1995 Das Zustandekommen einer Social Security Commission, in der alle Arbeitgeber ihre Firmen und Angestellten registrieren müssen, soll soziale Sicherheit für die Angestellten im formellen Sektor der namibischen Wirtschaft schaffen. Verpflichtende Beiträge müssen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern einbezahlt werden, um Mutterschafts- und Krankenurlaub sowie Sterbegelder zu decken.
Eine Erwachsenenbildungsanstalt, das Namibian College for Open Learning (NAMCOL) entsteht. Es ermöglicht Studenten, sich in Korrespondenzkurse oder in tägliche Klassen einzuschreiben. Lehrgänge werden am Nachmittag und Abend in 101 Zentren im ganzen Lande abgehalten. Studenten müssen die gleichen Examen wie Schüler in öffentlichen Schulen ablegen. Die Immatrikulierungszahlen steigen beträchtlich von 6 545 Studenten 1995 auf 20 155 im Jahre 1998.
Namibia hat immer noch eine negative Handelsbilanz mit Südafrika: 87 Prozent von Namibias Importen kommen aus Südafrika, verglichen mit zwei Prozent mit dem nächst wichtigen Handelspartner, Deutschland.
Eine formelle nationale Landwirtschaftspolitik wird von der Regierung vorgestellt. Eines der Ziele ist es, die historisch vernachlässigten Kommunalgebiete im Norden bevorzugt zu entwickeln. Zu diesem Zwecke wurde 1992 ein Darlehenssystem für kommunale Farmer, das Affirmative Action Loan-System, eingeführt. 1995/96 genehmigt die Agribank 40 Darlehen an solche Farmer mit einem durchschnittlichen Betrag von N$ 5 966 pro Anleihe.
Namibia spielt eine entscheidende Rolle, die Interessengruppen der Fischerei Angolas, Südafrikas und Namibias an einen Tisch zu bringen, um die wissenschaftlichen Argumente, die mit dem Benguela-Strom-Ökosystem im Zusammenhang stehen, zu optimieren. Daraus entsteht das Benguela Environment Fisheries Interaction and Training (Benefit) Programme.
Telecom Namibia eröffnet Namibias eigene Satellitenstation für die Vermittlung von Überseegesprächen in Windhoek. Im gleichen Jahr bekommt Namibia auch seine eigene Gesellschaft für Mobilfondienste, Mobile Telecommunications Ltd. (MTC).
Januar Hans Feddersen verlässt die Allgemeine Zeitung. Am 11.05. gründet er in Swakopmund die englisch- und deutschsprachige Zeitung Plus.
05.01. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, verlangt von TransNamib (Vorstandsvorsitzender: Francois Uys) eine Erklärung, wie Namibias Eisenbahngesellschaft es zulassen konnte, dass einige Streckenabschnitte der Eisenbahnlinie von Aus nach Lüderitzbucht vom Wüstensand begraben werden konnten.

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Aus nach Lüderitzbucht-Eisenbahnlinie: Nahe Kolmanskuppe: km 300 (von Keetmanshoop: 20 km von Lüderitzbucht)
Copyright of Photos: Dr. Klaus Dierks

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Aus nach Lüderitzbucht-Eisenbahnlinie: Station Grasplatz: km 296 (24 km von Lüderitzbucht)
Copyright of Photos: Dr. Klaus Dierks

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Aus nach Lüderitzbucht-Eisenbahnlinie: km 290 (etwa 30 km von Lüderitzbucht)
Copyright of Photos: Dr. Klaus Dierks

10.01. Präsident Sam Nujoma besucht während eines Staatsbesuches Angola, um im Angola-Konflikt zu vermitteln. Es folgen zwei weitere Besuche am 03.02. und am 14.05.
Premier Minister Hage Geingob gibt nun den Ankauf eines amtlichen Flugzeuges für sein Büro, ein Lear Jet 31A (jetzt für mehr als N$ 10 Millionen), bekannt. Das Ministerium für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen war bei dem Flugzeugkauf nicht betroffen und wurde absichtlich im Dunkeln gelassen.
