TREKKING EXTREM - ÜBERLEBENSHILFE FÜR DEN HIMALAYA

Klaus Dierks
©  Dr. Klaus Dierks 1982-2004

 

Angaben nach bestem
Wissen, aber ohne Gewähr
- Stand: Anfang 1990, wenn nicht anders vermeldet

 

TREKKING EXTREM - WAS IST DAS?

 

Wenn man die umfangreiche Literatur über den Himalaya durchgeht, sowie die unzähligen Prospekte, die Reisen oder sogar Expeditionen in den Himalaya anbieten, fällt es auf, daß immer nur von zwei Tourengattungen die Rede ist.

Auf der einen Seite gibt es die Großexpeditionen, die etwa in den fünfziger und frühen sechziger Jahren zumeist über die einfachsten Routen alle Achttausender Gipfel im Himalaya und Karakorum zum Ziel hatten. Erst später wandte man sich den zahllosen Sieben- und Sechstausendern, den großen Wänden, schwierigen Routen und Gratübersteigungen zu. Die Groß-Expedition ist - was bergsteigerisches Können und finanzielle Möglichkeiten angeht - dem normalen Bergfreund, den es in den Himalaya zieht, verschlossen. Auch die später entstandene Klein-Expedition im Westalpenstil erfordert, auch ohne Ketten von Hochlagern, ohne Scharen von Trägern, die gewaltige Ausrüstungsmengen in eben diese Hochlager schleppen müssen, und ohne Kilometer von Fixseilen, immer noch Voraussetzungen, die für die "kleinen" Leute unter den Bergsteigern außer finanzieller Reichweite sind. Man darf nicht vergessen, daß fünfzigtausend amerikanische Dollar in diesem Zusammenhang als kleiner Betrag gelten. So kostete beispielsweise die " Mini-Expedition" des Österreichischen Alpenvereins zum Mount Everest 1978 nur 250 000 US-Dollar, was stolz als bescheidene Summe bezeichnet wurde.

Außerdem fordern die jeweiligen Himalayaländer so hohe Besteigungsgebühren für ihre hohen Berge, daß sie schon aus diesem Grunde für den Normalverbraucher nicht in Frage kommen.

Expeditionen zu Sieben- und, seit den späten achtziger Jahren, sogar zu Achttausendern, können inzwischen bereits in einigen spezialisierten Reisebüros in Europa und Nordamerika gebucht werden. Aber auch bei einer solchen Expedition muß jedes gebuchte Mitglied mehr als zehntausend US-Dollar aufbringen. Abgesehen davon, kann man einen Himalayagipfel allerdings nicht "kaufen". Man muß vor allem Können, Kondition, Erfahrung und gewisse charakterliche Eigenschaften mitbringen ... mit Geld allein läßt sich kein Berg bezwingen.

Auf der anderen Seite des Bergsteigerspektrums gibt es das "Trekking", wie das Bergwandern im abenteuerlichen Stil, zum Teil mit Trägern, in außereuropäischen Ländern seit etwa fünfundzwanzig Jahren genannt wird. Trekkingtouren werden in zahllosen Varianten und verschiedenen Schwierigkeitsgraden von Reiseveranstaltern in aller Welt angeboten. Wer etwas Unternehmungsgeist und Reiseerfahrung in asiatischen, afrikanischen oder südamerikanischen Ländern hat, kann seine Tour auch ohne allzu große Schwierigkeiten selbst organisieren und dabei eine Menge Geld sparen und seine Erlebnisse maximieren. Der klassische Treck in das Everest Basislager wird von Reisebüros in Europa, Amerika, Südafrika und auch Nepal für etwa achtzig bis hundertfünfzig US-Dollar am Tag (alles inklusive) angeboten. Solche Trecks sind zwar sorgenfrei, aber man bezahlt teuer für das Privileg, sich um nichts kümmern zu müssen.

Ohne die Hilfe eines Reisebüros ist es ohne weiteres möglich, einen solchen Treck für etwa ein Drittel dieser Summe zu organisieren.

Was Ausrüstung und bergsteigerisches Können angeht, kann eine Trekkingtour von jeder gesunden und trainierten Person unternommen werden, die es liebt, weite Strecken zu Fuß zurückzulegen und dabei längere Zeit auf jeglichen Komfort zu verzichten. Wer glaubt, ohne seine tägliche Dusche nicht auskommen zu können, sollte sich doch lieber in gemäßigten Wanderzonen bewegen. Trekkingtouren führen auf zum Teil haarsträubenden Pfaden, die nicht mit den angelegten, gepflegten Wanderwegen in europäischen Gebirgen verwechselt werden dürfen; über Pässe, die höher sind als der Mont Blanc. Und es gibt bis jetzt kaum eine touristische Infrastruktur wie Hotels, Gasthäuser oder auch nur Berghütten im europäischen Sinne. Wer im Himalaya höher hinaus will und vielleicht wirklich einmal auf einem "leichteren" Sechstausender stehen will, muß diesen Trekkingrahmen sprengen und etwas versuchen, was man als "Trekking mit Expeditionscharakter" oder " Trekking Extrem" bezeichnen könnte.

"Trekking Extrem" ist in bergsteigerischer, finanzieller und ausrüstungsmäßiger Hinsicht ein Kompromiß zwischen einer echten Expedition und einer Trekkingtour. Dieser Kompromiß führt den Trekker von den vielbegangenen Karawanenwegen in den Tälern auf die Gipfel, und man kann auch schon einmal von den "Wegen auf der Landkarte heruntermarschieren" und das erleben, was die frühen Himalaya Expeditionen erlebt haben.

Eine solche Trekking- Expedition liegt in der Reichweite eines jeden gesunden, durchtrainierten Bergsteigers, der bereit ist, sich bis an seine oder ihre körperlichen Grenzen zu beanspruchen, und der den Mut hat, etwas zu unternehmen, was nur wenigen vergönnt ist und wovon viele träumen, ohne es jemals zu verwirklichen.

 

VORBEREITUNGEN ZU HAUSE

 

Eine jede Expedition stellt höchste körperliche und seelische Anforderungen an den Teilnehmer. Diesen Anforderungen kann man nur gerecht werden, wenn man schon lange vor der Expedition die Voraussetzungen dazu schafft, alles das durchzustehen, was unweigerlich kommt. In großen Höhen braucht man zum Bergsteigen eine ungeheure Willenskraft, da schon ohne jegliche körperliche Anstrengung das bloße Atmen und Leben in der Todeszone über 6 000 Meter zur Qual wird. Das dichte Energiefeld, das die nötige Zähigkeit dafür liefern muß, darf während der Expedition nicht gelähmt werden. Die körperliche und geistige Vorbereitung dient der lebenswichtigen Notwendigkeit, sich in Grenz-Situationen im Himalaya bewähren zu können.

Wer eine Expedition in den Himalaya plant, sollte nicht erst einige Monate vor Expeditionsbeginn mit einem Ausdauertraining anfangen, sondern sich selbst dazu motivieren, es auch den Rest seines Lebens durchzuhalten. Als wichtiges Nebenprodukt fällt nämlich eine stark verminderte Herzinfarktgefahr und ein Hinausschieben des Alterns um viele Jahre ab.

Ausdauertraining ist die beste Methode, sich auf große Höhen vorzubereiten. Als erste Voraussetzung für ein gut dosiertes Training sollte das individuelle Idealgewicht so weit wie möglich erreicht werden. Jedes zusätzliche Kilogramm verbraucht unnötige Energie beim Steigen und damit den lebensnotwendigen Sauerstoff, der über 5 000 Meter dramatisch abnimmt. Auf Himalayaexpeditionen sind es nicht so sehr die klettertechnischen Probleme, sondern es ist die große Höhe, die die Leistungsfähigkeit bis an die Grenzen beansprucht. Deswegen sollte das Ausdauertraining darauf ausgerichtet sein, Herz, Lunge und Beine - im besonderen Maße auch die Knie - und nicht so sehr den Oberkörper zu trainieren. Eine trainierte Lunge ist in der Lage, mehr Sauerstoff aufzunehmen. Der trainierte Mensch nimmt für eine bestimmte Tätigkeit mehr als doppelt so viel Sauerstoff auf wie der untrainierte. Der Körper braucht diesen zusätzlichen Sauerstoff, um mehr Energie erzeugen zu können. Vor dem Fernseher verbraucht der Mensch etwa sieben Liter Atemluft pro Zeiteinheit, bei mäßigem Ausdauertraining dagegen vierzig Liter. Genauso wichtig ist es, daß das Pumpvermögen des Herzens erhöht wird. Durch Ausdauertraining wird die Pumpleistung des Herzens gesteigert, und das Herz schlägt viel langsamer als bei untrainierten Leuten. Außerdem wird die Muskelstärke, die Muskelflexibilität und die Muskelausdauer erhöht.

Wichtig ist das ständige, regelmäßige Training an jedem Tag. Man sollte niemals der Versuchung erliegen, einmal einen Tag die Übungen zu überschlagen. Man muß gerade eine Sucht nach körperlicher Betätigung aufbauen, die das Wohlbefinden ungemein steigert. Ohne die täglichen Übungen muß man sich unwohl und gereizt fühlen. Man sollte jeden Tag einmal kräftig schwitzen, denn schwitzen ist gesund. Die ausgeschwitzte Flüssigkeit ist das Kühlwasser des Körpers und beseitigt außerdem Abfallprodukte und Schadstoffe.

Wenn man ein Ausdauertraining nicht ständig betreibt, dann sollte man wenigstens ein halbes Jahr vor Expeditionsbeginn damit anfangen. Wer vom Schreibtisch aufsteht und untrainiert zu einer Himalaya-Expedition aufbrechen will, spielt mit seinem Leben. Der Anmarsch durch die Vorberge in den eigentlichen Hoch-Himalaya verschafft alleine kein ausreichendes Training.

Ausdauer läßt sich am besten durch Laufen, Schwimmen und Bergsteigen trainieren. Sehr empfehlenswert sind außerdem regelmäßige gymnastische Fitneßübungen, wie etwa die Übungen der "Kanadischen Luftwaffe" (5 BX 11 für Männer und X BX 12 für Frauen) und andere entsprechende Programme. Der regelmäßige Besuch eines professionellen Sport- und Fitneßzentrums ist sehr anzuraten.

Folgende Punkte sind beim Ausdauertraining zu beachten:

1. Untrainierte und ältere Personen sollten vor Aufnahme der Übungen einen Arzt konsultieren, um festzustellen, ob Herz- oder Lungenprobleme vorliegen.

2. Es sollte kein nennenswertes Übergewicht vorliegen.

3. Man sollte mit mäßigem Tempo beginnen und sich langsam und systematisch steigern.

4. Man sollte bei den Übungen bewußt tief und regelmäßig atmen.

5. Regelmäßigkeit ist wichtig, Überanstrengung sollte vermieden werden.

6. Man sollte nicht mit vollem Magen trainieren.

7. Man sollte die Übungen nicht abrupt beenden, sondern sie langsam ausklingen lassen. Nach dem Training sollte man sich warm halten.

8. Naßgeschwitzte Kleidung sollte nach dem Training gewechselt werden.

9. Nach dem Training sollte man kalt duschen oder schwimmen. Die Abhär tung gegen die große Kälte, die man auf einer Himalaya-Expedition erwarten kann, wird gesteigert, wenn man das ganze Jahr hindurch in einem ungeheizten, umweltfreundlichen Schwimmbad schwimmt. Dieses sehr lobenswerte Abhärtungsprinzip ist in der Praxis wahrscheinlich nur im südlichen Afrika oder ähnlichen warmen Ländern durchzuhalten. Ich muß auch leider zugeben, daß mit steigendem Alter das Abhärtungskontinuum abnimmt.

10. Beim Dauerlauf sollte das Tempo stets so gewählt werden, daß man sich beim Laufen gerade noch unterhalten kann. Dadurch entsteht das ideale Sauerstoffgleichgewicht, und in diesem Zustand kann man stundenlang laufen. Der Trainingsanzug sollte nicht modisch, dafür aber zweckmäßig sein. Er sollte je nach klimatischen Umständen warmhalten, muß aber gleichzeitig luftdurchlässig und atmungsaktiv sein. Man muß dafür sorgen, daß man nicht mit kalten Muskeln trainiert, die weniger leistungsfähig sind und auch leichter gezerrt werden können. Auf gute und bequeme Laufschuhe muß geachtet werden.

Essen und trinken sind nicht nur während der Expedition, sondern auch in der Vorbereitungsphase wichtig. Man sollte seine normalen Eßgewohnheiten beibehalten, wobei auch hier "Mäßigkeit" ein wichtiger Grundsatz sein sollte. Fleisch sollte in der Vorbereitungszeit auf Kosten von Obst und Gemüse langsam reduziert werden. Ein Obsttag pro Woche hilft der Entschlackung des Körpers. In mäßigen Mengen sind alkoholische Getränke unbedenklich.

Über Rauchen braucht in diesem Zusammenhang eigentlich überhaupt nicht gesprochen zu werden. Rauchen und Bergsteigen im Himalaya sind nicht miteinander zu vereinbaren.

Ein normales, gesundes Leben mit viel Schlaf, Ausdauertraining und genügend Abhärtung ist die beste körperliche Vorbereitung auf den Himalaya.

Da sich eine Himalaya-Expedition auch in geistigen Bereichen abspielt, darf die geistige Vorbereitung nicht außer acht gelassen werden. Diese Vorbereitung gehört in den langen Monaten vor dem Aufbruch in das große Abenteuer zu den genußvollsten und lohnendsten Aspekten einer Trekking-Expedition.

