1996 Große Fortschritte sind seit der Unabhängigkeit im Erziehungswesen gemacht worden. Von 1990 bis 1996 hat die Regierung jährlich ca 25% des Haushalts für Erziehung ausgegeben. Seit 1991 sind mehr als 100 neue Schulen im Lande gebaut worden, und 3 200 neue Lehrer sind eingestellt worden.
Mit 107 500 Tonnen pro Jahr erlebt der Norden Namibias eine außergewöhnlich gute Mahangu-Ernte in der 1995/1996 Regenzeit (durchschnittliche jährliche Ernteergebnisse liegen bei 49 000 Tonnen im Jahr). Um die Produktion und Vermarktung von Mahangu in den nördlichen und zentralen Regionen zu fördern, ruft das Landwirtschaftsministerium die Mahangu Marketing Intelligence Unit (MMIU), die durch den Namibischen Ackerbaurat verwaltet wird, ins Leben.
Die Kupfermine in Tsumeb schließt wegen Erschöpfung der Erzlagerstätte.
Während Namibia immer noch eine negative Handelsbilanz mit Südafrika hat, ist Groß Britannien mit 40 Prozent Namibias wichtigstes Exportland geworden. Der Handel zwischen Ländern der Southern African Development Community (SADC) beträgt nur neun Prozent.
08.01. Um im fortlaufenden Bürgerkrieg in Angola eine Lösung herbeizuführen, schickt Namibia 200 Soldaten in dieses vom Kriege zerrissene Land. Dieses geschieht im Rahmen der United Nations Angolan Verification Mission (UNAVEM III) und des Grenz-Sicherheitsvertrages zwischen beiden Ländern von 1990.
15.01. Eberhard Hofmann wird Chefredakteur der Allgemeine Zeitung.
29.01. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, erklärt, dass nunmehr fast zwei Jahre nach der Wiedereingliederung von Walvisbucht sich Namibia (Namibia Port Authority (NamPort)) und Südafrika (SA Hafengesellschaft Portnet) auf eine Abfindung von N$ 30 Millionen für den Walvisbuchter Hafen geeinigt hätten. Dierks kündigt weiterhin an, dass die Finanzhilfe der deutschen Regierung (Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)) für eine Planungsstudie für den Ausbau des Walvisbuchter Hafens in einen Haupthafen entlang der westafrikanischen Küste und als Endpunkt des Walvisbucht-Korridors nach Südafrika bereits angelaufen sei.
Eine Übereinkunft zwischen der namibischen Regierung (Klaus Dierks) und der Carl Duisberg Gesellschaft (CDG) in Köln sichert die Ausbildung von 18 Studenten für das namibische Luftüberwachungssystem an der Akademie für Luftnavigation in Langen bei Frankfurt/Main.
30.01. Um den Friedensprozess in Angola zu fördern, wird UNITA-Führer Jonas Savimbi erneut nach Namibia eingeladen, Savimbi lehnt wiederum ab.
Februar Beeinflusst durch ein Buch des deutschen Pastors, Siegfried Groth (Namibia: The Wall of Silence), kündigt der Rat der Kirchen in Namibia (CCN)(Council of Churches in Namibia (CCN)) eine Konferenz an, die sich mit dem Schicksal von Häftlingen in SWAPO-Lagern in Angola (u.a. Lubango), die beschuldigt werden, für den südafrikanischen Geheimdienst spioniert zu haben, beschäftigen soll. Der CCN wird dabei von der National Society for Human Rights (NSFHR) und einer neuen Druckgruppe "Breaking the Wall of Silence" unterstützt.
06.02. Das Ministerium für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen schreibt einen Architektenwettbewerb für den Bau des neuen Staatsarchives in Windhoek aus. Dierks amtiert als Vorsitzender des Wettbewerbs. Der namibische Architekt, Hugo Scheepers, gewinnt die Ausschreibung.
15.02. Obwohl eine Lösung für den Grenzkonflikt im südlichen Arm des Chobe bei der Insel Kasikili immer noch nicht in Sicht ist, wird entschieden, den Fall dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu übergeben. Dazu wird ein Abkommen zwischen Namibia und Botswana unterzeichnet.
