1994 Wie im Jahre 1993 und trotz der günstigen politischen und wirtschaftlichen Umstände kommt es immer noch nicht zu steigenden Fremdinvestitionen. Dem BIP-Rückgang auf 3,3% im letzten Jahr folgt ein wirtschaftlicher Aufschwung in diesem Jahr. Das BIP steigt auf 5,5%, hauptsächlich durch höhere Diamantenförderungen (9%). Die Exporte vermehren sich mit 12% auf N$ 4,7 Milliarden. Der moderate Anstieg der Importe (8%) führt zu einem gestiegenen Handelbilanzüberschuss. Auch das Jahr 1994 löst nicht das Problem der Ungleichheiten in den Einkommen zwischen "schwarzen" und "weißen" Gruppen.
07.01. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, teilt mit, dass die geplante Ausbildungsstätte für kommerzielle Piloten für Keetmanshoop durch British Aerospace gute Fortschritte macht. Der südafrikanische African National Congress (ANC) (SA Verteidigungs-Minister Joe Modise) unterstütze das Projekt. Die Flugschule würde 120 Arbeitsmöglichkeiten in Keetmanshoop schaffen. Weiterhin kündigt er an, dass drei mobile Radarsysteme (aus Beständen der ehemaligen DDR-Volksarmee) im Werte von N$ 40 Millionen von Deutschland geliefert werden sollen. Eine Station soll am Internationalen Flughafen Windhoek installiert werden. Die anderen zwei sollen am Rooikop-Flughafen in Walvisbucht und in der Caprivi-Region, um Überflüge von und nach Angola zu überwachen, eingerichtet werden.
08.01. Klaus Dierks teilt weiterhin mit, dass er Kredite zu günstigen Bedingungen mit der deutschen Regierung (Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)) für verschiedene Straßen-Rehabilitierungsprojekte (Otavi-Otjiwarongo, Oshivelo-Ondangwa-Oshakati, Mururani-Rundu und Ondangwa-Oshikango) ausgehandelt hätte.
15.01. Die Verhandlungen über ein Auslieferungsabkommen zwischen Namibia und Südafrika scheitern. Die gerade abtretende Regierung von Südafrika weigert sich immer noch, Südafrikaner auszuliefern, die während der Apartheids-Periode Verbrechen in Namibia begangen haben.
21.01. Die fünfte und letzte Runde über die Wiedereingliederung des Walvisbucht-Gebietes und der Atlantikinseln findet in Pretoria statt. Ein Tag harter Unterhandlungen zwischen einer starken namibischen Delegation (die Minister für Inneres, Lucas Hifikepunye Pohamba; Handel und Industrie, Hidipo Hamutenya; Gesundheit und Soziale Dienste, Nicky Iyambo; Justiz, Ernest Ngarikutuke Tjiriange; Landwirtschaft, Wasser und Ländliche Entwicklung, Nangolo Mbumba; Bergbau und Energie, Andimba Toivo Ya Toivo; der General-Staatsanwalt, Hartmut Ruppel; die Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks; Inneres, Jerry Ekandjo; Information und Rundfunkwesen, Daniel Tjongarero und Verteidigung, Philemon Malima) unter der Leitung vom Außenminister, Theo-Ben Gurirab, liegt mit der südafrikanischen Delegation unter dem SA-Außenminister, Pik Botha, vor. Beide Länder haben immer noch beträchtliche Differenzen über die Übergabezeremonien von Walvisbucht am 28. Februar. Der Hauptkonflikt ist, ob Namibia für die staatlichen Liegenschaften in der Hafenstadt zahlen sollte. Die zwei wichtigsten Staatsgesellschaften in der Enklave, der südafrikanische Stromlieferant Eskom und die SA Hafengesellschaft Portnet, haben Forderungen für ihre Liegenschaften von mehr als N$ 100 Millionen. Die SA Cape Provincial Administration fordert auch beträchtliche Zahlungen für ihre Liegenschaften wie Regierungsgebäude und die Schiffsreparaturanlagen im Hafen. Portnet fordert N$ 84,7 Millionen für die Hafenanlagen. Eskom begehrt N$ 23 Millionen für die Elektrizitätsanlagen in der Enklave. Die namibische South West Africa Water and Electricity Corporation (SWAWEC)(später NamPower), unter der Leitung von