Über den Himalaya gibt es eine äußerst umfangreiche Literatur, in die man sich hineinarbeiten sollte. Was man nicht selbst an Büchern besitzt, kann aus öffentlichen Bibliotheken ausgeliehen werden. Man sollte nicht nur Expeditionsberichte lesen, sondern sich auch mit der bunten Vielfalt der Religionen, den verschiedenen Völkern, mit der interessanten alten Geschichte, der Geographie, mit der Tier- und Pflanzenwelt und mit politischen und sozio-ökonomischen Problemen auf dem Dach der Welt befassen. Mit dem zunehmenden Wissen wächst die Sicherheit, sich in einer fremden Kulturwelt frei zu bewegen. Das alles dient auch dem Aufbau eines Energiefeldes, das man später so dringend braucht.

Jeder, der in den Himalaya gehen will, muß sich schon lange vorher über Route und Ziel im klaren sein. Man muß sich rechtzeitig darüber informieren, welche Gebiete für Trekkingtouren und Expeditionen geöffnet sind. Aus politischen, sozio-ökonomischen, aus Sicherheits- und Zugänglichkeitsgründen sind manche Gebiete im Himalaya und Kara korum immer noch geschlossen oder nur mit speziellen "Permits" zugänglich. Im Rahmen des zunehmenden Tourismus, auch in den Himalaya-Regionen, zeichnet sich jedoch eine Tendenz zur Öffnung von neuen Gebieten ab. Diese Tendenz hat sich verstärkt seit die Volksrepublik China das autonome Tibet 1980 für den Tourismus und die Expeditionsbergsteigerei geöffnet hat. Man kann aus der Öffnung oder der Schließung gewisser Gebiete interessante politische Schlüsse ziehen. Im Grunde erscheinen die Motive für Öffnung oder Schließung dem westlichen Beobachter genauso verworren und rätselhaft wie die Politik in so vielen Himalayaländern. Welche Gebiete zur Zeit geöffnet sind, kann man am besten und zuverlässigsten von einer Trekking-Agentur in Kathmandu erfahren.

Von einigen Himalayagebieten, wie etwa dem Everestgebiet, dem Sherpaland, den Annapurna- und Nanga Parbatgebieten sowie der Rakaposhi Gebirgskette im Karakorum, gibt es gute Landkarten, beispielsweise die ausgezeichneten Karten der Arbeitsgemeinschaft für vergleichende Hochgebirgsforschung und des deutschen Alpenvereins im Maßstab 1:50 000. Vom Karakorum gibt es vier Karten im Maßstab 1:200 000 ( Leomann Karten). Von anderen Gebieten gibt es nur sogenannte Trekkingkarten des "Survey of India" im Maßstab 1:132 000 bis 1:250 000, an deren Genauigkeit man keine allzu große Ansprüche stellen sollte.

Sobald man sich für eine Route und ein Ziel entschieden hat, gehört das Kartenstudium zur geistigen Vorbereitung. Die geplante Route sollte man mit allen Einzelheiten im Kopfe haben.

Die wenigsten Touristen die es in den Himalaya zieht, machen sich die Mühe, in jahrelangem Studium eine der Himalayasprachen zu lernen. Aber das Ergebnis lohnt sich. Beherrscht man, wenigstens teilweise, eine der einheimischen Sprachen, erschließen sich völlig neue geistige Zonen. Man betritt Bereiche, die dem durchschnittlichen, sprachunkundigen westlichen Expeditionsteilnehmer verschlossen bleiben. Sprachkenntnisse erleichtern immer vieles und können aus mißlichen Lagen heraus helfen. Man gewinnt bessere Kontakte zu den Bergvölkern des Himalaya und bekommt Einblicke in das Leben dieser interessanten, gastfreien und freundlichen Menschen auf dem Dach der Welt, über die man in keinem Buch lesen kann.

So wie man die nepalische Bevölkerung in zwei rassenmäßig völlig verschiedene Hauptgruppen, die indo-nepalische und die tibeto-nepalische, einteilen kann, lassen sich auch die Sprachen unterscheiden. Die beiden Hauptsprachen, die in Nepal gesprochen werden, sind das indo-arische Nepali, das Nepals Amtssprache ist und auf dem alt-indischen Sanskrit mit Devanagari-Buchstaben beruht, und die mongolische Sprache tibetisch, die eine völlig andere Struktur und Schrift besitzt. Es kann Wunder wirken und verfahrene Situationen entschärfen, wenn man wenigstens einige Wörter Nepali oder tibetisch kennt und somit zu verstehen gibt, daß man die Gastgeber respektiert. Ein "kleiner Wortschatz in Nepali und Tibetisch" befindet sich im Anhang dieses Buches.

 

AUSRÜSTUNG

 

Die Ausrüstung für eine Himalaya-Expedition ist von lebenserhaltender Wichtigkeit. Man sollte nicht an der Ausrüstung sparen, jedoch dem allgemeinen Grundsatz folgen, sie auf das Lebensnotwendige zu beschränken. Nur für das "Allernotwendigste", wie etwa ein weiteres Paar Steigeisen, ein zweites Seil oder eine zusätzliche Schneebrille, sollte wenigstens ein Ersatz vorhanden sein. Fast alles, was es an bergsteigerischer Ausrüstung gibt, kann man preiswert und in bester Qualität in den zahlreichen Ausrüstungsgeschäften in Kathmandu kaufen oder für eine kleine Gebühr ausleihen.

Die Ausrüstungsläden sind in Kathmandu hauptsächlich südlich des Basantpurplatzes an der Hanuman Dokha, dem Palastbezirk, und in Thamel zu finden. Jede große Expedition ist verpflichtet, ihre Sherpa-Führer und Hochträger völlig neu auszurüsten. Diese Ausrüstungsstücke landen dann, meistens noch nagelneu, in Kathmandus Ausrüstungsläden, da jeder nepalische Expeditionsteilnehmer im allgemeinen über seine eigene Ausrüstung verfügt. Theoretisch kann man sich in Kathmandu vollständig ausrüsten und dabei noch die Transportkosten sparen. Da "Geschenke" außerdem nichts kosten und die Nepali den wirklichen Wert von teurer bergsteigerischer Ausrüstung oft nicht kennen, kann man bei den Sherpa und Tibetern von Kathmandu die schönsten Ausrüstungsgegenstände zu relativ geringen Preisen erwerben (letzteres hat sich allerdings in den 90iger Jahren geändert). Es kann aber auch passieren, daß ein wichtiger Gegenstand gerade nirgends zu haben ist, was einen angesichts der Eisriesen am nördlichen Horizont in große Verlegenheit bringen kann. Bergschuhe sind meistens nur für die kleineren Sherpafüße bis Größe neun zu haben, aber es ist ohnehin ratsamer, sich mit eingelaufenen Bergschuhen in den Himalaya zu begeben.

Einige Worte der Vorsicht sind also bei den unten behandelten wichtigsten Ausrüstungsgegenständen angezeigt.

 

BERGSCHUHE

 

Richtige Bergschuhe spielen für den Bergsteiger eine Schlüsselrolle. Nur der "Gipfelstürmer" wird erfolgreich sein, der die, für unterschiedliche Situationen am besten geeigneten, Schuhe trägt. Wer im Himalaya ernsthaft bergsteigen will, sollte wenigstens zwei, vielleicht sogar drei Paar Schuhe dabei haben: einen schweren, steigeisenfesten Bergschuh - möglichst mit herausnehmbarem Innenschuh, einen bequemen Leichtbergschuh zum Laufen, und für den Extremkletterer noch einen leichten Rei bungskletterschuh. Für den steigeisenfesten Universalbergschuh zeichnet sich eine Tendenz von Vollrindnaturleder zum Kunststoff ab. Kunststoff ist zwar leichter in der Masse und auch leichter zu pflegen, fördert aber Schweißfüße und wird bei Kälte sehr steif und ist entsprechend schwer anzuziehen. Außerdem habe ich festgestellt, daß Kunststoffschuhe nicht die gleiche Dauerfestigkeit wie Lederschuhe haben. Deshalb ist der leichte Wanderschuh aus Leder bis auf die Extremrouten in großer Höhe und im Eis, wo der schwere Schuh zum Einsatz kommt, sehr empfehlenswert. Die Entwicklung der Kunststoffschuhe ist immer noch nicht abgeschlossen. Leder- sowie Kunststoffschuhe haben ihre Anhänger.

Spezialexpeditionsschuhe sind meist Dreifachschuhe mit einem herausnehmbaren Lederinnenschuh und einem zusätzlichen Filzinnenschuh. Nach meiner Erfahrung sind solche "Triplexschuhe" in Höhen unter 7 000 Meter nicht nötig. Leichtbergschuhe aus Velourleder sind wegen der Wasserdurchlässigkeit und der daraus resultierenden Erfrierungsgefahr nicht zu empfehlen.

Reine Synthetikstrümpfe, die nicht den Schweiß aufsaugen, sind abzulehnen. Am besten sind gewalkte Bergsteigerstrümpfe zu achtzig Prozent aus Wolle und Angora und zwanzig Prozent aus Polyamid. Diese Strümpfe sind warm, strapazierfähig und wasserabweisend. Um Blasen und Scheuerwunden an den Füßen zu vermeiden, sollte man unter den dicken Wollstrümpfen noch ein Paar Baumwollstrümpfe tragen. Die Bergschuhe müssen deshalb eine halbe bis eine Nummer größer sein als gewöhnlich.

Die folgenden Punkte sind bei der Schuhausrüstung zu beachten:

1. Probiere beim Kauf verschiedene Modelle und Größen.

2. Bevorzuge bekannte Markenmodelle. Dies gilt ganz besonders für die Sohlen (Vibram Montagna Sohle).

3. Nimm lieber zu große als zu kleine Schuhe.

4. Bringe die eigenen Strümpfe zum probieren mit.

5. Feuchte Schuhe sollten nie an einer direkten Hitzequelle getrocknet werden.

6. Bei Nichtgebrauch, und vor allem wenn sie naß sind, sollten Schuhe mit saugfestem Material wie Zeitungspapier ausgestopft oder auf einen Leisten gespannt werden.

7. Lederschuhe sollten mit normaler Schuhcreme oder einem Spezialspray, nicht mit Fetten oder Ölen behandelt werden.

8. Die möglichst doppelten Wollstrümpfe sollten fest und faltenfrei sein.

9. Die äußeren Strümpfe müssen bequem übers Knie reichen.

10. Unterziehsocken aus Seide sind ein zusätzlicher Schutz bei extremer Kälte.

Auch beste Qualitätsbergschuhe werden bei einer anspruchsvollen Expedition im Himalaya verschlissen. Daher ist es empfehlenswert, sich nach Abschluß einer Expedition billig mit einem neuen Paar für die nächste Tour einzudecken. Man kann dann die Schuhe bereits von Kathmandu nach Hause einlaufen und vermeidet so das Problem, beim nächsten Mal mit nicht eingelaufenen Schuhen im Himalaya zu erscheinen.

 

RUCKSÄCKE

 

Richtig organisiert, kann eine zweimonatige Trekking-Expedition billiger als ein dreiwöchiger Europa-Urlaub sein. Beim Trekking trägt man sein Hotel auf dem Rücken und gebraucht als Fortbewegungsmittel die eigenen Füße. Deshalb sind gute Schuhe und der richtige Rucksack so wichtig. Für eine Trekking-Expedition sollte ein Rucksack ein Fassungsvermögen von wenigstens fünfundsiebzig Liter haben, und er sollte genügend Außentaschen haben, damit man rasch an die vielen Kleinigkeiten herankommt, die man ständig braucht. Er sollte auch über genügend stabile, reißfeste Außenschnallen verfügen, um Seil, Eispickel und Steigeisen befestigen zu können. Außerdem sollte der Rucksack farbenfreudig sein, um in Notfällen als Signal zu dienen.

Es ist selbstverständlich, daß nur allerbeste, reißfeste und möglichst wasserdichte Materialqualität in Frage kommt. Der Rucksack sollte bei optimalem Fassungsvermögen möglichst leicht sein. Vollgepackt ist er leider immer noch schwer genug, und der Rucksack, der sich selbst trägt, muß erst noch erfunden werden. Um die Masse des Rucksacks zu vermindern, werden seit den siebziger Jahren als Außenmaterial deshalb keine reißfeste Baumwolle mehr, sondern leichtere, hochfeste, künstliche Materialien mit besten Eigenschaften benutzt. Baumwolle wird höchstens noch als Rückenstoff gebraucht, weil sie atmungsaktiver ist, den Schweiß besser aufnimmt und auch über eine bessere Haftreibung am Rücken verfügt.

Hundertprozentig wasserdichte Rucksäcke gibt es noch nicht. Die Nähte sind immer Problemstellen und können kaum einem stundenlangen Monsun regen widerstehen.

Der Rucksack sollte so konstruiert sein, daß er im äußersten Notfall als Biwaksack benutzt werden kann. Rucksäcke mit Packrahmen, die große Vorteile beim Tragen schwerer Lasten haben, werden für bergsteigerisch aktives Trekking nicht empfohlen. Der Rucksack sollte am Rücken mit dem Träger verschmelzen, um beim Klettern mehr Stabilität zu geben. Der Packrahmen ist für die Luftzirkulation am Rücken zwar günstiger, kann aber nicht die gleiche Stabilität wie die neue Rucksackgeneration mit im Rückenteil eingebautem superleichtem Tragsystem gewährleisten. Die neuen Rucksäcke sitzen wie fest verwachsen und der Anatomie angepasst am Rücken. Die Lasten werden optimal auf Hüften und Schultern verteilt. Gepolsterte Baumwollrücken mit herausnehmbarem Rückenbrett, weiche Hüfttragekissen, verstellbare und bequeme Gurttragriemen, individuell verstellbare Passformen, hochgezogene, strapazierfähige Nylondoppelböden oder Strapazierlederböden, von außen zugängliche Innenfächer, abnehmbare Außentaschen, abdichtende Klettverschlußleisten und schnell zu hantierende Blitzverschlüsse sollten eine Selbstverständlichkeit sein. Rucksack-Ex peditionsmodelle kosten ihren Preis, doch sollte hier nicht gespart werden.