21.02. Der Minister für Finanzen, Helmut Angula, legt den Haushalt für das Jahr 1996/97 vor. Das Hauptziel des Haushalts ist es, die Möglichkeiten des Etats mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten Namibias in Übereinstimmung zu bringen. Das Budget konzentriert sich auf die Richtlinien des Ersten Nationalen Entwicklungsplanes (NDP1). NDP1 sieht es als seine Hauptaufgabe an, die Armut zu bekämpfen, das Wirtschaftswachstum zu fördern und Arbeitsplätze zu schaffen. Der Anteil von relativ armen Haushalten soll von 47% auf 40% gesenkt werden, und der von extrem armen Haushalten von 13% auf 7% bis zum Jahre 2000. Die angenommene jährliche Wachstumsrate von 5% muss als zu optimistisch angesehen werden. Namibias Wirtschaft ist von den Sektoren Bergbau, Landwirtschaft und Fischereiwesen abhängig, die von externen Faktoren wie Klima und Weltmarktpreisen beeinflusst werden. Immer noch gibt die Größe des öffentlichen Dienstes zu Sorge Anlass. Die Gesamtausgaben werden auf N$ 5 073 Millionen geschätzt, ein Anstieg von 17% gegenüber dem Vorjahre. Das ist mehr als die Inflationsrate von etwa 10% für 1996/97 (37,5% des BIP). Trotz eines Appells des Ministers, den öffentlichen Dienst zu reduzieren, wurden 1 280 Beamte zusätzlich eingestellt, der Gesamtbestand steigt jetzt auf 70 192 Beamte. Die zwei Sektoren Erziehung und Gesundheit bekommen immer noch mehr als 40% der Gesamtausgaben. Das erwartete Defizit wird auf 4% des BIP geschätzt. Die Gesamtschuldenlast von 23% des BIP bleibt immer noch handhabbar. Die Schulden werden wiederum auf dem lokalen Finanzmarkt gedeckt. Der Kapital-Haushalt bleibt wieder im bescheidenen Rahmen und ist nicht in der Lage, das Investitionsklima in den produktiven Bereichen der Wirtschaft anzukurbeln.
25.02. Die ständig steigende Tendenz hoher Beamter sich zu bereichern wird durch folgendes Beispiel erleuchtet: Der Staatssekretär für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Peingeondjabi Shipoh, und der Unterstaatssekretär für Öffentliche Arbeiten, Farah Nadimi, genehmigen öffentliche Gelder zur Bezahlung von Fahrstunden für einen privaten Führerschein für eine Beamtin, Rosalinde Nakale.
März Namibia wird von Singapurs Premier-Minister, Goh Chok Tong, und dem Vize-Präsident der USA, Albert Gore, besucht.
06.03. Präsident Nujoma warnt, dass eine CCN-Konferenz über das Schicksal von SWAPO-Häftlingen die von SWAPO und der Regierung propagierte Politik der nationalen Aussöhnung, und den im Lande herrschenden Frieden in Gefahr stellen würde. In den dreißig Jahren des Befreiungskrieges um Namibia gab es Grausamkeiten auf beiden Seiten und viele unschuldige Menschen sind "unter den Rädern der Geschichte zu Schaden gekommen". Nujoma wiederholt diesen Standpunkt auf seiner Rede zu den Unabhängigkeitsfeiern am 21.03., wo er indirekt unschuldige Opfer, die unter der SWAPO gelitten hätten, um Verzeihung bittet. Hier muss man wissen, dass bis zum heutigen Zeitpunkt (Februar 2003) es nicht bekannt ist, wer für Südafrika spionierte und wer nicht und dass vor 1994 der südafrikanische Geheimdienst zu den fähigsten auf der Welt gehörte, der alles versuchte, in die Reihen des "Erzfeindes SWAPO" einzudringen. Nujomas Appell beeinflusst den CCN, sich von der geplanten Konferenz zurückzuziehen.
07./08.03. Präsident Sam Nujoma besucht Angola.
14.03. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, hindert ein russisch registriertes Antonov-12-Flugzeug, das von Ters Ehlers, dem letzten Privatsekretär des ehemaligen südafrikanischen Premierministers, P.W. Botha, betrieben wird, daran, seine Operationen nach Angola fortzusetzen. Die namibischen Behörden halten das Flugzeug auf dem Grootfonteiner Flughafen fest, da es illegale Fracht ohne Lizenz der namibischen Regierung an Bord hat. Ehlers wird Dierks vom General-Rechnungsprüfer, Fanuel Tjingaete, und dem Mitglied der National-Versammlung,, Moses Katjiuongua, vorgestellt, die vorgeben, dass Ehlers humanitäre Hilfe nach Angola bringen wolle, was sich später als unwahr herausstellt.