Polla Brand, argumentiert, dass Eskom die Walvisbuchter Stromanlagen für einen nominalen Betrag von R 1,00 von der SA-Regierung erhalten habe. Die SA Telekommunikationsgesellschaft Telkom fordert von Telecom Namibia N$ 4,8 Millionen. Portnet geht soweit zu drohen, dass es bei Nichtzahlung alle bewglichen Hafenanlagen, einschließlich der Lagerhallen, nach Südafrika abtransportieren würde. Der namibische Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, legt der Verhandlungsrunde eine analysierte Liste aller Walvisbuchter Liegenschaften vor, die beträchtlich von den südafrikanischen Forderungen, die nicht auf konkreten Berechnungen beruhen, abweicht (viele der Infrastrukturanlagen in der Enklave, wie die Straßen und Brücken, sind vor 1978 mit namibischen Steuermitteln finanziert worden). Die Forderung von Portnet beruht auf den Totalverlusten der staatlichen SA Transportgesellschaft Transnet, obwohl der Walvisbuchter Hafen immer Profite gezeigt hätte. Die namibische Seite ist der festen Überzeugung, dass das Völkerrecht der internationalen Nachfolge (state succession) Zahlungen für Liegenschaften ausschließe. Eine zweiter Problemkreis sind zukünftige Kommunalwahlen für einen neuen Stadtrat in Walvisbucht. Die Südafrikaner wollen die bestehenden Wahlkreise beibehalten, während Namibia auf neue Wahlkreise andringt, die nicht auf rassischen Merkmalen beruhen. Südafrika akzeptiert jedoch jetzt, dass eine doppelte Staatsbürgerschaft für Walvisbuchter nach den Richtlinien der namibischen Verfassung nicht möglich sei. Eine weiterer Streitpunkt ist die Frage von Landerechten auf dem Flughafen von Rooikop.
Namibia und Deutschland schließen ein Investitionsschutzabkommen ab.
27.01. Die Namibian South West Africa Water and Electricity Corporation (SWAWEC) kündigt an, dass nach neuen Unterhandlungen, Eskom seine Forderung von N$ 23 Millionen herabsetzen wird.
04.02. In Okahao in der Omusati-Region eröffnet Präsident Nujoma ein digitales Telekommunikationssystem für die vier Regionen im ehemaligen Ovamboland. An dem Ereignis nehmen der deutsche Botschafter, Hanns Schumacher, der Aufsichtsratvorsitzende (E. Angula) und der Vorstandsvorsitzende (B. Ekloff) von Telecom Namibia sowie der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, teil. Das neue System deckt eine Fläche von 12 000 Quadratkilometer von Onesi im Westen bis nach Eenhana im Osten. Das Rurtel Telekommunikationssystem wird durch nichtzurückbezahlbare deutsche Entwicklungshilfe finanziert, die von Klaus Dierks verhandelt worden war. Innerhalb eines Jahres wirft das System Profite für Telecom Namibia ab.
08.02. Die Entschädigungsangelegenheit über die Hafenanlagen ist jetzt, knapp drei Wochen vor der Zurückführung von Walvisbucht, immer noch nicht gelöst. Die andauernden Verhandlungen sind sensitiv und äußerst schwierig. In der letzten Woche hat Portnet namibischen Beamten den Zutritt zum Hafen, um mit Arbeitern unterhandeln zu können, verwehrt. In der Zwischenzeit hat Südafrika die Entschädigungssumme für die Hafenanlagen von N$ 84,7 Millionen auf N$ 64,4 Millionen gesenkt. Das entspräche den finanziellen Verpflichtungen Portnets. Dierks bleibt bei der Meinung, dass Namibia nicht für Südafrikas Staatsschulden aufkommen könne. Es wird jetzt deutlich, dass diese Frage erst nach der Wiedereingliederung Walvisbuchts am 28.02. gelöst werden könne. Die zwei Regierungen konzentrieren sich jetzt auf eine Übergangslösung, die es der neuen Hafenbehörde Namibia Port Authority (NamPort) erlauben würde, den Hafen am 28.02. zu übernehmen. Eine andere Komplikation besteht darin, dass Südafrika die meisten Regierungshäuser vor der Wiedereingliederung verkauft hat.
