAPO gewonnen Wahl und der nur wenige Wochen später entstehenden unabhängigen Republik Namibia.
20.11. Die letzten südafrikanischen Truppen (1 500 Soldaten) ziehen aus Namibia ab.
21.11. SWAPOs Präsident Sam Nujoma eröffnet eine Woche nach dem offiziellen Wahlergebnis die Verfassungsgebende Versammlung. Die 66 Männer und 6 Frauen der Versammlung repräsentieren sieben politische Parteien. Theo-Ben Gurirab schlägt die Annahme der 1982-Verfassungs-Grundsätze aufgrund des UNO-Berichtes S/15287 vom 12.07.1982 vor. Man kommt überein, dass Namibia eine Mehrparteien-Demokratie mit unabhängigem Rechtswesen und verankerten Grundsätzen über Menschenrechte und Eigentumsgarantien sein würde. Auf Antrag von Niko Bessinger wird Hage Geingob, SWAPOs Wahlmanager, zum Präsidenten der Versammlung gewählt. Er hat erst den Vorsitz über ein Komitee, welches das Verfahren über den Verfassungsentwurf festzulegen hat. Das Komitee besteht aus zwölf SWAPO-Mitgliedern und neun der anderen Parteien (DTA: vier und NNF, FCN, ACN und UDF: jede Partei ein Mitglied). Die Verfahrensregeln werden Ende November angenommen. Danach wird Geingob Vorsitzender des Verfassungs-Entwurfkomitees. Dirk Mudge von DTA schlägt vor, den SWAPO-Verfassungsentwurf als Grundlage der neuen Verfassung anzunehmen. Der Verfassungsentwurf wird maßgeblich durch den SWAPO-Abgeordneten Hartmut Ruppel und den NNF-Präsidenten Vekuui Rukoro gestaltet. Namibia ist der zweite Staat in Afrika, der nach den Kap Verde-Inseln die Todesstrafe abschafft. Die wesentlichen Grundrechte können auch nicht mit einer Zweidrittelmehrheit des Parlaments abgeschafft werden. Am Ende gibt es nur in zwei Punkten keine Übereinstimmung zwischen den Parteien: Die Frage eines Präsidenten mit Exekutivgewalt und ob das Parlament eine zweite Kammer haben sollte oder nicht.
23.11. UNTAG-Kommandeur Daniel Opande ist in Lubango in Angola Zeuge, als die letzten SWAPO-Lager schließen. Zu diesem Zeitpunkt warten noch 290 Namibier in Zivilkleidung auf ihre Repatriierung nach Namibia, zusammen mit 50 Frauen und Kindern. SWAPOs Waffen werden der angolanischen Armee übergeben. UNTAGs letzter Beobachtungsposten in Angola wird am 31.12.1989 geschlossen.
Es gibt einen allgemeinen Zusammenbruch von Gesetz und Ordnung im Norden. Die Südwestafrikanischen Polizei (SWAPOL) verhält sich passiv. Viele SWAPOL-Polizisten packen und kehren nach Südafrika zurück. Das Vakuum, das sich im Norden herausbildet, gibt zu Sorge Anlass. Kobus Bauermeester vom Büro des Generaladministrators wird von der UNTAG ermahnt, dass bis zur Unabhängigkeit Südafrika für die Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung verantwortlich sei.
27.11. Die Joint Monitoring Commission (JMC) trifft sich in Sanbonani beim Kruger National Park in Südafrika. Theo-Ben Gurirab spricht über drei Themenkreise, die SWAPO immer noch an der Aufrichtigkeit Südafrikas zweifeln lassen: die Notwendigkeit internationaler Unterstützung bei verschiedenen Problemen bis zur Unabhängigkeit, die Position der südafrikanischen Truppen in Walvisbucht und die Aktivitäten der von Südafrika unterstützten Buschleute (San oder Khoesan) im Norden und immer noch der Koevoet-Einheiten.
07.12. Der britische Botschafter, Robin Renwick, berichtet, dass SWAPO ihn gebeten hätte, Namibia in der Schaffung einer Namibischen Verteidigungsmacht und das Commonwealth (dem Namibia am Unabhängigkeitstage beitreten würde) in der Bildung einer nationalen Polizeimacht zu helfen. Diese Bitte folgt einem Brief, den Sam Nujoma an den UNO-Generalsekretär Javier Péres de Cuéllar in dieser Beziehung am 23.11.1989 geschrieben hätte. Einige Tage vor Weihnachten werden zwei Komitees gegründet, die sich mit der Entwicklung des Kerns einer nationalen Wehrmacht und der Bildung und Integration der neuen Polizeimacht zu beschäftigen haben. Am 12.12.1989 genehmigt der Schatten-Innenminister, Hifikepunye Pohamba, einen Trainingskurs für die zukünftige Polizei.