Dierks kündigt den Bau eines neuen Regierungs-Büroparks in Windhoek für dem Monat Juni an. Er versichert der National-Versammlung, dass der Ausschreibungsprozess für das Projekt offen, transparent und sauber sein würde. Der Bau des 250-Millionenkomplexes basiert auf wirtschaftlichen Argumenten, da es günstiger für die Regierung sei, in eigene Liegenschaften zu investieren, als ständig steigende Mieten für die verschiedenen Ministerien zu zahlen.
20.03. Die Fertigstellung der Trans-Kalahari-Fernstraßeverzögert sich durch bürokratische Hindernisse und fehlende Finanzmittel in Botswana um mehr als ein Jahr. Dierks erklärt, dass das neue Fertigstellungsdatum nun auf Februar 1998 geschätzt würde. Der namibische Teil der Straße sei jedoch zu 95% vollendet.
29.03. Die Gesetzesreform zur Gleichstellung der Frauen durch die Married Persons Equality Bill wird vom National-Rat nicht angenommen, bekommt dann aber, nach Zurückweisung an die National-Versammlung, am 03.04. Gesetzeskraft.
30.03. Die National Society for Human Rights (NSFHR) und die Druckgruppe "Breaking the Wall of Silence" organisieren die angekündigte Konferenz, die sich mit dem Schicksal von Häftlingen in SWAPO-Lagern in Angola beschäftigen soll. Es wird das Buch von Siegfried Groth (Namibia: The Wall of Silence) vorgestellt.
Ende März Das Kabinett kündigt an, dass traditionelle Gruppenführer sich entscheiden müssten, ob sie ein demokratisches, politisches Amt ausüben oder ihre traditionelle Rolle weiterspielen wollten.
April Die Regierung genehmigt die Gehaltsempfehlungen der Anfang 1995 geschaffenen Lohn- und Gehaltskommission (WASCOM). Die Gehälter für Mitglieder des Parlamentes werden mehr als verdoppelt. Höhere Beamte bekommen Gehaltserhöhungen bis zu 66%.
UNICEF stellt in einem Bericht fest, dass fast 50% der namibischen Bevölkerung als arm oder sehr arm eingestuft werden muss.
03.04. Präsident Nujoma kündigt seine erste Kabinettsumbildung während seiner zweiten Amtszeit an: Der Minister und Vize-Minister für Jugend und Sport, Pendukeni Iivula Ithana und Martin Kapewasha werden in das Ministerium für Land, Umsiedlung und Rehabilitation versetzt. Minister Richard Kapelwa-Kabajani und Vize-Minister Timothy Hadino Hishongwa übernehmen das Ministerium für Jugend und Sport.
24./26.04 Die Traditional Leaders Conference, die die Beziehungen zwischen der demokratischen namibischen Regierung und traditionellen Gruppenführern regeln soll, findet in Windhoek statt.
29.04. TransNamibs Vorstandsvorsitzender, Francois Uys, wird vom Aufsichtsrat entlassen. Der Staatssekretär im Ministerium für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Peingeondjabi Shipoh, wird sein Nachfolger. Der nationale Vorsitzende der Gewerkschaft Namibian Transport and Allied Workers Union (NATAU), A. Onesmus, begrüßt den Weggang von Uys.
07.05. Die Gesetzesvorlage, die Powers, Privileges and Immunities Bill, wird von beiden Häusern des Parlamentes angenommen.
Um Entwicklungshilfe effizient und effektiv zu koordinieren, genehmigt das Kabinett eine Planungsstudie für eine Development Aid Management and Co-ordination Policy for Namibia, die von der United States Agency for International Development (USAID) finanziert wird.
09.05. Das Parlament verabschiedet die Export Processing Zone (EPZ) Amendment Bill. Das Gesetz verbessert das Investitionsklima durch die Einschränkung des verfassungsmäßigen Streikrechtes in der EPZ.
Das Aktienkapital der Offshore Development Company (ODC) steigt während des Jahres von N$ 2 Millionen auf N$ 20 Millionen.