Der deutsche Botschafter in Namibia, Hanns Schumacher, unterzeichnet mit dem Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, ein Abkommen über die Finanzierung eines Bauabschnittes der Trans-Caprivi-Fernstraße ab Divundu am Okavangofluss bis zu einem Punkt 100 km östlich von Divundu. Die deutsche Regierung finanziert das Projekt mit N$ 80 Millionen. Im Juni wird dieser Betrag durch weitere N$ 40 Millionen erhöht.
09.02. Der Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Marco Hausiku, begleitet von der Staatssekretärin Frieda-Nela Williams, trifft den SA Minister für Staatsgesellschaften, Dawie de Villiers in Pretoria. Hausiku erklärt die Bereitwilligkeit der namibischen Regierung, Portnet für Neu-Investitionen im Hafen mit einem Betrag von N$ 15 Millionen zu entschädigen.
21.02. Genau eine Woche vor der Wiedereingliederung von Walvisbucht wird in der National-Versammlung in dritter Lesung der Walvis Bay und Off-Shore Islands Bill, 1994 zugestimmt.
22.02. Die namibische Regierung ist der Meinung, dass Südafrika Namibia N$ 33 Millionen für den Walvisbuchter Hafen schulde und nicht umgekehrt. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, erklärt, dass sein Ministerium alle Einnahmen und Ausgaben des Hafens seit dem Ersten Weltkrieg analysiert hätte. Der hoch profitable Hafen von Walvisbucht hat für Jahrzehnte die südafrikanischen Eisenbahnen subventioniert. Ein neu angestelltes technisches Komitee zwischen beiden Ländern, das Joint Technical Committee on the Walvis Bay Assets, erreicht immer noch keine Einigung. Es scheint so, dass der einzige Ausweg die Anrufung eines internationalen Schiedsgerichtes wäre. Aber die Sackgasse in den Verhandlungen wird nicht die Übertragung des Hafens an die Namibia Port Authority (NamPort) um Mitternacht am 28. Februar verhindern.
23.02. Fünf Tage vor der Wiedereingliederung von Walvisbucht wird in der National-Versammlung in dritter Lesung die Namibian Ports Authority Bill of 1994 angenommen.
28.02. Die südafrikanische Luftwaffenbasis Rooikop (Walvisbucht-Enklave) wird völlig zerstört vorgefunden.
28.02
Mitternacht

Walvisbucht und die Atlantikinseln werden in die Republik Namibia wiedereingegliedert. Präsident Sam Nujoma beschreibt das große Ereignis als den Abschluss des Dekolonisierungsprozesses in Namibia. Zeugen der Feierlichkeiten sind verschiedene Staatsoberhäuptern wie Robert Mugabe aus Zimbabwe und Jerry Rawlings aus Ghana. Der SA African National Congress (ANC) wird durch Walter Sisulu und Thabo Mbeki repräsentiert. Andere wichtige Persönlichkeiten sind Lisbeth Palme, ehefrau des ermordeten schwedischen Premierministers, Olof Palme und Sonia Gandhi, Ehefrau des ermordeten indischen Premierministers, Rajiv Gandhi.


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Sam Nujoma während der Wiedereingliederungs-Zeremonie von Walvisbucht in die Republik Namibia, 1994
Namibia State Archive

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Die Vertreter des südafrikanischen ANC, Walter Sisulu und Thabo Mbeki während der Wiedereingliederungs-Zeremonie von Walvisbucht in die Republik Namibia, 1994
Namibia State Archive

März In Südafrika beginnt die Wahlkampagne für eine neue demokratische Regierung , die Jahrzehnte der Apartheids-Politik beenden soll. SWAPO und NUNW unterstützen politisch und finanziell den ANC.