Jeder Rucksack ist so gut wie die Packqualität seines Inhalts. Falsch gepackte Rucksäcke kosten unnötige Energie und verschlechtern die Kondition. Zur richtigen Packtechnik sind folgenden Punkte zu beachten:

1. Schwere Gegenstände sollten möglichst nahe am Rücken und möglichst hoch verstaut werden. Der Schwerpunkt des Rucksacks muß möglichst dicht am Rücken liegen. Leichte Gegenstände müssen daher in die rückenfernen Zone kommen. Der relativ platzsparende, dabei jedoch leichte Daunenschlafsack beispielsweise sollte ganz unten, möglichst weit weg vom Rücken, eingepackt werden.

2. Gegenstände, die unterwegs wiederholt gebraucht werden, gehören in die rasch zugänglichen Außentaschen.

3. Verschiedenfarbige Beutel mit Gummibandverschlüssen für die hunderterlei Gegenstände bringen Ordnung in das Rucksack-Chaos. Wer einmal bei Dunkelheit im Schneesturm etwas Wichtiges gesucht hat, weiß, wovon ich rede.

4. Überflüssiges zu Hause lassen ist der Schlüssel zum Erfolg. Es sollte mit jedem Gramm gegeizt werden, und es sollte eine Checkliste angelegt werden. Der Rucksack sollte zu Hause wiederholt gepackt, bei jedem neuen Packen sollte etwas ausgemustert werden. Man sollte sich drei Ausrüstungslisten anlegen: Die erste Liste enthält alle notwendigen Dinge, die zweite alle dringend notwendigen und die dritte die wirklich lebensnotwendigen Dinge. Liste eins und zwei können weggeworfen werden, und die dritte Liste kürze man um die Hälfte.

5. Bei jedem Gegenstand sollte immer wieder überlegt werden, ob es anstelle von schweren Materialien oder Wegwerfgegenständen nicht etwas leichteres, moderneres gibt: zum Beispiel gefriergetrocknete Spezialnahrung anstelle von schweren Konserven.

Die Erfolgsregel für Globetrotter gilt auch für Expeditionsbergsteiger: Halbiere dein Gepäck und verdoppele dein Reisegeld!

Der intelligent gepackte Rucksack mit optimalem Inhalt muß jedoch auch richtig getragen werden. Der Hüfttragegurt sollte mit leicht nach vorn gebeugtem Oberkörper angelegt und danach möglichst fest angezogen werden. Nach dem Aufrichten müssen die Tragriemen reguliert werden. Harte Naturen, die in der Monsunzeit eine Trekking- Expedition in den Himalaya unternehmen wollen, sollten eine Regenschutzhaut für den Rucksack dabei haben. Aus praktischen Gründen wird man den Rucksack bereits im Heimatland und nicht erst in Kathmandu kaufen.

 

ISOLIER- UND LIEGEMATTEN

 

Isolier- und Liegematten sind die nicht sehr bequemen Matratzen des Expeditionsbergsteigers. Man könnte sie auch "harte Matten für harte Leute" nennen.

Selbst der beste Schlafsack behält seine angegebene Schlaftemperatur nur mit Hilfe einer isolierenden Unterlage, die außerdem leicht, raumsparend und feuchtigkeitsabweisend sein sollte. Die moderne Liegematte (Karrimat) besteht aus geschäumtem Kunstgummi mit geschlossenen, luftgefüllten Poren. Die isolierende Luftschicht hält Bodenkälte und Eis- und Schneeschichten vom Schlafsack fern. Diese meistens neun Millimeter dicken Liegematten haben eine Masse von etwa einem halben Kilogramm und sind robust und rutschsicher. Es gibt sie in allen Abmessungen und Farben. Der einzige Nachteil ist ihr Packvolumen. Deshalb sollte man sie erst vor Ort erwerben. In Kathmandu kann man sie sich leihweise oder käuflich beschaffen. Luftmatratzen sind wegen der Störanfälligkeit und der nicht sehr guten Isolierfähigkeit nicht zu empfehlen, wenn es auch einen Typ Matratze gibt, der sich selbst aufbläst. Das ist gut über 4000 Meter, wo das Atmen und Pusten schwerfällt.

Unter der Liegematte ist bei extremer Kälte noch ein weiterer Isolierschutz zu empfehlen: eine aluminiumbedampfte Spezialfolie, die die Körperwärme reflektiert. Diese Isoliermatte sollte so bemessen sein, daß sie möglichst das ganze Zelt ausfüllt und für zwei Personen ausreicht. Auch diese Isoliermatten sind in Kathmandu erhältlich.

 

SCHLAFSÄCKE

 

Bei der Anschaffung des Schlaf sacks ist nur das allerbeste gut genug, denn er ist Zuflucht, Mutter, Geliebte und letzte Aufwärmmöglichkeit für zu Tode erschöpfte und gefährlich ausgekühlte Expeditionsbergsteiger.

Das optimale Füllmaterial für Expeditionsschlafsäcke sind nach wie vor Naturdaunen. Sie sind federleicht, nehmen am wenigsten Platz weg und haben immer noch die beste Isolierfähigkeit. Daunen haben allerdings auch ihre Nachteile. Bei Feuchtigkeit verlieren sie einen großen Teil ihrer hervorragenden wärme-isolierenden Eigenschaften.

Am Schlafsack darf nicht gespart werden. Zu bevorzugen sind die teureren Enten- und nicht Gänsedaunen. Der Schlafsack sollte in Kammertechnik verarbeitet sein, um die Daunen in möglichst gleicher Dichte um den Schläfer zu hüllen. Querkammern halten die Füllung besser am Platz als Längskammern. Mumienschlafsäcke ohne Reißverschlüsse sind für Expeditionen am besten geeignet. Reißverschlüsse wirken als Kältebrücken.

Ein Expeditionsschlafsack sollte wenigstens achthundertundfünfzig Gramm Daunenfüllung von bester Qualität enthalten, eine Stärke von dreizehn bis fünfzehn Zentimeter haben und somit Außentemperaturen von minus fünfundzwanzig Grad Celsius ohne große Probleme widerstehen. Versuche der amerikanischen Armee haben bewiesen, daß man bei acht Zentimeter Isoliermaterial und Temperaturen bis zu minus dreißig Grad Celsius noch eine erträgliche Schlaftemperatur im Schlafsack erzielen kann. Man darf jedoch nicht vergessen, daß todmüde und erschöpfte Bergsteiger mehr frieren als ausgeruhte amerikanische Soldaten. Man sollte auch immer einen waschbaren In nenschlafsack benützen. Er sorgt für zusätzliche Isolierung und ist hygienischer. Persönlich ziehe ich Innenschlafsäcke aus Baumwolle vor. Baumwolle ist zwar schwerer als Nylon, dafür jedoch hautfreundlich und atmungsaktiv. Ein Vorteil ist, daß Baumwolle Feuchtigkeit leichter aufnimmt als Nylon. Nylon fühlt sich nur am Anfang kalt an, wird dann aber schnell warm. Super ist Seide!

Folgende Punkte sind zu beachten:

1. Bei längerer Nichtbenutzung, beispielsweise zu Hause, sollte ein Daunenschlafsack niemals im Originalpacksack aufbewahrt werden, da die Quellfähigkeit der Daunen darunter leidet.

2. Schmutzige Daunen verlieren ihre Isolierfähigkeit. Daunenschlafsäcke sollten nur mit Daunenspezialseife in höchstens 300 Grad Celsius warmem Wasser gewaschen werden. Danach sollte der Schlafsack bei mäßiger Hitze so schnell wie möglich getrocknet werden.

3. Normalerweise sollte man nicht in voller Tagesbekleidung in den Schlafsack kriechen. Lange Spezialunter wäsche, Wollpullover und ein Paar Wollstrümpfe halten den Schläfer auch unter extremen Bedingungen im Schlafsack warm. Die Daunenüberbekleidung sollte höchstens zum Aufwärmen oder Auftauen im Schlafsack getragen werden.

Schlafsäcke der verschiedensten Marken sind in guter Qualität und preiswert in den Aus rüstungsläden in Kathmandu zu haben. Da sie aber oft zweiter Hand sind und es in Kathmandu keine zuverlässigen Reinigungseinrichtungen für Daunenschlaf säcke gibt, ist es stark zu überlegen, ob man diesen wichtigen und intimen Ausrüstungsgegenstand nicht lieber von zu Hause mitbringt.

 

LEICHTZELTE

 

Die modernen Leichtzelte für zwei Personen mit Gepäck, die auch den Höhenstürmen des Himalaya trotzen, wiegen mit allem Drum und Dran - wie Innenzelt, Außenzelt, Gestänge und Heringen - nicht mehr als zwei Kilogramm und passen bequem in einen Rucksack. Ein solches Zelt sollte folgenden Anforderungen genügen:

1. Es ist federleicht und trotzdem so geräumig, daß notfalls im Zelt gekocht werden kann.

2. Es kann auch bei Nacht und im Schneesturm bei grimmiger Kälte mit wenigen Handgriffen errichtet werden. Ein Außenrahmen ist hier hilfreich.

3. Es ist selbst bei hohen Himalayawindstärken absolut sturmsicher; es ist im Windkanal erprobt.

4. Das Zelt besteht aus einem Außen- und einem Innenzelt, weil nur so Kondenswasserfreiheit gewährleistet ist.

5. Das Außenzelt ist völlig wasserdicht so konstruiert, daß das Innenzelt im Schutze des Außenzeltes errichtet werden kann.

6. Es ist moskitodicht, gut durchlüftet, atmungsaktiv und hat einen wasserdichten, strapazierfähigen, wannenartig hochgezogenen Zeltboden aus beschichtetem Spezialgewebe. Es ist so bemessen, daß vor dem Innenzelt genügend Platz für die gepackten Rucksäcke bleibt.

Es gibt zahllose Zelttypen und -formen, die für die jeweiligen Zwecke zugeschnitten und auf alle individuellen Bedürfnisse abgestimmt sind. Die notwendige Zeltausrüstung kann in Nepal angeschafft oder ausgeliehen werden. Man braucht den Zeltschutz ja nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Sherpa-Führer, den Koch und die Träger. Abgesehen von den Ausrüstungsläden und fast allen Trekking-Agenturen in Kathman du können Zelte manchmal sogar in den Dörfern des Hoch-Himalaya ausgeliehen werden.

 

KOCHAUSRÜSTUNG

 

Selbst eine Kleinst-Expedition ist im Grunde nach den gleichen Prinzipien wie die ersten Everestexpeditionen in den zwanziger Jahren aufgebaut. Ohne einige Träger, die für viele Wochen oder sogar Monate Ausrüstung, Verpflegung und Brennstoff tragen helfen, geht es im Himalaya immer noch nicht. Man braucht auch einen einheimischen Gebirgsführer, einen Sirdar, mit dem man Englisch sprechen kann, der nicht nur in einer fremdartigen Extremumwelt zu Hause ist, sondern auch mit Leichtigkeit Organisationsprobleme bewältigt, die man als Fremder nur mit großen Schwierigkeiten und entsprechenden Sprachkenntnissen überwinden könnte.

Jeder Expeditions-Sirdar ist durch eine lange Tradition darauf eingestellt, einer Expedition - selbst, wenn es nur eine Kleinst-Expedition ist - anzugehören, auf die er stolz sein kann, und die fremden "Sahibs" zu verwöhnen. Es gehört zu einer gut organisierten Expedition, daß der Sirdar selbst, oder ein speziell mitgenommener Koch oder aber einer der Träger sich um das leibliche Wohl der Teilnehmer kümmert. Deshalb ist es ratsam, es dem Sirdar zu überlassen, sich um die Kochausrüstung zu kümmern, die ohne weiteres in Nepal beschafft werden kann.

In großen Höhen, ab 4 800 Meter etwa, gibt es kein natürliches Brennmaterial mehr. Holz beispielsweise ist bereits in weiten Teilen des Himalaya zu einem kaum mehr zu bewältigenden Umweltproblem geworden. Die spärlichen Holzbestände sollten den Einheimischen überlassen und nicht auch von den Expeditionen und Trekkern verbraucht werden. Jede Expedition sollte ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten und ausschließlich von mitgebrachtem Brennstoff Gebrauch machen. Im Sagarmatha Nationalpark und vielen weiteren Trekkinggebieten ist dieses bereits vorgeschrieben.

Der bestbewährte Brennstoff ist Kerosin. Es ist auch in den abgelegenen Himalayatälern erhältlich und hat uns nie im Stich gelassen. Die indischen Primuskocher werden mit Kerosin betrieben. Sie sind zuverlässig und äußerst billig. Auch unter extremsten Verhältnissen brachten unsere Sherpa immer noch eine warme Mahlzeit zustande. Da man Gaskartuschen für moderne Leichtgaskocher nicht in Flugzeugen mitnehmen darf, ist es empfehlenswert, die gesamte Kochausrüstung, einschließlich der Töpfe, Pfannen, Bestecke und des Geschirrs, in Nepal zu beschaffen. Außerdem sollte man einen zweiten Primuskocher als Ersatz dabei haben.