Vierzehn EPZ-Gesellschaften haben bis jetzt EPZ-Status erhalten, sechs sollen bis Ende des Jahres die Produktion aufnehmen.
15./16.05. Präsident Sam Nujoma besucht Südafrika. Er unterzeichnet zusammen mit Präsident Nelson Mandela ein Abkommen über die Abschreibung der kolonialen Schulden.
18./20.05. Der Präsident der Volksrepublik China, Jiang Zemin, besucht Namibia.
25.05. Hompa Frans Haingura Muronga wird im Mbunzagebiet in Kapako im Kavango eingeschworen.
Juni Damara-Gruppenführer Justus 5Garoëb von der UDF legt seine Mitgliedschaft in der National-Versammlung nieder und kehrt als Damara-Gruppenführr nach Okombahe zurück.
21./26.06. Sam Nujoma besucht mit einer großen namibischen Delegation die Bundesrepublik Deutschland und Frankreich.
28.06. Präsident Nujoma nimmt an dem Gipfel der Staatsoberhäupter der Southern African Development Community (SADC) in Botswana teil.
Jahresmitte Der von der UNDP vorgelegte Bericht menschlicher Entwicklung für Namibia (Human Development Report) unterstreicht die extremen internen sozialen Disparitäten. Während das Land aufgrund des durchschnittlichen Pro-Kopfeinkommens auf Rang 79 von insgesamt 174 Ländern landet, rangiert es in Hinblick auf den Human Development Index nur auf Platz 116 der Weltskala.
05./07.07. Sam Nujoma vertritt Namibia auf dem Gipfeltreffen der African Development Bank (ADB) in Gabun, von wo er nach Kamerun weiterreist, um der Gipfelkonferenz der OAU beizuwohnen (08./09.07.).
27.07./01.08. Präsident Nujoma besucht Malaysia.
02.08. Um den Kontinent von Afrika an den weltweiten Entwicklungen auf dem Informations- und Telekommunikationssektor teilnehmen zu lassen, wird die Gesellschaft Telecom Africa International Corporation gegründet. Präsident der Gesellschaft ist Joseph O. Okpaku. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, ist eines der Gründungsmitglieder. Das ehrgeizige Projekt wird von der Organisation for African Unity (OAU), den Vereinten Nationen (UNDP) und der USA-Regierung unterstützt. Im Weißen Haus in Washington wird ein Abkommen zur Unterstützung von Telecom Africa International Corporation zwischen dem Direktor des USA-Nationalen Sicherheitsrates, McArthur De Shazer, und Dierks unterzeichnet. Das Ziel dieser Initiative ist es, Telekommunikations-Ausrüstung in Afrika herzustellen, Telekommunikationsnormen zu vereinheitlichen und die Entwicklung eines modernen Telekommunikationssystems auf dem Kontinent zu beschleunigen. Telecom Africa soll der Anstoßmotor dieser Entwicklungs-Initiative sein.
03.08. Die Otjikaoko Traditional Authority wählt ihren neuen Gruppenführer, Ombara Paulus U. Tjavara, gefolgt vom Vita Royal House, welches Ombara Kapuka John Thom als ihren traditionellen Führer anstellt (29.08.).
10.08. Die Bau-Inspektion für das Straßen-Rehabilitierungsprojekt für die Fernstraße von Otavi nach Otjiwarongo findet statt. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, spielte eine Schlüsselrolle in der Realisierung dieses Projektes.
19.08. Nach dem Tode von Subiya-Führer M. Moraliswani wird Munitenge (traditioneller Subiya-Titel) Maiba Kisco Liswani III in Bukalo vereidigt.
21./22.08. Der Präsident Tanzanias, Benjamin Mpaka, besucht Namibia.
22.08. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, erklärt, dass er mit der Europäischen Union übereingekommen sei, dass die EU den Ausbau der beiden Häfen Walvisbucht und Lüderitzbucht mit N$ 120 Millionen finanzieren wolle.