17.03. Der Minister für Finanzen, Gerd Hanekom, legt den Finanz-Haushalt für das Finanzielle Jahr 1994/95 vor. Die Staatsausgaben betragen für dieses Haushaltjahr N$ 3 690 Millionen. Das entspricht einer Steigerung von 10% gegenüber dem Vorjahr und mehr oder weniger der laufenden Inflationsrate von 11% für 1994 (8,5% für das vergangene Jahr). Ein späterer Zusatzhaushalt erfordert allerdings weitere N$ 257 Millionen. Diese zusätzlichen Ausgaben werden durch die Wiedereingliederung Walvisbuchts, Gehaltserhöhungen für Beamte (10%) und den Ankauf eines amtlichen Flugzeuges für den Premierminister, ein Lear Jet 31 A (N$ 6,5 Millionen) verursacht. Das erwartete Defizit von N$ 407 Millionen ist deutlich höher als im Vorjahr (N$ 357 Millionen). Es wird wieder durch Staatsanleihen auf dem Inlandmarkt gedeckt. Hanekom kündigt Steuererleichterungen für die unteren Einkommensgruppen an. Die Altersrenten werden für alle Namibier über 60 Jahre auf N$ 135 im Monat angeglichen. In der kolonialen Zeit gab es bereits ein Pensionssystem für Namibier, das auf dem Grundsatz der rassischen Trennung aufgebaut war. "Weiße" erhielten eine monatliche Pension von R 382, während "Schwarze" mit R 55 auskommen mussten. Dieses diskriminierende System wurde 1992 abgeschafft.
03.04. Nachdem am 10.11.1994 ein Gesetzentwurf über eine namibische Normalzeit, die Namibia Time Bill (Bill 39 of 1993), in der National-Versammlung eingebracht worden war, tritt die neue Zeit (Winterzeit) um 02h00 morgens in Kraft.
05.04. Der Staatssekretär für Äußeres, Andreas PGuibeb, wird in einem Bericht des Ombudsmanns, Jariretundu Kozonguizi, korrupter Praktiken in seinem Ministerium beschuldigt. Die Regierung unternimmt nichts gegen solche Vorteilsnahmen in ihren Reihen.
18.04. Eine erneute gerichtliche Untersuchung über die Hintergründe des Mordes an dem SWAPO-Aktivisten, Anton Lubowski, (September 1989) beginnt. Gründe für das Verfahren sind neue Anschuldigungen gegen Mitglieder des inzwischen aufgelösten südafrikanischen Civil Cooperation Bureau (CCB). Auch hohe namibische Polizisten sollen in den Vorfall verwickelt gewesen sein. Das führt zur zeitlichen Suspendierung von vier Polizeioffizieren (27.04.). Das immer noch fehlende Auslieferungsabkommen zwischen Namibia und Südafrika verhindert, dass Mitglieder des CCB an Namibia ausgeliefert werden können.
29.04. Es ist für die Regierung außerordentlich schwierig, die hohen Erwartungen des namibischen Volkes nach der Unabhängigkeit zu erfüllen. Dies führt zu verschiedenen Protestaktionen. So wenden sich enttäuschte Studenten direkt an den Präsidenten. Diesem Studentenprotest folgen im Juni Demonstrationen von demobilisierten, arbeitslosen PLAN-Soldaten, die das Ausbildungszentrum der staatseigenen Development Brigade Corporation in Ondangwa besetzt halten. Sie fordern ebenfalls, dass ihnen Präsident Sam Nujoma zu Wort stehen solle.
05.05. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, macht Pläne über die Straßensektorreform bekannt, die Namibias Straßensystem selbstregulierend machen wird. Namibia ist hier an der Spitze ähnlicher Entwicklungen in der Welt. Es gibt nur ein Land, das ähnliche Wege beschreitet, das ist Neuseeland. Das neue System besteht aus vier Komponenten: Ein gerechtes, kostendeckendes und transparentes Straßengebührensystem wird das Arrangement finanzieren. Eine beabsichtigte Namibia Road Fund Administration (RFA) dient als Regulator und verwaltet den Straßen-Fundus, der durch das Straßengebührensystem finanziert wird. Die geplante Namibia Roads Authority (RA) wird für das Management, die Planung und den Entwurf des nationalen Straßennetzes verantwortlich sein. Die neue Namibia Roads Contractor Company (RCC) wird als privatwirtschaftlicher Betrieb geleitet und wird alle Baukolonnen des Ministeriums für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen übernehmen.