08.12. Der Generaladministrator legt drei Vorschläge über die zukünftige Stellung der Buschmann-Militäreinheiten im Norden vor: Die Ex-Südwestafrika-Gebietsmacht (SWATF)-Buschmann-Einheiten könnten mit ihren Familien nach Südafrika, nahe Kimberley, umgesiedelt werden - wie seit Jahren von südafrikanischen Generalen versprochen. Zweitens könnten sie in Namibia ihrem Schicksal überlassen werden und drittens könnte Südafrika eine internationale Organisation finanziell unterstützen, den Buschleuten zu helfen. Der südafrikanische General, Kit Liebenberg, führt aus, dass er es vorziehen würde, wenn die Buschleute in Namibia blieben, aber, wenn nichts getan würde, wäre es besser, diese in Südafrika neu anzusiedeln. Martti Ahtisaari erklärt, dass die Angelegenheit ein rein namibisches Problem wäre, und dass die zukünftige namibische Regierung voll involviert werden müsste. Folgerichtig wird die Tripartite Working Group on the Bushmen Issue ins Leben gerufen.
21.12. Sam Nujoma stellt sein Kabinett für die erste frei gewählte Regierung von Namibia vor. Hage Gottfried Geingob wird Premier-Minister. Die folgenden Ministerien werden geschaffen (Minister, Vize-Minister, Staatssekretär): Landwirtschaft, Fischerei, Wasser und Ländliche Entwicklung (ein Minister ist noch nicht ernannt, Gerd Hanekom wird als Minister ab Februar 1990 angestellt, Kaire Mbuende, Calle Schlettwein); Verteidigung (Peter Hilinganye Mweshihange, Phillemon Malima, Frans Kapofi); Erziehung, Kultur und Sport (Nahas Angula, Buddy Wentworth, Vitalis Ankama); Finanzen (Otto Herrigel, ein Vize-Minister ist noch nicht ernannt, Godfrey Gaoseb); Auswärtiges (Theo-Ben Gurirab, Netumbo Nandi Ndaitwah, Andreas #Guibeb); Gesundheit und Soziale Dienste (Nicky Iyambo, ein Vize-Minister ist noch nicht ernannt, Solomon Amadhila); Inneres (Lucas Hifikepunye Pohamba, Nangolo Ithete, Ndali Kamati); Information und Rundfunkwesen (Hidipo Hamutenya, Daniel Tjongarero, Vezera Kandetu); Justiz (Ernest Ngarikutuke Tjiriange, Vekuui Rukoro (NNF), Albert Kawana); Arbeit und Öffentlicher Dienst (Hendrik Witbooi, Timothy Hadino Hishongwa, Tuli Hiveluah); Land, Umsiedlung und Rehabilitation (Marco Hausiku, Marcus Shivute, Uitala Hiveluah); Städtische Regierung und Sozialer Wohnungsbau (Libertine Amathila, Jerry Ekandjo, Nghidimondjila Shoombe); Bergbau und Energie (Andimba Toivo Ya Toivo, Helmut Kangulohi Angula, Leake Hangala); Handel und Industrie (Ben Amathila, Reggie Diergaardt (UDF), Tsudao Gurirab); Umweltschutz und Tourismus (Niko Bessinger, Pendukeni Iivula Ithana, Hanno Rumpf); Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen (Richard Kapelwa-Kabajani, Klaus Dierks, Peingeondjabi Shipoh). Weitere Mitglieder des Kabinetts sind der General-Sekretär von SWAPO (Moses Makue ||Garoëb); der Staatsminister für Sicherheit (Peter Tshirumbu Tsheehama); der General-Staatsanwalt (Hartmut Ruppel); der General-Rechnungsprüfer (Gerd Hanekom, später Jan Jordaan) und der Generaldirektor der Nationalen Planungskommission (Zedekia Ngavirue). Etwa 50 % der Regierungspositionen werden von Oshivambo-sprachigen Mitgliedern des SWAPO Zentralkomitees aus dem ehemaligen Exil gestellt. Andere Bevölkerungsgruppen sind jedoch auch vertreten. Die "weiße" ethnische Minderheit, und im besonderen Maße die deutschsprachige Gruppe, ist deutlich überrepräsentiert. Zwei Vizeminister gehören den Oppositionsparteien an (NNF und UDF). Die Regierungsbildung beweist SWAPOs Willen der nationalen Aussöhnung.
28.12. Die ersten UNTAG-Truppen verlassen Namibia. Sam Nujoma ersucht allerdings das kenianische Kontigent, noch weiterhin in Namibia zu bleiben, um beim Aufbau der zukünftigen Namibischen Verteidigungsmacht zu helfen. Die britische Regierung unternimmt ebenfalls, Namibia bei dieser Aufgabe zu unterstützen.

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Martti Ahtisaari und der SA Generaladministrator, Louis Pienaar auf der Pressekonferenz am 31 März 1989
Namibia State Archive

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UNTAG-Hubschrauber
Namibia State Archive

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Wähler während der Wahl vom November 1989
Namibia State Archive

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[Inhaltsverzeichnis]

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