22.08./08.10. Ein Streik der Minenarbeiter bricht bei der Tsumeb Corporation Limited (TCL) in Tsumeb aus. Der Streik, 45 Tage lang, repräsentiert den härtesten Arbeitskampf seit der Unabhängigkeit. Er wird nicht nur durch Lohnforderungen und andere Beschwerden der Arbeitnehmer, sondern auch durch die harte und kompromisslose Haltung der TCL-Geschäftsführung, verursacht. Die Regierung interveniert am 08.10. Ein Lohnkompromiss von 10,5% wird erreicht. Der Streik führt zu täglichen Verlusten von einer Million Namibia-Dollar. Fünfhundert Arbeiter verlieren ihre Beschäftigung. Am Ende trägt der Streik zur Schließung der TCL-Minen und der Schmelzerei in Tsumeb im Jahre 1998 bei.
23./24.08. Nujoma nimmt an dem Gipfel der Staatsoberhäupter der Southern African Development Community (SADC) in Lesotho teil.
26.08. Der dreißigste Jahrestag der Schlacht von Omugulu-gOmbashe wird an der Stelle begangen, wo SWAPO den bewaffneten Kampf gegen Südafrika begann. Bei dieser Gelegenheit stellt Präsident Nujoma eine Liste der Toten und Vermissten des Befreiungskampfes vor. Die Feierlichkeiten an dem mitten in der Wildnis gelegenen Gefechtsfeldes in der Omusati- Region wird von Mitgliedern des namibischen Kabinetts, ausländischen Würdenträgern und Tausenden von Namibiern beigewohnt. Da es keine befahrbare Straße zu der Gedenkstelle gibt, erteilt der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, Instruktionen, eine solche Straße zu bauen, obwohl eine solche Straße nicht genehmigt ist (einige Wochen später wird die Straße als Distrikt-Straße 3633 von Tsandi nach Omugulu-gOmbashe (21,6 km) proklamiert). Die Oppositions-Parteien ignorieren schweigend eine solche Ungesetzlichkeit, nur der Premier-Minister, Hage Geingob, kritisiert den Vize-Minister.
02./04.09. Der Premier-Minister Geingob besucht Angola.
10.09. Jeremiah Jagger wird als Gruppenführer der Orlam Afrikaner (|Hoa/Aran/ |Aixa Haes) in Windhoek eingesetzt.
12.09. Präsident Nujoma kündigt seine zweite Kabinettsumbildung während seiner zweiten Amtszeit an. Er wechselt den Finanz-Minister, Helmut Angula, mit seinem Kollegen vom Landwirtschafts-Ministerium, Nangolo Mbumba, aus. Der bisherige Minister für Gesundheit und Soziale Dienste, Nicky Iyambo, wird Minister für Regionale und Städtische Regierung und Sozialen Wohnungsbau und tauscht mit der bisherigen Gesundheits-Ministerin Libertine Amathila. Die Vize-Ministerin für Auswärtiges, Netumbo Nandi Ndaitwah, wird Generaldirektorin für Frauenangelegenheiten (im Rang eines Ministers) innerhalb des Büros des Präsidenten. Verursacht durch den kürzlichen Tod des Ombudsmanns, Jariretundu Kozonguizi, gibt Nujoma die Besetzung dieses Postens durch seinen eigenen Kandidaten bekannt (Ephraim Kasuto). Dieses Vorgehen ist nicht verfassungskonform, da die Anstellung des Ombudsmanns durch die Judicial Service Commission zu erfolgen hat. Ende des Jahres (18.12.1996) wird die ungesetzliche Maßnahme stillschweigend durch die Anstellung von Bience Gawanas als Ombudsfrau korrigiert.
15./16.09. Präsident Sam Nujoma wohnt der Welt-Solar-Konferenz in Harare bei.
17.09. Loide Kasingo wird neue Vize-Ministerin für Regionale und Städtische Regierung und Wohnungsbau und ersetzt Ben Ulenga, der namibischer Botschafter in London wird.
27.09. Der Richter Theo Frank am Obergericht in Windhoek gibt sein Urteil in der Gerichtssache, die aus einer Anzeige im Windhoek Observer (17.08.1994), in der der siebte Todestag am 17.08.1987 von Rudolf Hess, Stellvertreter Adolf Hitlers, verherrlicht wurde, resultierte, bekannt. Das Urteil besagt, dass der Racial Discrimination Prohibition Act (Act No 26 of 1991), auf dem die Anklage beruht, streitig mit der namibischen Verfassung sei (Recht auf freie Meinungsäußerung). Viele Namibier sind mit dem Urteil unzufrieden, aber der "Hess-Prozess" hat eine Folge, dass es bis zum heutigen Tage (Februar 2003) nicht mehr zu solchen Verlautbarungen gekommen ist.