23.05. In Noordoewer am Oranje wird von Klaus Dierks die erste digitale Telephonzentrale im Süden des Landes eröffnet.
Juni Die USA liefert fünf leichte militärische Aufklärungsflugzeuge an Namibia.
06.06. Die angolanische Widerstandsbewegung UNITA wirft Namibia vor, militärische Aktivitäten angolanischer Regierungstruppen aktiv zu unterstützen.
09.06. Der Bau eines neuen Büroblocks in Windhoek für die namibische Regierung soll für N$ 58,2 Millionen in den nächsten Wochen begonnen werden (teilweise auf der Stelle des ehemaligen SWAPO-Hauptquartiers). Die Regierungsbüros werden von der Baufirma Stocks & Stocks Namibia gebaut. Der Büroblock wird von privaten namibischen Banken (Standard Bank Namibia und First National Bank Namibia) finanziert.
29.06. Nach einer Reihe von Koalitionsverhandlungen bilden die National-Patriotische Front (NPF) von Moses Katjiuongua, die Südwestafrikanische National-Union (SWANU) und die Deutsche Aktion: Deutsch-Südwester Komitee (DSK) eine Koalitionspartei, die Democratic Coalition of Namibia (DCN). SWANU verlässt nach internen Machtkämpfen und Unstimmigkeiten bei der Zusammenstellung der Kandidatenliste die DCN am 07.11.
20.07. In Vorbereitung für die ersten allgemeinen Wahlen für die National-Versammlung und das Amt des Präsidenten im November 1994 entstehen einige neue Parteien wie die Namibia Women’s Action for Equality, geleitet von H. Latvio. In Ermanglung organisatorischer Strukturen und ausreichender Mitgliederzahlen kommt es nicht zu einer Wahlregistrierung.
21.07. Der Bericht des General-Rechnungsprüfer, Fanuel Tjingaete, über die Aktivitäten der Regierung für das Rechnungsjahr 1991/92 äußert Kritik an verschiedenen Ministerien wegen Misswirtschaft und Korruption. Ähnliche Kritik wird auch gegenüber der Universität von Namibia (Vize-Rektor: Peter Katjavivi)(19.09.) und der Development Brigade Corporation (November) geäußert.
01.08. Namibia und die Schweiz schließen ein Investitionsschutzabkommen ab.
03.08. Mitglieder von Koevoet, das als eine "Anti-Terroristen-Einheit" von General Hans Dreyer von der südafrikanischen Sicherheitspolizei im Jahre 1979 gegründet worden war, und Mitglieder der ehemaligen Südwestafrika-Gebietsmacht (SWATF), die 1989 aus Namibia geflohen waren, versuchen in ihre Heimat zurückzukehren. 29 Mitglieder von Koevoet und der SWATF werden mit 64 Familienangehörigen an der Grenze abgewiesen. Das höchste Gericht Namibias hält das für ungesetzlich (18.08.) und erzwingt deren Rückkehr.
09./10.08. Der neu gewählte Präsident des demokratischen Südafrikas, Nelson Mandela, besucht Namibia. Er umreißt die neuen Perspektiven zwischen beiden Ländern, die die Post- Apartheids-Periode einleiten sollen. Mandela unternimmt, sich für die Streichung der kolonialen Schuldlast einzusetzen.
15./16.08. Die Kommunalwahlen für einen neuen Stadtrat in Walvisbucht bringt eine klare Mehrheit für die SWAPO-Partei: acht Sitze für die SWAPO und zwei Sitze für die DTA.
30.08. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, nimmt für sein Ministerium die 1994 Shell-Trophäe für Umweltschutz in Empfang. Die Trophäe wird für den umweltfreundlichen Bau der neuen Straße von Omafo nach Okalongo in der Ohangwena-Region erteilt.