01.02. Jariretundu Kozonguizi (Namibias erster Ombudsmann seit 1992) stirbt in Windhoek.

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Windhoek: Hochland Park: Friedhof in der "Alten Werft": Grab von Jariretundu Kozonguizi: März 2003
Copyright of Photo: Dr. Klaus Dierks

09.02. Der Minister für Finanzen, Gerd Hanekom, legt den Haushaltsetat für das Finanzjahr 1995/96 vor. Als Hauptziel wird Wirtschaftsförderung, die von 5,4% im Vorjahr auf 3,5% abflachte, und die Schaffung von Arbeitsplätzen angegeben. Die Gesamtausgaben werden auf N$ 4 341 Millionen geschätzt, das entspricht einem Anstieg von 18% gegenüber dem Vorjahr, bei einer Inflationsrate von etwa 10% (11% für das Vorjahr). Die Staatseinnahmen werden, ohne externe Beihilfen von N$ 38 Millionen, mit N$ 3 829 Millionen veranschlagt (das entspricht ebenfalls einer Steigerung von 18% gegenüber dem letzten Jahr). Die Einnahmen enthalten auch Zölle und andere fiskalische Abgaben aus der Southern African Customs Union (SACU) von N$ 1 155 Millionen. Das erwartete Defizit von N$ 474 Millionen ist wiederum höher als das Defizit von N$ 407 Millionen im Vorjahr (das 1994/95-Defizit wird nun allerdings auf N$ 499 Millionen geschätzt). Es wird wieder durch Staatsanleihen auf dem Inlandmarkt gedeckt. Der Kapitalhaushalt wird auf N$ 680 Millionen veranschlagt (15,7% der gesamten Staatsausgaben).
10.02. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks nimmt zusammen mit dem deutschen Botschafter in Namibia, Hanns Schumacher, die erste Radaranlage für die Überwachung des namibischen Luftraumes am Internationalen Flughafen Windhoek in Gebrauch.
Der Botschafter der europäischen Union in Namibia, Roger Leenders, kündigt Entwicklungshilfe in Höhe von N$ 92 Millionen für weitere 100 km der Trans-Caprivi-Fernstraße bis Kongola am Kwandofluss an. Diese nicht zurückzahlbare Entwicklungshilfe war in ausgedehnten und schwierigen Unterhandlungen in Brüssel von Klaus Dierks ausgehandelt worden.
15.02. Nujoma trifft Botswanas Präsident Ketumile Masire. Trotz der Vermittlungen von Zimbabwes Präsident Robert Mugabe, gelingt es nicht, eine Lösung für den Grenzkonflikt im südlichen Arm des Chobe bei der Insel Kasikili zu finden. Es wird entschieden, den Fall dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu übergeben. Trotz des Kasikili-Insel-Streites bleiben die guten Beziehungen zwischen Namibia und Botswana ungetrübt. Der Bau der Trans-Kalahari-Fernstraße geht auf beiden Seiten der Grenze ungehindert weiter. Der Minister für Bergbau und Energie, Andimba Toivo Ya Toivo, weiht die erste grenzüberschreitende Stromlinie ein (21.07.). Premier-Minister Hage Gottfried Geingob besucht Botswana vom 24.07. bis 28.07. Ein Wasserabkommen zwischen Namibia, Angola und Botswana über die Wassernutzung des Okavangoflusses wird während der zweiten Sitzung der Okavango-Flussbeckenkommission in Gaborone (01.08.) abgeschlossen.
20.02. Die Volksvertreter der National-Versammlung genehmigen sich eine Diätenerhöhung von 20%. Das führt zu weitgehenden Unmutäußerungen innerhalb der Bevölkerung.
20./22.02. Der Ministerpräsident von Schweden, Ingvar Carlsson, besucht Namibia.