30.09. Der Außenminister, Theo-Ben Gurirab, appelliert an die UNO Vollversammlung, Namibia, wegen der bestehenden extremen Ungleichheiten in den Einkommensgruppen, den permanenten Status eines Least Developed Country (LDC) zuzugestehen. Gurirab begrüßt den Kompromiss der Vollversammlung, in der UNO AV Resolution 48/204,  Namibia für drei Jahre den Status eines "als ob" Landes zu gewähren.
Um die Ungleichheiten in Einkommen zu messen, wurde der Gini-Koeffizient, der von Null (völlige Gleichheit) bis Eins (völlige Ungleichheit) reicht, entwickelt. Länder mit einem Gini-Koeffizient von zwischen 0,2 und 0,35 haben eine relativ gleichförmige Einkommensverteilung. Das namibische Zentrale Statistikbüro berechnet für das Jahr 1996 einen Gini-Koeffizienten von 0,701, der eine extrem hohe Ungleichheit der Einkommensverhältnisse ausweist.
01.10. Nujoma besucht Angola.
Lokale Zeitungen berichten, dass die Regierung ohne öffentliche Ausschreibung für N$ 142 Millionen Fahrzeuge bei General Motors (Barden International) in den USA bestellt hätten. Das Ministerium für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen ist bei dem Ankauf nicht betroffen. Der verantwortliche Minister, Plichta, und der Vize-Minister, Dierks, sind darüber nicht informiert worden.
10.10. Dierks macht bekannt, dass die Ausschreibung für den Bau eines neuen Regierungs-Büroparks in Windhoek von der Baufirma Stocks & Stocks Namibia für einen Preis von N$ 235 Millionen gewonnen wurde. Das sei N$ 91 Millionen billiger als das nächst beste Angebot.
13.10. Dierks kündigt nichtrückzahlbare Entwicklungshilfe der deutschen Regierung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für vier Straßenbauprojekte im Werte von N$ 30 Millionen in den Oshikoto- und Oshana Regionen an. Die Unterhandlungen für die Finanzierung dieser Projekte begann kurz nach der Unabhängigkeit. Die Verhandlungen wurden dadurch erschwert, dass einige Beamte auf der deutschen Seite für Straßenbauprojekte dieser Art nur Kredite gewähren wollten und keinsfalls nichtrückzahlbare Entwicklungshilfe. Dierks überzeugte jedoch den deutschen Minister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklungshilfe, Karl-Dieter Spranger, die Entwicklungshilfe wegen des sozialen Charakters dieser Straßen zu gewähren. Diese Straßen sollen mit arbeitsintensiven Methoden gebaut werden, um so die Arbeitslosigkeit im Norden Namibias zu bekämpfen. Informelle Bauunternehmer sollen für diese Bauart ausgebildet werden. Die vier Straßen führen von Onethindi nach Oshigambo, von Oluno nach Uukwiyu, von Oshakati nach Ompundja und von Onethindi nach Olukonda.

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Distrikt-Straße 3605: Ende der Asphlatstraße bei Oluno nach Uukwiyu: Blick nach Nordosten
Copyright of Photo: Dr. Klaus Dierks

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Distrikt-Straße 3636: Von der Hauptstraße 92 (Nordwestlich von Ondangwa) bis zum Ende (Onakamwandi): Arbeitsintensiver Straßenbau: Arbeit pro Aufgabe: 4 m³ pro Aufgabe für etwa US$ 2,20 pro Aufgabe: Bis zu vier Aufgaben können pro Tag bewältigt werden: Arbeitsintensive Baumethoden wurden bei Namibias Unabhängigkeit vom Autor dieser Chronologie eingeführt, gegen den Widerstand vieler konservativer südafrikanisch ausgebildeter Ingenieure: Nach vielen Jahren der Versuche und Forschung auf diesem Gebiet ist heute Namibia ein weltweit angesehener Führer auf diesem Gebiet: Das Projekt wird von der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau finanziert
Copyright of Photos: M Engelien

Mitte Oktober Namibia ist Gastland für ein Gipfeltreffen zwischen der Southern African Development Community (SADC) und der Europäischen Union (EU). Der deutsche Außenminister, Klaus Kinkel, versichert, dass ein geplantes Freihandelsabkommen zwischen der EU und Südafrika nicht den Interessen der SADC-Länder zuwiderlaufen würde.