 

CHECKLISTE

 

Die Checkliste sorgt dafür, daß die Ausrüstung rationell geplant und nichts vergessen wird. Sie ist auch die Versicherung, daß die Ausrüstung auf das wirklich wesentliche beschränkt ist und daß Gewichtsersparnis und kleinstes Packvolumen genügend berücksichtigt werden. Aufgrund meiner Erfahrungen auf mehreren Mini-Expeditionen in den verschiedensten Gebieten des Himalaya und Karakorum zwischen 1959 und 2000 habe ich eine optimale Checkliste aufgestellt, auf der alles aufgeführt ist, was auf einer "Trekking-Extrem-Tour" bis zu Höhen von knapp 7 000 Meter erforderlich ist:

1. Rucksack (body-hugging system), mindestens 75 l Inhalt ohne Außentaschen;

2. Expeditionsschlafsack, Entendaunen, 13 cm min. loft M.T.R.: minus 25oC min.;

3. Gut eingelaufene, schwere, steigeisenfeste Bergschuhe;

4. Gut eingelaufene Leichtbergschuhe oder Trekkingschuhe;

5. Daunenjacke (Anoraktyp);

6. Wasserdichter und schneefester Überanorak (Goretex oder ähnliches);

7. Superwarmer Wollpullover oder zwei dünne Pullover nach dem günstigen Zweischichtenprinzip;

8. Strapazierfähige Bergsteigerbundhose;

9. Strapazierfähige lange Hose;

10. Schneegamaschen;

11. Drei Paar lange warme Bergsteigerwollstrümpfe;

12. Vier Paar Baumwollsocken;

13. Eine Garnitur lange superwarme Spezial-Unterwäsche (Skiunterwäsche);

14. Drei Garnituren kurze Baumwollunterwäsche;

15. Vier Sporthemden oder T- Shirts;

16. Ein Paar warme Wollhandschuhe;

17. Ein Paar Daunen-Überhandschuhe;

18. Wollmütze;

19. Wollschal;

20. Kurze Hosen;

21. Liegematte aus Schaumgummi (Karrimat oder ähnliches);

22. Isoliermatte;

23. Kleine, zusammenfaltbare Astronauten-Überlebensunterlage;

24. Leichtbergzelt;

25. Schneebrille;

26. Sonnenbrille;

27. Vielzwecktaschenmesser (Schweizer Offizierstyp);

28. Marschkompass, Höhenmesser (Aneroid), Trillerpfeife, eventuell: Geographisches Positions System (G.P.S.);

29. Feuerzeug, Sturmstreichhölzer, Schreibzeug, Landkarten, Reiseführer;

30. Photo- und/oder Videoausrüstung nach Geschmack und Neigung (genügend Filme mitnehmen!);

31. Expeditionsapotheke;

32. Taschenlampe, Nähzeug, Waschzeug, Rasierer (oder lieber einen Bart wachsen lassen);

33. Zwei Handtücher;

34. Fünf Taschentücher;

35. Innenschlafsack aus Baumwolle oder Seide;

36. Toilettenpapier;

37. Vollständige Kochausrüstung;

38. Lebensmittel für alle Teilnehmer für die Dauer der Expedition;

39. Not-Rationen (fünf Packungen @ 1 000 Kalorien);

40. Seil: 45 m lang, 9 oder 11 mm Durchschnitt);

41. Eispickel: 80 cm oder nach Größe des Expeditionsteilnehmers;

42. Eishammer;

43. Steigeisen (modernes Modell mit Frontalzacken);

44. Klettergürtel und Klettersitz, bzw. Gurtkombination;

45. Zwei Reepschnüre je 5 m lang, 6 mm Durchschnitt;

46. Zwei Schraubkarabiner;

47. Zwei Eisschrauben;

 48. Zwei Felshaken.

Es ist empfehlenswert, die Zelt- Koch- und bergsteigerische Ausrüstung (Nr. 36 und 40 bis 48), sowie die Schaumgummimatte und den größten Teil der Lebensmittel in Nepal zu beschaffen. Das gleiche gilt auch für den Überanorak, die Daunen-Überhandschuhe und die Klettergamaschen.

 

ANREISE IN DEN HIMALAYA

 

Nur Unkundige, Reisende auf Spesen oder Millionäre zahlen bei Überseeflügen noch den vollen Flugtarif. Der Massentourismus und die Konkurrenz der vielen Fluggesellschaften untereinander, sowie eine globale Politik der Deregulierung in der Zivilen Luftfahrt, haben das Tarifgefüge durcheinander gebracht, und es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, mit Billigtarifen den indischen Subkontinent als Tor zum Himalaya anzusteuern. Das gilt im besonderen Maße für Flüge von Europa und Amerika nach Indien, Nepal und Pakistan. Wenn man etwas Forschungsarbeit betreibt, kann man eine Menge Geld am Flug sparen, auch wenn die Preisunterschiede nicht so groß sind wie im Nordatlantikverkehr. "Letzte Minuten Flugangebote" kommen für Trekking-Expeditionen natürlich kaum in Frage. Es gibt verschiedene Billigflug-Drehscheiben in Europa, die man systematisch erforschen muß. Es macht sich bezahlt, sich Zeit zu nehmen und die Preislisten aller Reiseveranstalter und Fluggesellschaften durchzugehen.

Für Indienreisende aus den USA, aus Kanada und Australien heißt die Billigflug-Drehscheibe Bang kok. Von hier aus gibt es billige Flüge in alle Welt. Ein Rundflug durch den gesamten Fernen Osten, einschließlich Delhi, Djakarta, Manila, Hong-Kong, Taipeh, Seoul und Tokio kostet um die 500 US-Dollar. Die Flugscheine sind ein ganzes Jahr gültig, die Zwischenstops kann man ganz nach Belieben planen. Der Einfachflug von Bangkok nach Kathmandu kostet um die 100 US-Dollar. Hin- und Rückflüge nach Europa oder Amerika sind schon unter 1 000 US-Dollar zu haben.

Wer im Besitz eines internationalen Studentenausweises ist, kann in Bangkok und auch in Delhi besonders billige Flüge buchen. Auf dem Schwarzmarkt in Bangkok kostet ein internationaler Studentenausweis fünf US-Dollar, als Student kann sich jeder ausgeben, der unter siebzig Jahre alt ist.

Leider sind die Billigflugmöglichkeiten vom südlichen Afrika zum indischen Subkontinent nicht so günstig wie von Europa oder Amerika. Die preiswerteste Möglichkeit ist der neunzig Tage Exkursionstarif nach Karachi in Pakistan oder nach Mumbai (Bombay) in Indien. Solche Exkursionstarife werden von einer ganzen Reihe von Fluglinien angeboten, und man kann über Johannesburg, Harare, Nairobi, Addis Abeba, Dubai, Abu Dhabi oder Mauritius fliegen. Solche Hin- und Zurückflüge kosten etwas über tausend US-Dollar.

Für kostenbewusste, aus Afrika kommende Himalayareisende ist es am günstigsten, nach Karachi oder Mumbai (Bombay) zu fliegen und sich von dort auf dem Landwege durch Indien direkt nach Kathmandu, Rawalpindi/Islamabad oder nach Patna, der Hauptstadt der nordindischen Provinz Bihar durchzuschlagen. Der Hin- und Rückflug von Patna nach Kathmandu oder von Rawalpindi/Islamabad nach Skardu ist mit weniger als hundert US-Dollar recht preiswert. Die Bahnfahrt durch Indien kostet von Bombay über Varanasi nach Patna und zurück etwa hundert US-Dollar und von Karachi über Lahore, Amritsar, Agra, Varanasi nach Patna etwa hundertundfünfzig US-Dollar. Die zweite Klasse, die man nur unerschrockenen, abgebrühten Reisenden empfehlen kann, kostet ein Viertel der ersten Klasse. Dann gibt es noch eine klimageregelte Luxusklasse, die mehr als doppelt so viel wie die erste Klasse kostet. Seit 1983 gibt es auf vielen Strecken der Indischen Eisenbahnen eine klimageregelte zweite Klasse im Großraumschlafwagen, die nur wenig mehr als die nicht-klimageregelte erste Klasse kostet und sehr zu empfehlen ist.

Bei Preisvergleichen zwischen dem Luft- und dem Landwege muß allerdings der Zeitfaktor berücksichtigt werden. Die Bahnfahrt von Karachi nach Patna dauert ohne irgendwelche Aufenthalte und Abstecher etwa vier Tage und von Bombay nach Patna zwei Tage.

Auf der Bahnfahrt von Karachi nach Patna kann man verschiedene hochinteressante pakistanische und indische Städte kennenlernen. In Pakistan beispielsweise kann man die alte Moghulhauptstadt Lahore besuchen. Für den Grenzübergang von Pakis tan nach Indien muß man einen vollen Tag veranschlagen. Östlich der Grenze liegt Amritsar, die heilige Stadt der Sikhs mit dem "Goldenen Tempel". Die indische Hauptstadt, das bunte, verwirrende Delhi, liegt genauso an der Fahrstrecke wie Agra mit dem weltberühmten Taj Mahal, ein Bauwerk von ausgewogener harmonischer Form und vollkommener ästhetischer Schönheit. Auch Varanasi mit seinen vielen Tempeln und den anbetenden Gläubigen an den Ufern der heiligen Ganga ist noch immer lebendiges, chaotisches und dschungelhaftes Herz des Hinduismus und sollte nicht ausgelassen werden.

Man kann Kathmandu auf dem Landwege erreichen und dabei rund fünfzig US-Dollar sparen. Der Landweg geht mit der Bahn von Varanasi über Sonepur und Muzzarfarpur nach Raxaul an der indisch-nepalischen Grenze. Die erste Stadt in Nepal ist das etwa fünf Kilometer entfernte Birganj. Von dort gibt es tägliche Busverbindungen nach Kathmandu. Die Fahrt auf dem Landweg nach Kathmandu kostet hin und zurück etwa vierzig US-Dollar und dauert in jede Richtung mindestens zwei Tage.

Die Bahnfahrt auf Nebenstrecken der "North Eastern Railway" von Varanasi nach Raxaul führt durch die völlig flache tropische Gangesebene und erfordert dreimaliges strapaziöses Umsteigen. Außerdem sind die Bahnstrecken in dieser Gegend des Nachts alles andere als sicher. Obwohl Militär mitfährt, kommen Zugüberfälle häufig vor. Für die fünf Grenzkilometer von Raxaul nach Birganj gibt es keine modernen Verkehrsmittel, sondern nur Fahrradrikschahs oder zweirädrige Pferdekarren, die Ton gas. Die "Rikschawallahs" machen sich die Notsituation der Reisenden und das schweißtreibende, tropische Klima zunutze und verlangen Phantasiepreise, wie etwa drei Rupien (etwa US-Dollar 0,10) für jeden Telephonpfahl, an dem sie vorbeifahren.

Man hört auch hier, daß Reisende regelmäßig überfallen werden und sich glücklich schätzen dürfen, wenn sie mit dem nackten Leben davonkommen. Die großartige Straße, der "Tribhuvan Rajpath" von Birganj nach Kathmandu, führt zunächst durch die tropischen Urwälder der Teraizone, führt später durch die dschungelüberwucherten Churia-Berge und klettert dann auf zahllosen Serpentinen die fast 3 000 Meter hohe Mahabharat Bergkette hoch. Von der Passhöhe bei Daman hat man bei klarem Wetter einen grandiosen Blick auf die Himalayahauptkette vom Annapurna im Westen bis zum Makalu im Osten. Die einhundertundsechzig Kilometer lange, knochenschüttelnde und nepalisch-enge Busfahrt dauert acht bis zehn Stunden.

Einen ähnlichen Charakter hat die Anfahrt von Gorakhpur über Bhairava, nach Pokhara. Allerdings kann man von Bhairava aus Lumbini, die Geburtsstadt Buddhas, besuchen.

Diese Anfahrt auf dem Landwege ist nur besonders harten und erfahrenen Weltenbummlern zu empfehlen.

Eisenbahnfahrten durch Indien und Pakistan sind nervenaufreibende Abenteuer. Das Abenteuer beginnt bereits mit dem Kauf einer Fahrkarte. Es gibt viel zu wenig Züge auf dem überbevölkerten indischen Subkontinent, und die erste Klasse ist oft schon Monate im voraus ausverkauft. Die zweite Klasse ist nicht empfehlenswert. Abgesehen von den kaum erträglichen Strapazen in den buchstäblich aus allen Nähten platzenden Zügen ist man in der zweiten Klasse auch ständig der unvermeidlichen Gefahr ausgesetzt, von unglaublichen Krankheiten angesteckt oder bestohlen zu werden.

Die einzige Möglichkeit, in den Besitz der kostbaren Fahrerlaubnis für die erste Klasse zu kommen, besteht in der "emergency tourist quota". In jedem indischen Expresszug sind immer vier Plätze für Touristen mit nicht-indischen Pässen reserviert. Um einen solchen Platz zugeteilt zu bekommen, müssen auf den entsprechenden Bahnhöfen verschiedene Anträge bei verschiedenen Dienststellen gestellt werden. Aber wann hat man schon erlebt, daß in Indien einmal etwas einfach und unkompliziert abliefe ... .

 

GRENZBESTIMMUNGEN

 

Impfungen gegen Cholera (6 Monate gültig) sind bei der Einreise nach Nepal vorgeschrieben (seit den 90iger jahren nur noch für Reisende aus Gefahrengebieten). Reisende aus Afrika brauchen zusätzlich eine Gelbfieberimpfung (10 Jahre gültig). Impfungen gegen Tetanus und Typhus (Schluckimpfung) werden empfohlen. Außerdem sollte durch eine Gammaglobulinimpfung kurz vor der Anreise in den Himalaya ein wirkungsvoller Schutz gegen Viruserkrankungen aller Art aufgebaut werden. Gammaglobulin gibt einen etwa zweimonatigen und bis zu achtzigprozentigen Schutz. Besonders die Gelbsuchtansteckung ist auf dem indischen Subkontinent außerordentlich akut. Malariaprophylaxe wird für den Besuch des Terai empfohlen.