24./25.02. Der österreichische Verkehrs-Minister, Viktor Klima (später Finanz-Minister und Bundeskanzler der Republik Österreich), weilt als Gast vom Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, in Namibia. Ein Abkommen über verschiedene Verkehrsprojekte wird unterzeichnet. Der Besuch endet mit einer peinlichen Note. Der österreichische Botschafter in Namibia, Pallasch, bittet Dierks, ein Treffen zwischen Viktor Klima und Präsident Nujoma zu arrangieren. Da dieses nicht zu Dierks’ Aufgabenbereich gehört, zögert er, dieses zu tun. Aber Pallasch verlangt ein solches Treffen, da zur gleichen Zeit der rechts-populistische Oppositionsführer, Jörg Haider, in Namibia weilt. Haider plant, auf einen zweitätigen Jagdausflug mit Präsident Nujoma (25./26.02) zu gehen. Um Namibia nicht in Verlegenheit zu bringen, gelingt es Dierks, mit Hilfe von Nujomas persönlicher Sekretärin, Angolo Ndeutalah, ein Treffen mit dem Präsidenten am Morgen des 25.02. zu organisieren. Nach Haiders Zurückkehr nach Wien gibt dieser eine Pressekonferenz, auf der das namibische Volk und die Regierung beleidigt werden. Das führt zu einer tiefen Verlegenheit für Präsident Nujoma und benachteiligt Dierks’ weitere politische Karriere.
01.03. Präsident Nujoma besucht Zambia. Dort bespricht er mit Präsident Frederick Chiluba den Aufbau einer gemeinsamen Kupferaufbereitungsanlage.
09.03. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, macht bekannt, dass die Bundesrepublik Deutschland N$ 2 Millionen für den Ausbau des Walvisbuchter Hafens in einen Haupthafen entlang der westafrikanischen Küste und als Endpunkt des Walvisbucht-Korridors nach Südafrika als eine effizientere Alternative zu den südafrikanischen Häfen zur Verfügung stellt. Gleichzeitig kündigt er an, dass er auch Unterhandlungen mit der Europäischen Investmentsbank (EIB) in Luxemburg führe, um den Hafen von Lüderitzbucht zu modernisieren und auszubauen.
21.03. Der gerade gewählte Präsident Sam Nujoma (mit 76,3% der Stimmen) stellt sein Kabinett für die zweite frei gewählte Regierung von Namibia vor. Hage Gottfried Geingob wird wieder Premier-Minister. Hendrik Witbooi wird in dem neu geschaffenen Posten eines Vize-Premierministers angestellt. Die folgenden Ministerien bleiben unverändert (einige mit neuen Namen) oder werden neu geschaffen (Minister, Vize-Minister, Staatssekretär): Landwirtschaft, Wasser und Ländliche Entwicklung (Nangolo Mbumba, Stan Webster, Isaac Kaulinge); Verteidigung (Phillemon Malima, Erikki Nghimtina, Erastus Negonga); Erziehung und Kultur (John Mutorwa, Clara Bohitile, Loini N Katoma); Finanzen (Helmut Kangulohi Angula, Barmenas R Kukuri, Godfrey Gaoseb); Auswärtiges (Theo-Ben Gurirab, Netumbo Nandi Ndaitwah, Andreas PGuibeb); Gesundheit und Soziale Dienste (Nicky Iyambo, Vize-Minister: vakant, Solomon Amadhila); Inneres (Präsident Sam Nujoma, Jerry Ekandjo, Niilo Taapopi); Information und Rundfunkwesen (Ben Amathila, Daniel Tjongarero, Nguno Wakolele); Justiz (Ernest Ngarikutuke Tjiriange, Vize-Minister: vakant, Albert Kawana); Arbeit und Arbeitskräfteentwicklung (Moses Makue 5Garoëb, John Mueneni Shaetonhodi, Tuli Hiveluah); Land, Umsiedlung und Rehabilitation (Richard Kapelwa-Kabajani, Timothy Hadino Hishongwa, Joseph