15.10. Es kommt zu einem Abkommen zwischen Namibia und Botswana über die Nutzung des Wassers aus dem Okavangofluss. Die Entnahme von Wasser bedarf einer vorherigen Konsultation und Zustimmung zwischen den beiden Ländern.
21./26.10. Nujoma besucht die Volksrepublik China. Danach reist er weiter nach Japan (27./30.10.) und nach Singapur (01./04.11.).
13./16.11. Präsident Nujoma nimmt am Welternährungstreffen der UN Food and Agricultural Organisation (FAO) in Rom teil. Nujoma appelliert an die Vereinten Nationen, Namibia wegen der bestehenden extremen Ungleichheiten in den Einkommensgruppen, den permanenten Status eines Least Developed Country (LDC) zuzugestehen.
20.11. Die erneute Dürrekatastrophe zwingt den Minister für Finanzen, Nangolo Mbumba, einen Finanz-Nachhaushalt für das Jahr 1996/97 vorzulegen. Die Dürresubventionen erfordern einen zusätzlichen Haushalt von N$ 150 Millionen. Die Namibian Economic Policy Research Unit (NEPRU) wird von der Regierung angestellt, die Dürrehilfe zu verteilen. Der Nachtragshaushalt 1996/97 benötigt auch zusätzliche Mittel von N$ 100 Millionen für Gehaltserhöhungen für Beamte nach den Empfehlungen der Lohn- und Gehaltskommission (WASCOM). Weitere N$ 65 Millionen sind aufgrund des schlechten Wechselkurses des Namibia-Dollar gegenüber harten Währungen erforderlich. Der Nachtragshaushalt bringt das geschätzte Defizit von 4% auf 4,9% des BIP.
26.11. Der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, warnt davor, dass, verursacht durch Jahrzehnte von unzureichender Unterhaltsfinanzierung, Namibias Straßensystem und seine Benutzer vor dem Problem ständen, gewaltige Summen für Rehabilitierungsprojekte aufbringen zu müssen oder einen Teil des in Afrika einmaligen Straßensystems zu verlieren. Die einzige Lösung sei, wirtschaftlich und ingenieursmäßig optimierte Straßenunterhalts-Managementsysteme, die auf intensiver Forschung beruhen, zu schaffen. Aus diesem Grunde kommt es zwischen dem Ministerium für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen und der Technischen Universität Berlin (Siegfried Huschek) zu einem gemeinsamen Forschungsvorhaben, das von der Carl Duisberg Gesellschaft (CDG) in Köln finanziert wird.
Ende November Ignatius Shixwameni wird neuer Vize-Minister für Information und Rundfunkwesen.
Anfang Dezember Sam Nujoma greift während seiner Rede vor dem Kongress des SWAPO-Frauenrates Homosexuelle an. Während die Rede in der westlichen Welt weitgehend verurteilt wird, unterstützen die meisten Namibier den Präsidenten.
04.12. Das kontroverse Abkommen zum Kauf von 800 Fahrzeugen für die Regierungs-Garage von General Motors in den USA (Barden International) wird vom Außenminister, Theo-Ben Gurirab, und Don H. Barden aus Detroit, Michigan, in den USA, unterzeichnet. Das Ministerium für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikation ist bei dem Ankauf nicht betroffen.
13.12. Der Bürgermeister von Windhoek, Matthew Shikongo, gibt bekannt, dass die Hauptstädte Berlin und Windhoek beschlossen hätten, eine Städtepartnerschaft einzugehen. Der Berliner Staatssekretär, Volker Kähne und der Vize-Minister für Öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikationen, Klaus Dierks, sind instrumental in der Entstehung dieser historischen Partnerschaft.
18.12. Die Judicial Service Commission stellt Bience Gawanas als Ombudsfrau an. Gleichzeitig gibt die Regierung die Anstellung von Tom Alweendo als Gouverneur der Bank von Namibia bekannt. Alweendo ist der erste Namibier in dieser Position und wird Nachfolger des Malaysiers, Jaafar Ahmad.
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[Inhaltsverzeichnis]

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