Die Ein- und Ausfuhr der persönlichen Expeditionsausrüstung ist zollfrei. Die nepalischen Zollkontrollen werden großzügig gehandhabt. In Indien kann man bei der Einreise mehr bürokratischen Ärger haben, aber auch hier ist die Ein- und Ausfuhr von Waren, die dem persönlichen Gebrauch dienen, frei. Bei der Ausreise ist zu beachten, daß man aus Nepal keine Kunstgegenstände, die älter als hundert Jahre sind (Ausnahmegenehmigungen erteilt das Nationalmuseum in Kathmandu) und keine indischen Teppiche ausführen darf.

Die Ein- und Ausfuhr von ausländischen Devisen ist sowohl in Indien und Pakistan als auch in Nepal erlaubt. Die Rupien dieser drei Länder dürfen allerdings weder ein- noch ausgeführt werden, wenn sich auch eine Liberalisierung im Devisenhandel anfang der neunziger Jahre abzeichnet. Die "beste" Währung, die man auch überall leicht wechseln kann, ist der US-Dollar. Die offiziellen Kurse für einen US-Dollar waren Mitte der neunziger Jahre für die indischen Rupie etwa dreißig Rupien, für die pakistanische Rupie etwa fünfunddreißig Rupien und die nepalische Rupie etwa fünfzig Rupien. Für US-Dollar Reiseschecks liegt der offizielle Kurs um eine Kleinigkeit höher als der für Banknoten. Auf dem schwarzen Markt ist es umgekehrt: Amerikanische Banknoten stehen hoch im Kurs. Der Schwarzmarktkurs ist etwa zehn Prozent höher als der offizielle. Günstige Plätze zum Schwarztauschen sind billige Hotels und Souvenirläden. Man wird in Bombay, Delhi, Karachi, Lahore, Rawalpindi und auch in Kathmandu immer wieder auf der Straße auf Wechselgeschäfte angesprochen, sollte sich aber vor "Agent Provocateurs" oder Betrügern in acht nehmen. In Kathmandu bekam ich die besten Kurse bei den Tibet-Teppichhändlern in der Asan Tole.

 

TREKKING-FORMALITÄTEN

 

Für die Einreise nach Nepal, In dien oder Pakistan benötigt man einen gültigen Reisepass und ein Visum in den meisten Fällen. Für Nepal wird ein solches Visum von den diplomatischen Vertretungen des Königreiches Nepal für dreißig Tage ausgestellt. Das "Immigration Office" vom Ministerium für Inneres und Tourismus in Kathmandu, Dilli Bazar, verlängert das Visum und stellt auch das Trekkingpermit aus. Sechs Passbilder sind dafür nötig. Expeditions Permits werden dagegen nicht vom Ministerium für Inneres und Tourismus, sondern vom Ministerium für Äußeres: Abteilung Bergsteigen, ausgegeben.

Im Rahmen des Trekkingpermits, das man individuell oder über eine Trekking-Agentur beim "Immigration Office" beantragt, kann man seit den achtziger Jahren gegen eine Extragebühr eine ganze Reihe von 5 000 und 6 000 Meter hohen Bergen, sogenannte Trekking-Gipfel, besteigen und sich so den Aufwand sparen, der für jeden Berg in Nepal über ein Expeditionspermit erforderlich ist. Welche Trekkinggipfel gerade freigegeben sind ändert sich von Zeit zu Zeit. Außerdem muß ein Antrag für einen Trekkinggipfel bei der "Nepal Mountaineering Association (NMA)", G.P.O. Box 1435, Ram Shah Path, Kathman du, gestellt werden. Genehmigungen für die Gipfelbesteigung eines dieser Berge werden für zwei Wochen erteilt, die verlängert werden können. Diese Periode rechnet nur für die Zeit oberhalb des Basislagers. Genehmigungen werden auf einer "first come - first served"-Basis ausgegeben. Die Gebühren ändern sich von Jahr zu Jahr und richten sich nach der Höhe des Berges. Sie liegen bei etwa fünfhundert US-Dollar pro Person. Die Gebühr für Verlängerungen beträgt fünfundzwanzig Prozent der ursprünglichen Kosten. Alle Gebühren müssen vor Antritt der Expedition in Kathmandu bezahlt werden und sind nicht zurückerstattbar. Anträge können kurzfristig in Kathmandu gestellt werden und sind nicht auf andere Personen übertragbar.

Jede Expedition muß durch einen beim NMA registrierten Sirdar begleitet werden. Der Sirdarlohn beträgt wenigstens zehn US-Dollar am Tag plus Verpflegung und andere Nebenkosten. Der Sirdar muß voll ausgerüstet werden. Er muß auch für eine beträchtliche Summe versichert werden, was eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Eine weitere Bedingung ist, daß frei geklettert werden muß. Bergsteigerische Ausrüstung wie Haken, Reepschnüre und Klemm keile müssen nach Beendigung der Expedition entfernt werden. Selbstverständlich müssen die Lager in einem sauberen Zustand hinterlassen werden. Nach Rückkehr muß dem NMA in Kathmandu ein schriftlicher Besteigungsbericht vorgelegt werden.

Folgende Angaben sind bei der Antragstellung erforderlich: Name des Berges; Besteigungsperiode; Besteigungsroute; Name und Staatsangehörigkeit eines jeden Expeditionsmitgliedes; Name, Paßnummer und Heimatadresse des Leiters der Gruppe; Vertreter in Kathmandu (normalerweise eine Trekking-Agentur), sowie der Name und die Adresse des Sirdar.

 Die Liste der freigegebenen Trekking-Gipfel ändert sich von Jahr zu Jahr, wobei eine Tendenz zur Öffnung von mehr Gipfeln festzustellen ist. 1984 waren folgende Trekking-Gipfel freigegeben:

Khumbu-Himal:

Island Peak 6 189 m
Kwangde 6 187 m
Kusum Kangru 6 389 m
Lobuche East 6 119 m
Mehra Peak 5 820 m
Mera (Hongu) 6 437 m
Pokalde 5 806 m.

Rolwaling Himal:

Pacharmo 6 318 m
Ramdung 6 060 m.

Ganesh Himal:

Paldor Peak 5 928 m.

Manang Himal:

Chulu East 6 059 m
Chulu West 6 583 m
Pisang 6 091 m.

Annapurna Himal:

Fluted Peak 6 390 m
Hiunchuli 6 441 m
Mardi Himal 5 586 m
Tent Peak 5 500 m.

Langtang Himal:

Ganja La Chuli 5 846 m.

Die Tatsache, daß diese Berge "Trekking-Gipfel" genannt werden, soll nicht heißen, daß sie leicht oder harmlos wären: Ganz im Gegenteil: Die meisten sind schwierig und gefährlich, und viele sind erst vor einigen Jahren erstbestiegen worden.

Die Ausgabe eines Trekkingpermits dauert für eine der Standard-Trekking Routen vierundzwanzig Stunden. Für schwierige Routen (Trekking extrem) kann es länger dauern.

Für Gipfelbesteigungen, die nicht mit einem Trekking-Permit abgehandelt werden können, gelten die "Amtlichen Bestimmungen für Expeditionen" vom 26. Januar 1976, wie geändert. In dem umfangreichen Dokument werden alle Aspekte für die Durchführung einer Expedition geregelt, darunter die Antragsformulare, die Tagessätze für Sirdar und Träger, die Versicherungen für Sirdar und Träger, die Rechte und Pflichten des Begleitoffiziers, schriftliche Berichterstattung und die Gipfel gebühren. Diese Bestimmungen, wie im Augenblick gültig, und die Liste der gerade freigegebenen Himalayagipfel Nepals kann man bei folgender Adresse anfordern: "His Majesty's Government of Nepal: Ministry of Foreign Affairs: Mountaineering Division, Kathmandu, Nepal". Expeditionspermits müssen lange Zeit im voraus, manchmal Jahre im voraus, beantragt werden.

Expeditionen zu den hohen Bergen im Himalaya sind erst seit einigen Jahrzehnten möglich. Erst vor fünfundvierzig Jahren hat Nepal seine Pforten dem Ex peditionstourismus geöffnet, Tibet und Bhutan folgten vor zwanzig Jahren. Politische, wirtschaftliche und ökologische Gründe haben letztlich alle Himalaya- und Karakorumstaaten dazu veranlasst, Expeditionspermits für die hohen Berge auszugeben. Viele Bergsteiger beantragen und bezahlen diese zum Teil sehr teuren Permits nur äußerst widerwillig, da sie glauben, daß Permits nicht mit der "Freiheit der Berge" zu vereinbaren seien. Deshalb gibt es, seitdem Permits erforderlich sind, auch Schwarzbesteigungen im Himalaya und Karakorum. Allerdings hat das Permitsystem auch Vorteile für den Expeditionsbergsteiger. Die Expeditionsausrüstung kann zollfrei ein- und ausgeführt werden. In Nepal und Pakistan wird die Hubschrauberrettung erleichtert, und man hat die Möglichkeit, auch Berge an internationalen Grenzen zu besteigen. Wer beim Schwarzbergsteigen erwischt wird, hat hohe Geldstrafen zu erwarten und kann für einige Jahre für den Himalaya gesperrt werden. Diese Geldstrafen betragen im allgemeinen das zwei bis dreifache der Gebühren, die man sparen wollte. Bei Nichtbezahlenwollen oder -können hat man Gelegenheit, solche unerfreulichen Plätze wie, zum Beispiel, das Gefängnis von Namche Bazar kennen zulernen. Um Schwarzbergsteigen kontrollieren zu können, beobachtet die nepalische Polizei Modeberge, wie den Island Peak oder den Pokalde mit Fernstechern.

Als Gast in einem fremden Land sollte man sich an die Gesetze des Gastgeberlandes halten. Schwarzbergsteigen kann keinesfalls empfohlen werden und ist auch kein Kavaliersdelikt. Man sollte arme, gastfreie Länder wie Nepal nicht um die Gebühren bringen, auf die sie dringend angewiesen sind.

 

ORGANISATION EINES TRECKS

 

Es gibt zahlreiche nepalische Trekkingunternehmen, die Trecks in allen Schwierigkeitsgraden bis hin zum Expeditionscharakter anbieten. Im Preis dieser Trecks ist alles eingeschlossen: Der Sirdar, die Träger, Koch, Trekkingpermit, Ausrüstung, Verpflegung, manchmal auch eventuelle Flugkosten, wobei die Einheimischen nur etwa ein Drittel der Flugpreise, die von Ausländern auf inner-nepalischen Fluglinien gefordert werden, zahlen.

Die einfachen, klassischen Trecks, wie die nach Jomosom, Muktinath und Manang oder ins Everestgebiet, kosten auf dieser Grundlage fünfzig bis achtzig US-Dollar pro Tag und Person. Trecks mit echtem Expeditionscharakter und Bergbesteigungen sind viel teurer. Die sind -alles inklusive - kaum unter achtzig bis hundertzwanzig US-Dollar pro Tag zu haben. Das Risiko bei diesen, von einem Trekking-Veranstalter durchgeführten Trecks ist, obwohl man sich um nichts zu kümmern braucht, die zusammengewürfelte Gruppe, mit der man es unter Umständen zu tun bekommt. Man kennt die bergsteigerischen Fähigkeiten, die körperliche Konditionen und die charakterlichen Eigenschaften der Gruppenteilnehmer nicht, und so ist ein Misserfolg, gerade bei schwierigen Unternehmungen, oft von vornherein einprogrammiert. Dazu verlaufen die organisierten Trecks meistens unter einem festen und oft zu engen Zeitplan, der kaum Raum für Änderungen und Eventualitäten läßt. Darum ist die selbstorganisierte Kleinst-Expedi tion unter Freunden oder Freundinnen oder mit dem Ehepartner für Extremtouren sehr zu empfehlen. Private Trekkingtouren lassen sich auch viel preiswerter organisieren. Ein Träger erhält Anfang der neunziger Jahre etwa drei bis vier US-Dollar am Tag und ein guter, erfahrener Sirdar fünf bis zehn US-Dollar. Die Preisunterschiede entstehen durch den Schwierigkeitscharakter der Tour.

Eine bergsteigerisch wirklich anspruchsvolle Trekkingtour mit Expeditionscharakter kann nicht ohne die Hilfe zuverlässiger Sherpa durchgeführt werden, schon gar nicht, wenn man weder Nepali noch tibetisch spricht.

Der Sherpa-Sirdar ist bei der Anwerbung und Anleitung der Träger unentbehrlich. Theoretisch können Träger auch direkt in Kathmandu oder später unterwegs ohne die Hilfe eines Sir dars angeworben werden. Dieses Vorgehen ist aber nur bei sehr einfachen Trecks und keinesfalls bei Extremtouren zu empfehlen. Wer höher hinaus will, muß sich auf den untrüglichen Orientierungssinn und das sprichwörtliche Durchhaltevermögen der Sherpa verlassen, sowie auf ihre Fähigkeit, alle möglichen und unmöglichen Extrem- und Gefah rensituation zu meistern. Darüber hinaus ist der Sirdar der direkte Vermittler zwischen Bergsteigern und Trägern. Er hilft dabei, die Ausrüstung im Lande günstig zu vervollständigen, er hilft beim Einkauf von Nahrungsmitteln, Brennstoff, Tragkörben und Trägerausrüstung und bei der Beseitigung von bürokratischen Hemmnissen wie dem Beantragen von Trekking- und Expeditionspermits. Mit anderen Worten: Der Sirdar ist fast immer sein Geld mehr als wert.