Iita); Regionale und Städtische Regierung und Sozialer Wohnungsbau (Libertine Amathila, Ben Ulenga, Nghidimondjila Shoombe); Bergbau und Energie (Andimba Toivo Ya Toivo, Jesaya Nyamu, Handupuula Shimutwikeni); Handel und Industrie (Hidipo Hamutenya, Wilfried Emvula, Hanno Rumpf); Umweltschutz und Tourismus (Gerd Hanekom, Nangolo Ithete, Uitala Hiveluah); Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen (Oskar Valentin Plichta, Klaus Dierks, Peingeondjabi Shipoh); Fischereiwesen (Lucas Hifikepunye Pohamba, Abraham Iyambo, Jan Jürgens); Jugend und Sport (Pendukeni Iivula Ithana, Martin Kapewasha, Calle Schlettwein). Zwei völlig neue Ministerien werden geschaffen: Tertiäre Erziehung und Lehrlingsausbildung (Nahas Angula, Buddy Wentworth, Vitalis Ankama) und Gefängnisse und Korrektive Dienste (Marco Hausiku, Michaela Hübschle, Frans Kapofi). Weitere Mitglieder des zweiten Kabinetts sind der General-Sekretär von SWAPO (Moses Makue 5Garoëb); der Minister für Staatssicherheit (Peter Tshirumbu Tsheehama); der General-Staatsanwalt (Vekuui Rukoro (NNF))(der ehemalige General-Staatsanwalt, Hartmut Ruppel, lehnt den Posten eines Vize-Ministers für Justiz ab und scheidet aus der Politik); der General-Rechnungsprüfer (Fanuel Tjingaete) und die Generaldirektorin der Nationalen Planungskommission (Sarah Kuugongelwa, Zedekia Ngavirue geht als Botschafter nach Brüssel). Der Staatssekretär im Amt des Präsidenten ist Petrus Damaseb. Der Kabinetts-Sekretär ist Eddie S. Amkongo. Die meisten Minister gehören wieder der Oshiwambo-Sprachgruppe an. Andere Bevölkerungsgruppen sind jedoch auch vertreten. Die "weiße" ethnische Minderheit, und im besonderen Maße die deutschsprachige Gruppe, ist wieder deutlich überrepräsentiert. Das zweite Kabinett der Republik Namibia bestätigt Präsident Nujoma als die mächtigste politische Persönlichkeit in Namibia: Nujoma überwacht die namibische Verteidigungsmacht als ihr Oberbefehlshaber. Er kontrolliert auch die National Security Intelligence Agency (NSIA) und ist im Moment der amtierende Minister für Inneres. Weitere Präsidentenkontrolle manifestiert sich in der Anstellung von Iyambo Indongo als General-Inspekteur aller Krankenhäuser (später wird er Vize-Minister für Gesundheit und Soziale Dienste).
Zu Ehren des Unabhängigkeitstages weilen die Präsidenten von Angola, Botswana und Zimbabwe in Namibia.
08.04. Es kommt zu Demonstrationen von demobilisierten, arbeitslosen PLAN-Soldaten am Amtssitz des Präsidenten. Dieser immer lautstarker werdenden Forderung nach Arbeitsplätzen folgt eine weitere Protestaktion am State House am 08.05.
13.04. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, gibt bekannt, dass eine Ausbildungsstätte für kommerzielle Piloten für Keetmanshoop durch British Aerospace immer noch beabsichtigt wird. Kritisch ist nach wie vor die Finanzierung der Schule, die von Südafrikas Teilnahme abhängig sei. Daher hat der kürzlich angestellte Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Oskar Valentin Plichta, seinen Amtsgenossen in Südafrika, Mac Maharaj, um einen dringenden Gesprächstermin gebeten, um dieses zu besprechen. Die Ausbildungsstätte müsse wenigstens 80 Studenten (40 aus Südafrika) ausbilden bevor sie wirtschaftlich wäre.