02.09. Präsident Nujoma eröffnet die letzte, fehlende Teilstrecke der Keetmanshoop nach Lüderitzbucht-Fernstraße, von Aus nach Goageb.
04.09. Namibier haben zum ersten Mal ihre Uhren eine Stunde von der namibischen Normalzeit auf Sommerzeit vorzustellen.
08.09. Während einer People’s Conference on Land in Mariental fordern 500 Delegierte die Beteiligung von Frauen und landlosen Namibiern beim Land-Umverteilungsprozess.
21.09. Der deutsche Botschafter in Namibia, Hanns Schumacher, unterzeichnet mit dem Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, ein Abkommen über die Lieferung von zwei Radaranlagen für die Überwachung des namibischen Luftraumes. Deutsche Radarexperten werden Namibier in der Handhabung dieser Anlagen schulen.
27.09. Die neue SWAPO-Parteiliste für die 1994iger Wahlen wird aufgestellt. Die ersten 32 Kandidaten werden, wie in der SWAPO-Parteiverfassung festgelegt, durch den Partei-Präsidenten, Sam Nujoma, angewiesen. Diese Liste wird vom Vize-Präsidenten, Hendrik Witbooi und dem General-Sekretär, Moses Makue 5Garoëb, angeführt. Auf der 32iger-Liste befinden sich auch Kandidaten der Gewerkschaft NUNW, der wiederbelebten SWAPO Youth League (SYL) und des SWAPO Frauenrates. Die verbleibenden 40 Kandidaten werden vom SWAPO-Wahlkolleg gewählt. Die Spitzenpositionen werden von Klaus Dierks und Nangolo Mbumba, gefolgt von Nathaniel Maxuilili, eingenommen. Der ehemalige Landwirtschaftsminister, Anton von Wietersheim, wird nicht mehr gewählt. SWAPO-MP Danie Botha und der Vize-Landwirtschaftsminister, Stan Webster, schaffen es auch nicht auf die Liste. Michaela Hübschle landet auf einer aussichtslosen Position.
Namibias Verteidigungsminister Peter Mweshihange besucht Indien. Dort unterhandelt er über den Ankauf von Militärhubschraubern. Vier werden am 18.12. abgeliefert (N$ 19,6 million).
29.09. Es kommt wiederholte Male zu Grenzverletzungen durch die angolanische Widerstandsbewegung UNITA entlang der namibisch- angolanischen Grenze. Mehrere Menschen werden getötet.
03.10. Eine Untersuchungskommission über den Missbrauch von Dürresubventionen wird angestellt. Sie soll untersuchen, ob einige Minister öffentliche Subventionen für das Schlagen von Bohrlöchern auf ihren Farmen angewendet haben (unter Anderen: Minister für Justiz, Ernest Ngarikutuke Tjiriange und Vize-Minister für Inneres, Nangolo Ithete).
12.10. Die namibische Regierung versucht den Konflikt zwischen UNITA und den namibischen Verteidigungskräften zu entschärfen und lädt den UNITA-Führer, Jonas Savimbi, ein. Savimbi lehnt aber am 18.10. ab.
18.10. Die ständigen Grenzverletzungen durch UNITA entlang der namibisch-angolanischen Grenze werden mit einer Schließung der Grenze und erhöhter Präsenz namibischer Verteidigungskräfte am Okavango beantwortet.
25.10. Das seit langem angekündigte Landreform-Gesetz (Agricultural (Commercial) Land Reform Bill) wird in der National-Versammlung verabschiedet, aber nicht mehr im gleichen Jahr vom National-Rat ratifiziert. Dieses Gesetz ist das Resultat der Land-Konferenz von 1991 und der Aktivitäten des Technical Committee on Commercial Farmland (TCCF). Das Gesetz schafft die Grundlage für die Umverteilung, die Enteignung und Besteuerung von kommerziell genutztem Land. Farmland, das nicht effizient genutzt oder das Eigentum von Ausländern ist, kann gegen Entschädigung enteignet und namibischen Bürgern überlassen werden. Das Ministerium für Land, Umsiedlung und Rehabilitation muss solche Farmen identifizieren und die Höhe der Entschädigung festlegen. Der Landbesitz von Ausländern wird eingeschränkt.  Ausländische Investitionen werden weiterhin ermutigt und unterstützt.