Es ist nicht leicht, auf eigene Faust geeignete Sherpa-Sirdar zu finden, wenn man noch keine Erfahrung hat oder über entsprechende Kontakte in Kathmandu verfügt. Man kann Glück haben und auf Anhieb einen guten Sir dar bekommen. Es gibt aber auch Zeiten, wo alle wirklich fähigen Sherpa an Expeditionen und Trekkingunternehmen bereits ausgebucht sind. Leider übersteigt heute im Zeitalter des Expeditions-Tourismus - etwa fünfzig Expeditionen gehen pro Jahr in den Nepal-Himalaya und einhundertundfünfzig in den gesamten Himalaya/Karakorum - die Nachfrage oft das Angebot an erfahrenen Sherpa mit Expeditionserfahrung. Es kann dann leicht passieren, daß man an Leute gerät, die später ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind und dadurch das ganze Unternehmen zum Scheitern bringen.

Wenn man persönlich keine zuverlässigen Sherpa kennt, kann man zur Anwerbung den Dienst eines der vielen Trekking-Unternehmungen in Kathmandu in Anspruch nehmen, die sich gegen eine Gebühr darum bemühen, den geeigneten Sirdar zu finden. Die Trekking-Agentur ist auch bei der Beschaffung von fehlender Ausrüstung und der Beantragung von Trekking-Permits für "schwierige" Gebiete behilflich. Es gibt Gebiete in Nepal, wie beispielweise der Hongu oder der Rolwaling (war während der 1990iger zu Zeiten geschlossen), für die nur über eine anerkannte Trekking-Agentur ein Permit erteilt wird.

Die Löhne für Sirdar und Träger richten sich nach den amtlichen Expeditionsvorschriften. Die Sherpa-Führer erhalten volle Verpflegung, Unterkunft und eventuell die Fahrt- oder Flugkosten. Es ist jedoch nicht vorgeschrieben, die gesamte Ausrüstung zu stellen. In den allermeisten Fällen ist das auch nicht nötig, da sie nach früheren Expeditionen bereits über eine entsprechende Ausrüstung verfügen. Im allgemeinen einigt man sich vorher auf eine Ausrüstungspauschale, die bei etwa hundert US-Dollar pro Sirdar und Expedition liegt und den Verschleiß der Ausrüstung vergütet. Falls Hochgebirgsausrüstungsstücke wie Daunenjacke, Pickel oder Steigeisen nicht vorhanden sind, muß vor Beginn der Expedition geklärt werden, wer sie beschafft, und wer dafür aufkommt. Bei schwierigen Unternehmungen muß für die Sherpa und auch für die Träger eine Unfallversicherung abgeschlossen werden. Die Haftung der Expeditionsteilnehmer für "ihre" Sirdar und Träger sollte natürlich selbstverständlich sein.

Auf leichten Trecks, auf denen die Träger die Möglichkeit haben, sich selbst zu verpflegen, bringen sie ihre Verpflegung mit. Auf schwierigen Trecks mit Expeditionscharakter müssen die Träger natürlich mitverpflegt werden. Die Tendenz geht seit 1981 immer mehr dahin, daß Träger, besonders im Khumbu, voll verpflegt werden. Außerdem müssen den Trägern Zelte, eventuell Decken und Schlafsäcke, Bergschuhe und Schneebrillen gestellt werden. Das gilt bei entsprechenden Schwierigkeitsgraden auch für Eispickel und Steigeisen. Abgesehen von den Schuhen ist es nicht üblich, daß die Träger die Ausrüstungsgegenstände behalten. Es ist im eigenen Interesse dringend anzuraten, die Ausrüstung der Träger vor Beginn der Expedition durchzugehen und notfalls zu ergänzen. Das gilt besonders für Schuhe, Schneebrillen und Schlafsäcke. Es hat sich auch das Gewohnheitsrecht eingebürgert, daß Sherpa und Träger mit Zigaretten, und, sofern erhältlich, mit Tschang und Rakschi versorgt werden. In dieser Hinsicht sollte man großzügig sein. Von der guten Laune von Sirdar und Trägern kann das Gelingen der Expedition abhängen.

Nach erfolgreicher Expedition sollte es selbstverständlich sein, Sherpa-Sirdar und Trägerschaft mit einem großzügigen "Bakschisch" in bar und Ausrüstung zu belohnen. Sie haben ganz sicher in treuer Pflichterfüllung oft genug ihr Leben eingesetzt und uns zudem das "Erlebnis unseres Lebens" ermöglicht.

Die von der Regierung festgesetzten Löhne für Träger, die sich anfang der neunziger Jahre in Nepal zwischen zwei und vier US-Dollar am Tage bewegen, erscheinen einem Bergsteiger der westlichen Welt niedrig. (Im Karakorum sind die Trägerlöhne im Jahre 1992 doppelt so hoch.) Man muß aber wissen, daß sich der allergrößte Teil des nepalischen Warenverkehr abseits der wenigen Autostraßen und der paar modernen Städte immer noch auf menschlichen Rücken abspielt. Man kann sich kaum einen Begriff von der Beschwerlichkeit dieses schweißtriefenden menschlichen Gütertransportes machen. Die Löhne der gewöhnlichen Träger, die die Wirtschaft Nepals im wahrsten Sinne des Wortes tragen, sind noch wesentlich niedriger als die der Expeditions- und Trekkingträger. Würde man die Löhne dieser Träger noch weiter erhöhen, um etwa das soziale Gewissen westlicher Trekker und Bergsteiger zu beruhigen, so würde das gesamte Wirtschaftsgefüge Nepals ernsthafte Probleme bekommen.

Es ist das ehrgeizige Ziel eines jeden nepalischen Trägers, Expeditionsträger zu werden, allein schon aus dem Grunde, weil letzterer bereits bei dreißig Kilogramm Last zusammenbricht, während der andere für weniger als den halben Lohn und ohne Verpflegung, gestellte Schuhe und Bakschisch mindestens vierzig Kilogramm zu schleppen hat. Im Verhältnis zur nepalischen Kaufkraft bezahlen Expeditionen und Trekking-Agenturen angemessene bis hohe Löhne, die außerdem unabhängig von den täglichen Marschleistungen nach Tagen berechnet werden. Die einheimischen Unternehmer dagegen drücken die Trägerlöhne, je nach Notlage des Trägers, auf schamlose Art. Deshalb ist es fast nie ein Problem, gute Träger zu bekommen. Der Sirdar, der behauptet, er könne keine Träger finden, ist entweder unfähig oder will die Expeditionsteilnehmer unter Druck setzten. Mit Takt, Diplomatie und manchmal auch mit harter Hand muß man versuchen, eine solche missliche Situation zu meistern. Meist hilft der Hinweis, man werde den betreffenden Sirdar bei der Rückkehr nach Kathmandu auf die "Schwarze Liste" der Trekking Agenturen setzen lassen. Besser noch ist es, ihm mit einem kräftigen Bakschisch am Ende der Expedition zu winken.

Wer eine Trekking-Expedition selbst organisieren will, muß genügend Geld in kleinen Rupiescheinen dabei haben, um unterwegs alle anfallenden Ausgaben für Nahrungsmittel, Trägerkosten, Brennstoff und Unterkunft bezahlen zu können. Wer an einer organisierten Trekkingfahrt teilnimmt, braucht sich darum natürlich nicht zu kümmern. Größere Geldscheine können außerhalb der wichtigen Handelszentren nur äußerst selten gewechselt werden, und auf passendes Wechselgeld hat man keinen Anspruch. Bei meiner letzten Expedition nach Nepal hatte ich vorsorglich mehr als viertausend Banknoten in Ein-, Zwei- und Fünfrupiescheinen in meinem um den Bauch geschnallten Geldgürtel. Außerhalb der größeren Orte werden auch oft nur nepalische Rupien und keine andere Währung, nicht einmal US-Dollar, akzeptiert.

Man kann sich heute schon glücklich schätzen, daß man in den ländlichen Himalayagebieten überhaupt mit Papiergeld bezahlen kann. In den sechziger Jahren noch wurde im Himalaya nur Silbergeld angenommen. Ich habe es auf der Britischen Makalu Expedition 1960 erlebt, daß mehrere Trägerlasten mit Rupiemünzen auf menschlichen Rücken mitgeschleppt werden mußten. Diese ausgesuchten "Geldträger" waren sehr stolz darauf, die Expeditionskasse tragen zu dürfen. Bei einer Rast in irgendeinem nepalischen Dorf stellten sie ihre "klingende" Last mit großem Lärmaufwand auf der Mitte des Dorfplatzes ab. Jeder sollte sehen und hören, was für wichtige Lasten hier transportiert wurden. Der Träger ging in die nächste Batti, um Buttertee, Tschang oder Rakschi zu trinken und ließen die "Geldsäcke", die bestimmt das mehrfache Jahreseinkommen des gesamten Dorfes ausmachten, einfach alleine stehen. Man hat nie gehört, daß jemals etwas von den Säcken verschwunden wäre.

Die Ehrlichkeit der Nepali, besonders der Sherpa, ist immer noch - fast - sprichwörtlich, man kann sich auf sie noch genau so verlassen wie in den fünfziger und sechziger Jahren, zumindest außerhalb der Städte.

Ein Extrem-Treck mit Übersteigungen von Cho La Col und Kalar Pattar, der Besteigung von zwei leichten Fünftausendern im Gokyotal sowie mit Besuch der Cho Oyu- und Everest Basislager, der Besteigung des schwierigen Amphu Laptsa und des West Cols und eines hohen Gipfels im Hongu ist bei ungefähr vierzig Tagen Treckdauer von einer Trekking-Agentur nicht unter zweitausend US-Dollar (alles eingeschlossen) pro Teilnehmer zu haben. Zum Vergleich folgt unten mein privater Haushaltsplan für die gleichen vierzig Tage Trekking-Expedition, mit Start und Endziel Kathmandu, für zwei Teilnehmer, und die An- und Rückreisekosten von Bombay in Indien. Für die Kostenangaben ist der damals gültige, offizielle Bankkurs vom März 1982 (1 US-Dollar = 13,60 NRs) zugrunde gelegt wurden. Die Nepalische Rupie-US Dollar Relation Mitte der neunziger Jahre liegt bei NRs 50 pro US-Dollar. Die Dollarpreise sind auch heute noch realistisch, mit einem Eskalationsfaktor von etwa fünfundzwanzig Prozent nach oben.

  

1.0 Expeditionsausgaben für 40 Tage

1.1 6 Träger @ NRs 30 pro Tag = NRs 7 200 (US Dollar 530)

1.2 2 Sirdar @ NRs 60 pro Tag = NRs 4 800 (US Dollar 353)

Summe: NRs 2 000

1.3 Ausleihen der Ausrüstung und Ausrüstungspauschalen für Sirdar und Träger: Ausleihen der Restausrüstung: Zelte, Kleidung, Steigeisen für Träger: Kochausrüstung:

Ausrüstungspauschale: NRs 2 000 (US Dollar 295)

1.4 Nahrungsmittel für 40 Tage für: 2 Teilnehmer, 2 Sirdar, 6 Träger:

NRs 8 000 (US Dollar 590)

 

1.5 Flugscheine: Kathmandu-Lukla und zurück: 2 Teilnehmer: 4 x NRs 750 = NRs 3 000

2 Sirdar : 4 x NRs 375 = NRs 1 500 (US Dollar 330: SUMME: US Dollar 2 098)

Das ergibt pro Teilnehmer US Dollar 1 050,00 - fast die Hälfte des Betrages (2 000 US-Dollar), der für eine organisierte Trekkingtour 1982 bezahlt werden mußte.

Der Haushaltsplan für die Trekking-Expedition 1982 sah pro Person folgendermaßen aus (von und bis Bombay/Indien, also ohne die Anreisekosten nach Indien):

1.0 Expeditionskosten (siehe oben) (US Dollar 1 050)

2.0 Trekking-Permit, Visumverlängerung: NRs 300 (US Dollar 22)

3.0 Unvorhergesehene Ausgaben während der Expedition:
US Dollar 200

4.0 Aufenthalt im Tal von Kathmandu: 10 Tage @ US Dollar 20:
US Dollar 200

5.0 Reisekosten in Indien: Eisenbahnfahrt Bombay-Patna-Bombay: 1. Klasse: US Dollar 100

6.0 Aufenthalt in Indien: 10 Tage @ US Dollar 20: US Dollar 200

7.0 Diverse Kosten: US DOllar 200

SUMME: US DOLLAR: 1972,-

 

VERPLEGUNG UNTERWEGS

 

ESSEN

 

Essen ist wichtig, es ist Energieaufnahme und hält beim Höhensteigen den "Motor" am Laufen. Man darf bei einer Expedition weder zu viel noch zu wenig essen. Diese Disziplin ist unterwegs noch wichtiger als zu Hause. Wer zu viel isst, ist nicht leistungsfähig! Vor der Expeditions sollte man versuchen, das Nor malgewicht um zehn, besser noch um zwanzig Prozent herabzusetzen. Man sollte sich vor Augen halten, daß ein Stück Kuchen mit Kaffee und Schlagsahne 700 Kalorien Energie verkörpert und durch einen einstündigen Marsch über sechzehn Kilometer kompensiert werden muß. Der Abbau von einem Kilogramm Körperfett erfordert hundert Kilometer Langstreckenlaufen!