18.04. Klaus Dierks erklärt, dass er sich bemühe, die nötigen Haushaltsmittel für die Finanzierung einer Fernstraße von Rundu im Osten nach Onuno über Eenhana in der Ohangwena-Region, um den Kavango mit dem ehemaligen Ovamboland zu verbinden, zu bekommen. Diese Fernstraße würde als die westliche Verlängerung der Trans-Caprivi-Fernstraße dienen. Weiterhin unterhandelt Dierks mit der deutschen Regierung über die Finanzierung einer Brücke über den Zambezi zwischen Namibia (Katima Mulilo) und Zambia (Sesheke) und den Ausbau der letzten Strecke der Trans-Caprivi-Fernstraße von Wenela an der Zambia-Grenze und Ngoma an der Botswana-Grenze mit dem Ausbau der bestehenden Brücke über den Chobefluss.
Mai Die Ergebnisse der Untersuchungskommission über den Missbrauch von Dürresubventionen (Brits-Kommission) werden ignoriert. Beamte und Politiker, die angeklagt waren, 1994 öffentliche Subventionen für das Schlagen von Bohrlöchern auf ihren Farmen angewendet haben (unter Anderen: Minister für Justiz, Ernest Ngarikutuke Tjiriange und Vize-Minister für Inneres, Nangolo Ithete) werden von allen Vorwürfen freigesprochen.
02./04.05. Der finnische Präsident, Martti Ahtisaari, besucht Namibia.
04.05. Die wachsenden Spannungen innerhalb und außerhalb der SWAPO-Partei über den langsamen Fortschritt, die Lebensbedingungen vieler Namibier zu verbessern, führen zum Entstehen einer neuen politischen Partei, der SWAPO for Justice. Allerdings findet diese Partei keinen Widerhall in der Bevölkerung.
14.05. Präsident Sam Nujoma besucht während eines Staatsbesuches Nigeria. Seine Kontakte mit dem nigerianischen Präsident Sani Abacha treffen im Inland und Ausland auf Kritik. Selbst die regierungseigene Zeitung New Era übt Kritik.
18.05. Ein Plan vom Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, der Namibias Verkehrs- und Straßeninfrastruktur auf eine neue Grundlage stellt, wird von der Windhoeker Handelskammer begrüßt. Eine Straßensektorreform, die die Effizienz im Transportsektor durch Deregulierung und Wettbewerb sowie Privatisierung erhöhen soll, wird angekündigt. Unterhaltskosten des Straßensystems müssen durch eine strenge Kontrolle der erlaubten Achsmasse minimiert werden. Die namibischen Eisenbahnen müssten eine optimierte Rolle im Verkehrswesen spielen. Die Straßenbenutzer müssten zahlen, was sie verbrauchten und deshalb muss ein gerechtes, kostendeckendes und transparentes System mit Massen-Entfernungsgebühren für Schwerfahrzeuge eingeführt werden. Das Straßensystem soll bis zum Jahre 2000 völlig privatisiert werden.
03.06. Hannes Smith von der Zeitung Windhoek Observer muss vom 05.12. bis 07.12.1995 vor dem Obergerichts in Windhoek erscheinen. Er ist, zusammen mit Nic Kruger als früherem Direktor der Zeitung und Elizabeth Haase, die verantwortlich für den Inhalt der Anzeige ist, angeklagt, das Gesetz, den Racial Discrimination Prohibition Act (Act No 26 of 1991), übertreten zu haben. Die Anklage resultiert aus einer Anzeige im Windhoek Observer (17.08.1994), in der der siebte Todestag am 17.08.1987 von Rudolf Hess, Stellvertreter Adolf Hitlers, verherrlicht wird. Die Staatszeugen gegen Smith und die Verantwortlichen der Anzeige sind Harold Pupkewitz, André du Pisani, Gerhard Tötemeyer, Hans Feddersen, Henning Melber und Klaus Dierks.