November Die namibische Regierung schließt mit der Diamantengesellschaft Consolidated Diamond Mines (CDM) einen Vertrag ab, der dem namibischen Staat einen 50%igen Anteil an den Gewinnen der Diamantenproduktion gibt. CDM wird in die Namdeb Diamond Corporation umgewandelt. Dieser Vertrag, zusammen mit der Schaffung einer Export Processing Zone (EPZ) in Walvisbucht, schafft Hoffnungen auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze und steigender Staatseinnahmen. Die EPZ soll neue Investitionen fördern. Es werden beträchtliche Steuererleichterungen gewährt. Verschieden Bestimmungen des Labour Act (Act No. 6 of 1992) werden in der EPZ außer Kraft gesetzt. Eine der EPZ-Investitionen kommt von der ägyptischen Firma Pidico, die allerdings niemals Wirklichkeit wird.
09.11. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, unterzeichnet mit Vertretern des deutschen Bundes-Verkehrsministeriums  in Bonn, in Gegenwart der drei betroffenen Luftlinien (Air Namibia, Lufthansa und der deutschen privaten Luftreederei LTU), ein Luftverkehrsabkommen zwischen den beiden Ländern. Das Abkommen basiert auf dem internationalen Prinzip der Gegenseitigkeit. Air Namibias Vorstandvorsitzender, Keith Petch, sieht dieses Abkommen als unfair an und geht so weit, öffentliche Anzeigen in der namibischen Presse gegen die Regierung zu setzen.
06.12. Präsident Sam Nujoma besucht Südafrika. Er kommt mit Präsident Nelson Mandela überein, dass Südafrika alle kolonialen Schulden streichen wird. Die Abschreibung der Schuldenlast wird vom südafrikanischen Kabinett am 08.12. sanktioniert.
07.12. Der Ankauf eines amtlichen Flugzeuges für den Premierminister, ein Learjet (N$ 6,5 Millionen), wird bekanntgegeben. Das Ministerium für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen ist in den Prozess nicht einbezogen worden.
07./08.12. Die allgemeinen Wahlen für die National-Versammlung und das Amt des Präsidenten werden abgehalten. SWAPO erhöht ihre parlamentarische Mehrheit auf 53 Sitze und 73,89 % in der National-Versammlung (41 Sitze und 57,3% in den 1989iger Wahlen) und erreicht jetzt fast eine Dreiviertel-Mehrheit.
13.12. Die Wahlergebnisse für die 1994iger Wahl werden, nach einiger Verzögerung aufgrund technischer Probleme in den vier Nord-Regionen, bekanntgegeben. Die ersten direkten Wahlen für das Amt des Präsidenten erbringen 76,3% der abgegebenen gültigen Stimmen für Präsident Sam Nujoma. Der Präsident der DTA, Mishake Muyongo, erzielt nur 23,7% der Stimmen. Die DTA bekommt nur noch 15 Sitze (20,5%) in der National-Versammlung (1989: 21 Sitze (28,6%)). Es ist deutlich, dass der DTA immer noch das Image einer Quislings-Partei der früheren südafrikanischen Administration anhängt. Weitere Parteien in der National-Versammlung sind die UDF von Justus 5Garoëb mit zwei Sitzen (1989: vier Sitze), die ACN (jetzt die Monitor Action Group (MAG)) von Kosie Pretorius) mit einem Sitz und die neu gebildete DCN von Moses Katjiuongua mit einem Sitz. SWANU schafft es nicht mehr in die National-Versammlung. Die Wahlbeteiligung liegt diesmal bei 76,1% (1989: 97%).
15.12. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikation, Klaus Dierks und der deutsche Botschafter, Hanns Schumacher, treffen sich in Omega für den ersten Spatenstich am "deutschen" Bauabschnitt der Trans- Caprivi-Fernstraße, der von Divundu am Okavango bis zu einem Punkt 100 km weiter östlich gebaut wird.
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[Inhaltsverzeichnis]

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