Der Normalverbraucher benötigt als durchschnittlichen Grundumsatz - ohne jegliche Bewegung - zwischen 1 500 und 1 700 Kalorien am Tag. Der vorwiegend sitzende und autofahrende Büromensch braucht nicht viel mehr als 2 200 Kalorien am Tage. Dagegen erfordern sechzehn Stunden schwere, kombinierte Fels- und Eiskletterei 10 000 Kalorien am Tage. Der Mensch muß nur mehr essen, wenn er mehr leistet. Er muß mehr trinken, wenn er mehr schwitzt. Er braucht Eiweiße, Fette, Kohlehydrate, Vitamine, Spurenelemente, Mineral- und Ballaststoffe.

Es ist nicht leicht, einen vernünftigen Expeditionsspeise zettel zusammenzustellen. Mit einfachen Mitteln und kurzen Garzeiten - was in großen Höhen wichtig ist - sollte er die Teilnehmer bei Gesundheit und guter Laune halten. Außerdem sollten die Lebens mittel möglichst leicht sein, damit Träger eingespart werden können. Man darf nicht vergessen, daß für jeden Träger zusätzliche Nahrungsmittel mitgenommen werden müssen. Nach meiner Erfahrung sollten bei einer Expedition etwa fünfundsiebzig Prozent der Gesamtkalorien aus Kohlehydraten und der Rest aus Eiweißen und sehr wenig Fetten bestehen. Der sogenannte Erschöpfungstod ist meist Folge eines völligen Abbaus der mobilisierbaren Energiespeicher, d.h. besonders der Kohlehydratvorräte. Man sollte wenig Konserven mitnehmen und berücksichtigen, daß viele Grundnahrungsmittel, wie gerade die bei den Sherpa beliebten Kartoffeln, unterwegs eingekauft werden können.

Den Speisezettel sollte man so weit wie möglich dem der Sherpa anpassen, denn die Sher pa wissen, wie man im Himalaya am Leben bleibt. Üppige und blähende Speisen - besonders in hohen Regionen - sollten vermieden werden. Auf meinen Expeditionen hat sich ein weitgehend vegetarischer Speiseplan bestens bewährt. Die Elitekrieger des Altertums, die römischen Soldaten, haben die halbe Welt mit eineinhalb Pfund Weizenkörnern als tägliche Verpflegung erobert und dabei immer wieder strapaziöse Eilmärsche durch Wüsten und über Hochgebirge überstanden. Das geröstete Gerstenmehl, das mit tibetischem Buttertee angerührt wird, das Tsampa der Sherpa, ist im Grunde nichts anderes als die römischen Weizenkörner und auch für westliche Expeditionsteilnehmer sehr zu empfehlen.

Die meisten Nahrungsmittel können unterwegs gekauft werden. Gerade in Gegenden, in denen viele Expeditionen unterwegs sind, wie im Everest- und An napurnagebiet, kann man aus ehemaligen Expeditionsbeständen viele Konserven kaufen, die von australischer Butter und dänischem Käse über polnische Wurst und deutsches Schweinefleisch bis hin zu amerikanischen Garnelen und spanischen Austern reichen. Man bekommt in Kath mandu und teilweise auch unterwegs viele ausgezeichnete indische Konserven wie Thunfisch oder Sardinen zu kaufen. Als Salzzufuhr und als begehrte Appetitanreger nach einer anstrengenden Ausdauerleistung sind Kraftbrühen wichtig, die in Nepal oft nicht erhältlich sind und die man daher von zu Hause mitbringen sollte. Es hat sich auch bewährt, aus Kathmandu Schweizer Schokolade und Schweizer Eckenschmelzkäse mitzunehmen. Die Schokolade und der Käse sollten einen persönlichen Not vorrat verkörpern, den man immer im eigenen Rucksack dabei haben sollte. Eine halbe Tafel Schokolade und drei Käseecken sind eine gute zusätzliche Kraftquelle. Die Leckerbissen, an denen einem liegt, sollte man besser selbst unter Kontrolle halten, um zu vermeiden, daß sie einfach verschwinden oder aber in den ungeeignetsten Momenten zu den unmöglichsten Speisen verkocht werden. Es ist anzuraten, ab und zu eine Be standsaufnahme der noch vorhandenen Vorräte zu machen. Eine gut geplante Vorratswirtschaft ist nicht gerade eine große Stärke der Sherpa, und es ist äußerst peinlich, ausgerechnet, beispielweise, zwischen Amphu Laptsa und West Col zu entdecken, daß der Zucker ausgegangen ist. Fluchen hilft dann auch nichts mehr.

Unter Berücksichtigung dieser grundlegenden Erwägungen habe ich für die Namibia/Zimbabwe Himalaya Expedition 1982 einen Speise zettel für vierzig Expeditionstage zusammen gestellt. Er ist für zwei Expeditionsteilnehmer, zwei Sirdar und sechs Träger berechnet. Die Träger leben hauptsächlich von Kartoffeln, Tsampa, Tshura und Tee. Kartoffeln, Frischgemüse, Tsampa und Eier wurden unterwegs eingekauft und bis in Höhen von 4 200 Meter ständig wieder ergänzt. Aufgrund der Nah rungsmittelliste wird dann die Anzahl der benötigten Träger berechnet. Die Preise sind für 1982 in US-Dollar angegeben.

NAHRUNGSMITTELLISTE (8 PERSONEN): (1982)

1. Paraffin (Kerosin) 30 kg US $ 30,00

2. Kochöl 5 kg US $ 6,00

3. Mehl 25 kg US $ 10,00

4. Dal (Linsen) 8 kg US $ 5,00

5. Reis 10 kg US $ 5,00

6. Tshura (Reisflocken) 10 kg US $ 6,00

7. Milchpulver 5 kg US $ 12,00

8. Bournvita 5 kg US $ 18,00

9. Marmelade 7 Büchsen @ 450 g US $ 7,00

10. Sardinen 15 Büchsen @ 90 g US $ 9,00

11. Fleischkonserven 40 Büchsen @ 300 g US $ 50,00

12. Thunfischkonserven 15 Büchsen @ 150 g US $ 9,00

13. Fruchtkonserven 20 Büchsen @ 450 g US $ 9,00

14. Gemüsekonserven 20 Büchsen @ 450 g US $ 18,00

15. Zucker 10 kg US $ 9,00

16. Kekse 30 Pakete US $ 6,00

17. Salz 5 Pakete US $ 1,00

18. Süßigkeiten 5 Pakete US $ 6,00

19. Tee 750 g US $ 3,00

20. Einheimischer Hartkäse (Langtang) 6 kg US $ 15,00

21. Butter 10 Pakete @ 450 g US $ 6,00

22. Plastikbeutel zum Verpacken US $ 5,00

23. Khukri Rum 3 Flaschen 0,75 l US $ 8,00

24. Tragkörbe und Schnur für 6 Träger US $ 5,00

25. Kraftbrühe 3 Büchsen (von Übersee mitzubringen)

26. Schokolade 40 Tafeln @ 100 g US $ 70,00

27. Schweizer Eckenkäse 40 Schachteln @ 250 g US $ 80,00

SUMME: US DOLLAR 408,00

Dazu kommen Kartoffeln, Tsampa, Eier, Gemüse und Essen in Garküchen: US $ 200,00. Die Gesamtsumme ist etwa US Dollar 600,00 (1982 Preise), die mit etwa dreißig Prozent auf die gültigen US Dollar Preise für die frühen neunziger Jahre eskaliert werden muß.

Die oben angegebenen Nah rungsmittel wiegen zusammen etwa zweihundertunddreißig Kilogramm. Die Hälfte dieses Gewichts muß ständig transportiert werden. Der Rest wird unterwegs hinzugekauft. Es müssen also rund einhundertundzwanzig Kilogramm Nahrungsmittel und etwa fünfzig Kilogramm Expeditionsausrüstung und Kochausrüstung, Zelte etc. getragen werden. Bei dieser Aufstellung ist berücksichtigt, daß jeder Expeditionsteilnehmer und jeder Sirdar fünfzehn Kilogramm selbst trägt. Die übrigen einhundertundsiebzig Kilogramm müssen von Trägern transportiert werden, was sechs Trägerlasten ergibt.

Entlang vielbegangener Karawanenrouten kann auch in Sherpaküchen gegessen werden. Eine typische Mahlzeit dort besteht aus zwei Tschapaties (Brotfladen), zwei Eiern, schwarzem oder Buttertee und einem Glas Tschang und kostet etwa einen US Dollar pro Person (1994 Preise). Das ist für den Himalaya relativ teuer, erspart aber wiederum Trägerkosten. Außerdem hält es den Sherpa- Sirdar und die Träger bei guter Laune, wenn man ab und zu in einer Sherpa- Batti isst und sich nicht nur selbst verpflegt. Viele Reibungspunkte auf einem Treck können durch dieses kleine Entgegenkommen vermieden werden.

Eine ganz typische Speisekarte aus dem Sherpaland (Jorsale im Oktober 1984) sieht folgendermaßen aus:

1. Reis und Gemüse US $ 0,50

2. Gebratener Reis US $ 0,40

3. Nudeln US $ 0,20

4. Gebratene Nudeln US $ 0,40

5. Gekochte Kartoffeln US $ 0,30

6. Bratkartoffeln US $ 0,40

7. Sherpa-Stew US $ 0,15

8. Tschapati US $ 0,10

9. Tschapati mit Marmelade US $ 0,15

10. Eier (Stück) US $ 0,15

11. Pfannkuchen US $ 0,20

12. Schwarzer Tee süß US $ 0,08

13. Schwarzer Tee ungesüßt US $ 0,05

14. Heiße Schokolade US $ 0,20

15. Tschang US $ 0,05

16. Reispudding US $ 0,25

17. Übernachtung in der verrußten Hütte US $ 0,20

Für 2000 müssen diese Preise auch etwa um fünfzig Prozent eskaliert werden.

Ein Wort der Vorsicht ist noch angebracht. Viele Bergsteiger, die in den Himalaya wollen, erkranken bereits auf der Anreise durch Indien, Pakistan oder Nepal und nicht erst während der eigentlichen Trekking-Expedition im Hoch-Himalaya. Um Infektionen zu vermeiden, sollte man in Indien oder Pakistan und auch in den nepalischen Städten nur in einigermaßen vertrauenswürdigen Restaurants (Tip: China Restaurants) und nur gut gargekochte Mahlzeiten essen. Bei Fleisch, Salaten, Pudding, Speiseeis und frischem Obst ist äußerste Vorsicht am Platze. Auch Bananen können gefährlich sein. Die Enden wirken geradezu als "Virusbrücken". Man sollte nur den Mittelteil der Banane essen.

Es ist kein Problem, in Kathmandu und in den größeren Bazaren unterwegs die nötigen Toilettenartikel aus aller Herren Länder zu kaufen. Besonders zu empfehlen sind die ausgezeichneten und preiswerten chinesischen Seifen und Zahnpasten. Hier sind auch alle gängigen Medikamente in den Apotheken in der Naya Sadak (New Road) erhältlich. Man sollte dort außerdem einen guten Vorrat Toilettenpapier kaufen. Einer der billigen chinesischen Regenschirme ist ebenfalls sehr zu empfehlen. Er schützt nicht nur gegen gelegentliche Monsungüsse, sondern empfindliche Typen auch gegen die Sonne. Letzteres gilt hauptsächlich für "Schneebantus" aus nördlichen Ländern und nicht für sonnengewohnte Bergsteiger aus Afrika.

 

TRINKEN

 

Sobald man in Höhen von über 4 000 Meter vorgestoßen ist, muß der ausreichenden und regelmäßigen Flüssigkeitszufuhr die allergrößte Bedeutung beigemessen werden. Gerade bei Aufenthalten in großen Höhen bleibt das Durstgefühl manchmal aus. Man muß sich zwingen, pro Tag mehrere Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen, auch wenn es schwer fällt. Flüssigkeitsmangel führt zu erhöhtem Höhenkrankheitsrisiko und zur Blutver dickung, damit zu erhöhtem Erfrierungsrisiko. Ob die Flüssigkeitszufuhr ausreicht, läßt sich an der Farbe des Urins erkennen. Dunkelgelbe Farbe ist ein gefährliches Alarmzeichen! Glasklarer Urin ist genauso wie ein niedriger Puls ein günstiges Merkmal für gute Höhenanpassung. Man sollte über die Farbe des Urins und die Pulszahl Tagebuch führen.

Die alte Weisheit "Wer wenig trinkt, muß wenig schwitzen" ist eine schlechte Weisheit. Das Gegenteil ist wahr. Trinken und schwitzen sind gleichermaßen gesund. Der gesunde Körper muß schwitzen, um die Temperatur zu regulieren und Schadstoffe auszuscheiden. Und gerade in großen Höhen, und sogar bei Kälte, schwitzt man oft unbemerkt. Die Flüssigkeit, die verloren geht, muß wieder zugeführt werden. Man sollte pro Expeditionstag wenigstens fünf bis sechs Liter trinken und notfalls in sich hineinquälen. Im Himalaya sollte man immer "einen über den Durst trinken". Der Urinaustoß sollte wenigstens einundeinhalb Liter betragen.

Die Salz- und Mineralverluste durch Schwitzen müssen durch erhöhte Salz- und Mineralzufuhr, beispielsweise durch scharfe Speisen (Curry und Chilli), tibetischen Buttertee und salzige Kraftbrühen, ersetzt werden. Besonders wichtig ist neben dem Natriumchlorid das Kalium. Bei Kaliumverarmung im Blut werden Arme und Beine kraftlos. Salz-, Mineral- und vor allem Kalium defizite können durch Elektrolytgetränke kompensiert werden.