08.06. Die Namibia-Zambia Joint Permanent Commission hält eine Sitzung in Windhoek ab. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, und sein zambischer Kollege, Gilbert Mululu, unterzeichnen ein Cross-Border Road Transport Agreement zwischen den beiden Ländern.
15./17.06. Der Präsident von Zambia, Frederick Chiluba, besucht Namibia.
07.07. Öffentlicher Druck zwingt die Regierung, die Ergebnisse der Untersuchungskommission über den Missbrauch von Dürresubventionen (Brits-Kommission) zu veröffentlichen.
10.07. Zwischen Zimbabwe und Namibia wird eine gemeinsame Kommission zur Zusammenarbeit eingerichtet.
24.07. Die Regierung kündigt an, ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für ehemalige PLAN-Soldaten zu schaffen. Es wird ein Kabinetts-Hilfsfond für die demobilisierten SWAPO-Kämpfer eingerichtet.
28.07. Das Verkehrsministerium macht Pläne bekannt, eine Untersuchungskommission für die Umstrukturierung von TransNamib Limited, Namibias staatseigener Verkehrsgesellschaft, einzusetzen. Eine Dreimann-Kommission soll gründlich die Neu-Strukturierung der Firma untersuchen. Sie besteht aus dem Vorsitzenden, Petrus Damaseb, Gabor Bruszt und Trevor Ferrel. Das Team hat die Beziehung zwischen TransNamib und dem Eigentümer, dem Staat, neu zu definieren. Es soll die finanzielle Leistungsfähigkeit der Firma analysieren, auch in Hinblick auf den Verkauf von Liegenschaften und Besitztümern seit der Unabhängigkeit. Die Kommission soll auch Möglichkeiten untersuchen, wie die Staatsgesellschaft dazu gebracht werden kann, den Richtlinien amtlicher Verkehrspolitik zu folgen und die Prinzipien der Affirmative Action einzuführen.
27./29.07. Der König von Swaziland, Mswati III, besucht Namibia.
August Die Namibian Economic Policy Research Unit (NEPRU) erklärt, dass, wie im Jahre 1994 und trotz der andauernden günstigen politischen und wirtschaftlichen Umstände, es immer noch nicht zu steigenden Fremdinvestitionen kommt. NEPRU prognostiziert eine mittelfristige Stabilität im Bergbau mit relativem Rückgang der Profite, bei Abnahme der Reserven und steigenden Förderungskosten. Diese NEPRU-Prognose stellt sich später als zu pessimistisch heraus. Die zu erwartenden Einkünfte aus Diamanten und Erdgas geben zu Optimismus Anlass. Demgegenüber stehen negative langfristige Perspektiven in der Landwirtschaft infolge des zu erwarteten Preisrückganges für Vieh und der immer noch fühlbaren Folgen der Dürre von 1992. Auch im Fischereisektor kommt es durch ungünstige Klimaeinflüsse zu empfindlichen Einkommensverlusten. Dagegen zeigt der Tourismussektor nach wie vor stabile Zuwachsraten um die zehn Prozent. Die überproportionellen Anteile der staatlichen Beamtengehälter (über 65 000 Staatsbedienstete, das entspricht einem Anstieg von mehr als 20 000 Beamten seit der Unabhängigkeit) am Staatshaushalt gibt zu Sorge Anlass. Auch das Jahr 1995 löst nicht das Problem der Ungleichheiten in den Einkommen zwischen "schwarzen" und "weißen" Gruppen. Demnach hat Namibia nach Brasilien und Südafrika die extremste Ungleichheit im Einkommen aller Länder.
27./30.08. Der Verteidigungs-Minister, Philemon Malima, schließt einen Vertrag über die Ausbildung von namibischem Militärpersonal in Zimbabwe ab.
06.09. Der Minister und der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen lehnen öffentliche Erklärungen des TransNamib (Air Namibia)-Vorstandsvorsitzenden Keith Petch ab, ein neues Flugzeug für die Luftlinie ohne öffentliche Ausschreibung zu kaufen, "besonders in einem Falle, wo der Vorstand ständig probiert, den Aufsichtsrat zu manipulieren". Weiterhin sollte man mit dem Ankauf eines solchen Flugzeuges warten bis die unabhängige Untersuchungskommission für die Umstrukturierung von TransNamib Limited ihre Untersuchungen abgeschlossen hat.
08.09. Wie auf dem Gipfel der Staatsoberhäupter der Southern African Development Community (SADC) beschlossen, wird die Southern Africa Regional Air Transport Authority (SARATA) begründet.
14./15.09. Der deutsche Bundeskanzler, Helmut Kohl, unterstreicht auf seinem Staatsbesuch in Namibia die engen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Eine von Ovahereroführer Kuaima Riruako organisierte Demonstration für Wiedergutmachung an die Ovaherero, für die erlittene Unbill während des deutsch-namibischen Krieges von 1903 bis 1909, rückt die bittere Vergangenheit wieder in die Gegenwart. Die Ovaherero wollen Kohl treffen, aber dieser weigert sich, Riruako und seine Delegation zu empfangen und reist stattdessen nach Swakopmund.
16.09. Präsident Nujoma stellt den Vize-Minister für Inneres, Jerry Ekandjo, als Minister an. Jeremiah Nambinga wird Vize-Minister.
26.09. Ein Gesetz über traditionelle Gruppen in Namibia, der Traditional Authorities Act, No. 17 of 1995, tritt in Kraft.
03.10. Es kommt zu weiteren Demonstrationen von frustrierten ehemaligen PLAN-Soldaten am Amtssitz des Premier-Ministers. Der Vize-Minister für Land, Umsiedlung und Rehabilitation, Timothy Hadino Hishongwa, wird für einige Stunden von den SWAPO-Kämpfern gewaltsam festgehalten. Um die eskalierende Situation unter Kontrolle zu halten, beschließt das Kabinett die Haushaltsetats aller Ministerien um ein Prozent zu kürzen, um Arbeitsplätze für diese Menschen zu schaffen. Außerdem sollen die namibische Verteidigungsmacht und Polizei je 1 000 dieser demobilisierten Soldaten in ihre Reihen aufnehmen.
10.10. In Konsequenz der Untersuchungskommission für die Umstrukturierung von TransNamib Limited, entscheidet die Regierung den alten Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Johann-Albrecht Brückner zu entlassen. Einige Mitglieder des alten Aufsichtsrates werden jedoch wieder angestellt: Vivienne Graig-McLaren, Susan Harris, Willy Klein und der Vorstandsvorsitzende, Francois Uys. Willy Klein wird neuer Aufsichtsratsvorsitzender. Weitere Direktoren sind Leake Hangala (Vorstandsvorsitzender von der Namibia Power Corporation (NamPower)), B. Eklof (Vorstandsvorsitzender von Telecom Namibia), Issie Namaseb, J.P. Karuaihe und J.N. Nghifindaka.
20.10. Der Minister (Oskar Valentin Plichta) und der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen (Klaus Dierks) fordern den neuen Aufsichtsrat von TransNamib auf, sich auf das Kerngeschäft der namibischen Verkehrsgesellschaft zu konzentrieren, den Erhalt der namibischen Eisenbahnen und den Wiederaufbau der Eisenbahnlinie von Aus nach Lüderitzbucht.
26.10./03.11. Präsident Nujoma wohnt der Konferenz der Blockfreien Staaten in Kolumbien bei. Danach besucht er Guayana, Venezuela und Brasilien. Dort unterhandelt er über brasilianische Hilfe beim Aufbau einer namibischen Marine.
04.11. Der Finanzminister, Gerd Hanekom, legt den Nachhaushalt 1995 vor, der zusätzliche Ausgaben von N$ 568,2 Millionen vorsieht. Das entspricht einer Steigerung von 13% des ursprünglichen Haushalts.
04.11. Zimbabwes Präsident, Robert Mugabe, besucht Namibia.
21.11. Der Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikation, Oskar Valentin Plichta, bestätigt die Einführung eines neuen Straßengebührensystems. Nach diesem System soll ein Teil der Benzinsteuer für den Erhalt von Namibias ausgezeichnetem Straßensystem verwendet werden. "Ein faires und transparentes Preissystem für den Gebrauch von Straßen begünstigt auch den Eisenbahntransport".
22.11. Um im fortlaufenden Bürgerkrieg in Angola eine Lösung herbeizuführen, beschließt Namibia, 200 Soldaten in dieses vom Kriege zerrissene Land zu schicken. Dieses geschieht im Rahmen der United Nations Angolan Verification Mission (UNAVEM III) und des Grenz-Sicherheitsvertrages zwischen beiden Ländern von 1990.
23.11. Die zu Jahresbeginn eingesetzte Lohn- und Gehaltskommission (WASCOM) empfiehlt eine bis zu 100%ige Gehaltserhöhung für politische Amtsträger. Dies hat einen öffentlichen Proteststurm zur Folge. Der Rat der Kirchen in Namibia (CCN) (Council of Churches in Namibia (CCN)) sieht sich zu einer Erklärung veranlasst, in der diese Erhöhung als "obszön" angeprangert wird.
05.12. Hannes Smith von der Zeitung Windhoek Observer muss heute vor dem Obergericht in Windhoek erscheinen. Er ist, zusammen mit Nic Kruger als früherem Direktor der Zeitung und Elizabeth Haase, die verantwortlich für den Inhalt der Anzeige ist, angeklagt, das Gesetz, den Racial Discrimination Prohibition Act (Act No 26 of 1991) übertreten zu haben. Die Anklage resultiert aus einer Anzeige im Windhoek Observer (17.08.1994), in der der siebte Todestag am 17.08.1987 von Rudolf Hess, Stellvertreter Adolf Hitlers, verherrlicht wird. Die Staatszeugen gegen Smith und die Verantwortlichen der Anzeige sind Harold Pupkewitz, André du Pisani, Gerhard Tötemeyer, Hans Feddersen, Henning Melber und Klaus Dierks. Die Anzeige beschreibt Hess "als den letzten Vertreter eines besseren Deutschlands" und einen "Martyrer für Frieden". Sie fährt fort, "Er flog nach England zu den wirklichen Verursachern des Zweiten Weltkrieges mit einer Friedensbotschaft des Führers Adolf Hitler". Die Anzeige wird von den Staatszeugen als falsches Zeugnis und die Verbreitung von Hass, als gefühllos und offensiv, als rassistische Beleidigung, als Förderung von rassischer Disharmonie und rassischer Überlegenheit angesehen. Advokat John Walters vertritt den Staat. Richter Theo Frank vertagt den Prozess bis August 1996.
18.12. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, erklärt, dass das Ministerium an frühzeitige und präventive Instandhaltung von Straßen glaube, die drei bis vier Mal kosteneffizienter als neue Asphaltdecken sei. Die außergewöhnlich hohe Sonnenintensität in Namibia führe zu schneller Versprödung und Oxydierung der Schwarzdecken und damit zu Rissebildungen, die in der Regenzeit zum Verlust der Tragfähigkeit der Tragschichten führten. Um diese Entwicklung zu kontrollieren, sind im laufenden Haushaltsjahr N$ 12 Millionen für präventiven Straßenunterhalt vorgesehen.
Dezember Der Vize-Minister für Information und Rundfunkwesen, Daniel Tjongarero, wird Vorstandsvorsitzender der Namibian Broadcasting Corporation (NBC).
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[Inhaltsverzeichnis]

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