Da besonders in Indien, aber auch auf dem Anmarsch in Nepal, alles Wasser, selbst das Zahnputzwasser, desinfiziert werden sollte, wird empfohlen, das Wasser zur Desinfektion mit Kaliumpermanganat (KMnO4) zu versetzen. KMnO4 entkeimt das Wasser nicht nur, sondern deckt auch das Kaliumdefizit. Ein Körnchen Kaliumpermanganat reicht aus, um einen Liter Wasser zu desinfizieren, wobei sich das Wasser leicht violett färbt. KMnO4 kann auch zur Desinfektion von Wunden, Halsentzündungen zum Gurgeln und zum Waschen von Obst (tief-violette Tönung des Wassers) verwendet werden. Ein Fläschchen mit KMnO4-Kristallen gehört in die Rucksackapotheke, genauso wie eine Ein-Liter-Wasserflasche nicht im Rucksack fehlen darf. Als Alternative sollte man in Indien und im Himalaya Mineralwasser trinken (auch zum Zähneputzen benützen!).

Man sollte Tee aller Art leicht gezuckert oder als tibetischen Buttertee trinken. Buttertee besteht aus den Steigen und Blättern des chinesischen Ziegeltees, der lange verkocht wird. In die schwärzliche Brühe kommen Salz und Soda sowie oft ranzige Yakbutter, die in vielen Fällen mit den Fellhaaren der Transportsäcke durchmischt ist. Bö Tscha schmeckt wie eine etwas missglückte, fette Fleischbrühe, aber man hat wenigstens den Trost, daß die Salzzufuhr gewährleistet ist und daß die kräftige Prise Soda das Wasser im Körper bindet. Die Tibeter wissen schon, was ihnen in der extremen Himalaya-Umwelt gut tut.

Alkohol gehört normalerweise nicht auf eine Himalaya-Expedition. Ein Schuss Khukri-Rum in den schwarzen Tee ist jedoch erlaubt und vor dem Schlafengehen ins kalte Zelt und in den anfangs kalten Schlafsack sehr zu empfehlen.

Klares, nicht desinfiziertes Wasser sollte nur aus den eiskalten Gletscherbächen in den Hochgebirgsregionen des Himalaya getrunken werden. Nur dort, wo eine garantierte Nicht-Verschmutzung durch menschliche Aktivitäten besteht, braucht man das Wasser nicht zu entkeimen. Im Tiefland sollten neben desinfiziertem Wasser nur Flaschen getränke wie Sodawasser getrunken werden. Tee kann man überall in Asien ohne große Bedenken zu sich nehmen. Vorsicht sollte man vor Melonen und Orangen, die "gespritzt" sein könnten, damit sie frischer aussehen, und vor in Gläsern abgefüllten Limonaden und Speiseeis walten lassen.

 

GESUNDHEIT

 

Glücklicherweise sind Expeditionsbergsteiger im allgemeinen gesunde und gut trainierte Leute. Deshalb verschwinden die meisten Gesundheitsstörungen trotz oder unabhängig von den angewandten Heilmethoden von selbst. Es gilt die Devise: "Nützt die Behandlung nichts, so schadet sie auch nichts!" Man kann nur ein "hoffentlich" hinzufügen. Die beste Vorsorge gegen Erkrankungen sind eine optimale Kondition durch entsprechendes Ausdauertraining, die Gammaglobulin spritze vor Reiseantritt und nach zwei Monaten die Erneuerungsspritze gegen Virusinfektionen, die vorgeschriebenen und empfohlenen Im pfungen, gesundes Essen und Trinken, vernünftige Lebensweise vor und während der Expedition und für den Notfall die Rucksackapotheke.

Der Himalayabergsteiger und Expeditionsarzt, Oswald Ölz, empfiehlt folgendes:

"Aufgrund der Infektionsmöglich keiten in tropischen Ländern, der Einflüsse von Höhe und Klima und letztlich wegen der Verletzungsgefahr ist die Mitnahme eines ausgewählten Medikamentensortiments durchaus sinnvoll. Es ist zu empfehlen, Medikamente zu wählen, die geschluckt werden können und mit denen man vertraut ist. Pro Stoffklasse sollte man sich jeweils auf ein Arzneimittel beschränken."

 

INFEKTIONSKRANKHEITEN

 

Für Reisen in Malarialänder (Terai und andere tiefliegende Teile von Nepal) ist eine entsprechende Prophylaxe selbstverständlich. Wegen der zunehmenden Resistenz vieler Arten von Malaria-Moskitos gegen verschiedene Medikamentengruppen müssen die richtigen Medikamente für die richtigen ortsansässigen, Malaria-übertragenden Amonopheles-Moskitos gewählt werden. Europäische Ärzte sind oft nicht informiert über die richtigen Indikationen. Deshalb sollte ein Tropeninstitut oder örtliche Ärzte für die richtige Prophylaxe befragt werden.

Durchfallserkrankungen sind sehr häufig und bedingt durch ungewohnte Ernährung und Änderung im bakteriellen Milieu des Darms meistens von unspezifischer Natur. Dementsprechend hören diese Durchfälle meistens von selbst auf, manchmal jedoch, wie ich es 1982 erlebt habe, erst nach Monaten. Weiterhin Oswald Ölz: "Wegen des großen Wasser- und Salzverlustes ist aber doch gelegentlich eine symptomatische Behandlung angezeigt. Die wichtigste Maßnahme ist der Ersatz der verlorenen Körperflüssigkeit durch Getränke. Lassen sich bei Betrachtung des Stuhls Würmer feststellen, so ist eine Wurmkur sinnvoll. Ebenso kann eine medikamentöse Behandlung bei Verdacht auf Amöbenbefall versuchsweise indiziert sein. Selten sind die Durchfälle mit Fieber verbunden, dies ist ein Hinweis für eine Infektion mit Bakterien. Dann ist ein Therapieversuch mit einem Antibio tikum angezeigt. Eine Blasenent zündung kann versuchsweise ebenfalls mit einer kurzfristigen Antibiotika-Therapie angegangen werden."

 

HÖHEN- UND KLIMAEINFLÜSSE

 

Die "Akute Höhenkrankheit sollte allen Bergsteigern bekannt sein. Sie wurde das erste Mal im Jahre 1590 von Pater Joseph de Acosta und 1892 vom Matterhornerstbesteiger Edward Whymper beschrieben. Das ganze Problem der physiologischen Veränderungen der sogenannten Höhenakklimatisierung dreht sich um die Überwindung des Sauerstoffdruckmangels, um die Körperzellen ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Über die schwerwiegenden Einflüsse, die die Höhe und der abnehmende Sauerstoffdruck auf den menschlichen Körper hat, schreibt Oswald Ölz:

"Bei der Anpassung an große Höhen macht der Körper eine Reihe von Veränderungen durch: Die Lungenatmung und der Herzschlag erhöhen sich beträchtlich. Das Blutvolumen, der Sauerstofftransport und die Hämoglobulinkonzentration wachsen. Der Körper bemüht sich, die Blutzufuhr, besonders zum Herzen, zur Lunge und zum Gehirn zu verbessern. Trotz dieser körpereigenen Abwehr gegen den sinkenden partiellen Sauerstoffdruck in großen Höhen läßt die Leistungsfähigkeit des Körpers nach. Die Fähigkeit, zum Beispiel, bis zur Erschöpfung zu rennen nimmt vom Seespiegel auf 4 000 Meter Höhe auf zehn Prozent ab."

Neben den normalen Symptomen der Höhenkrankheit wie Kopfschmerzen, Erbrechen, Atemlosig keit, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit und allgemeine Schwäche, die normalerweise allesamt nach zwei bis fünf Tagen Höhenanpassung verschwinden sollten, gibt es Anzeichen von psychologischen Problemen, die sehr gefährlich werden können. Man muß in größeren Höhen verstärkte Anstrengungen unternehmen, um irgendwelche Aufgaben zu erfüllen. Die Haltung gegenüber anderen wird kritischer. Sensationen werden stärker empfunden, andererseits sinkt die intellektuelle Bereitschaft und die Fähigkeit zu denken. Der Widerstand gegen irgendwelche Aufträge oder "wie etwas gemacht werden müsse" wächst. Ebenso wächst die Vergesslichkeit, und irgendwelche Gedanken kehren ständig wieder und kreisen wie eine Gebetsmühle im Kopf herum. Die Konzentrationsfähigkeit und die Fähigkeit zu rechnen nehmen rapide ab, obwohl die Intelligenz normal zu sein scheint. Das Urteilsvermögen ist oft eingeschränkt, was auf Expeditionen ein großes Risiko sein kann. Die Reaktionszeit wird länger und emotionelle Reaktionen sind nicht mehr voraussagbar. Illusionen und Halluzinationen nehmen dramatisch zu.

Oswald Ölz schreibt weiter: "Die Erscheinungen der akuten Höhen krankheit sollen nach Möglichkeit durch "vernünftigen Aufstieg" vermieden werden. Eine medikamentöse Behandlung ist nur bei leichten Störungen, wie Kopfweh und Schlaflosigkeit, erlaubt. Kopfschmerzen können mit Aspirin oder einem Kombinationspräparat behandelt werden. Reagieren die Kopfschmerzen auf diese Therapie nicht, ist abzusteigen. Schlaflosigkeit wegen Höhenexposition kann mit entsprechenden Schlafmitteln behandelt werden."

Aber Vorsicht: Ich habe die Erfahrung gemacht, daß durch die Einnahme von Schlafmitteln Atemlosigkeitsanfälle hervorgerufen werden, so daß ich später völlig auf die Einnahme von Schlafmitteln verzichtet habe.

Wie kommt es zur akuten Höhenkrankheit? Wenn der Körper nicht in der Lage ist, die vorprogrammierten höhenphysiologischen Veränderungen zu vollziehen, kommt es zu einer Kettenreaktion von Krankheitszeichen, die zu dem lebensbedrohenden Lungenödem oder Gehirnödem, mit intensiven Kopfschmerzen, Halluzinationen, Stumpfheit, Erstarrung, Paralyse der Schädelnerven und Koma, führen können.

Oswald Ölz schreibt weiter: "Die Therapie des Höhenlungenödems ist der sofortige Abstieg oder Abtransport. Lediglich als Überbrückungsmaßnahmen können Nitroglyzerin-Kapseln oder bei starken Beschwerden Morphium gegeben werden."

Die indische Wehrmacht schreibt folgendes erfolgversprechende Höhenanpassungsprogramm vor:

1. Stadium: 2 800 Meter: 6 Tage:

1.-2. Tag: Ruhetage, keine Außenaktivitäten;
3.-4. Tag: Langsames Laufen auf ebenem Grund: 1,5 km;
5.-6. Tag: 3 km laufen und 100 m Hochsteigen.

2. Stadium: 3 800 Meter: 4 Tage:

1.-2. Tag: Langsames laufen auf ebenem Grund: 1,5 km;
3.-4. Tag: 3 km laufen und 100 m hochsteigen.

3. Stadium: 4 800 Meter: 4 Tage: Programm wie beim 2. Stadium.

Über die Behandlung mit entwässernden Mitteln, wie zum Beispiel Diamox, sind die Meinungen der Experten noch geteilt. Ich habe das Gefühl gewonnen, daß es bei der Behandlung eines akuten Höhenödems teilweise geholfen hat. Oswald Ölz fasst zusammen: "Beim Hirnödem der Höhe ist die Therapie ebenfalls der Abstieg."

Die Höhenluft und die verstärkte Atmung verursachen eine Austrocknung von Schleimhäuten mit Halsweh und Halsentzündung, Husten, Bronchitis, sowie bei zusätzlicher Infektion, eitrige Bronchitis und Lungenentzündung. Dieses Halsweh ist für viele Höhenbergsteiger fast obligat und wird mit allerlei Lutschtabletten mehr oder weniger erfolgreich angegangen. Gegen den Höhenhusten gibt man während des Tages Hustenbonbons, bei störendem, quälendem Husten in der Nacht Codein oder einen codeinhaltigen Hustensaft. Wird die Bronchitis durch eitrigen Auswurf kompliziert, stellt sich Fieber ein und finden sich schließlich die Zeichen einer Lungenentzündung, dann ist neben dem Abstieg die Verabreichung eines Antibiotikums angezeigt.

Der erhöhte Druck im Bauchraum durch die verstärkte Atmung und durch das Schleppen schwerer Lasten führt bei entsprechend disponierten Bergsteigern zum Auftreten von Hämorrhoidalbeschwerden mit sehr schmerzhaften Zuständen. Abhilfe schaffen Hämorrhoidalzäpfchen, Hämorrhoidal-Salbe und entsprechende Bäder. Ein dünner Stuhl, der durch Zufuhr von reichlich Flüssigkeit und eventuell durch die Beigabe eines milden Abführmittels bewirkt wird, schafft ebenfalls Erleichterung.

Bergsteiger mit Schneeblindheit leiden oft unter sehr starken Schmerzen und sind durch die Schneeblindheit vielleicht sogar unfähig zum Abstieg. Erste Hilfe in diesem Fall: Sofort lokal betäubende Tropfen ins Auge träufeln und den Bergsteiger so rasch wie möglich in ein dunkles Zelt in tiefere Höhenlagen bringen. Die Augen dürfen dann nur mit einer antibiotischen Salbe, nicht aber mit Steroidsalbe behandelt werden.

 

CHIRURGISCHE PROBLEME

 

Die Erfrierungsgefahr ist eine Funktion von niedrigen Temperaturen, hohen Windstärken und Feuchtigkeit sowie der Blutverdickung durch die Zunahme von roten Blutkörperchen durch die Abnahme des partiellen Sauerstoffdruckes. Oswald Ölz empfiehlt folgende Behandlungsweise:

"Für Erfrierungen gibt es keine wirkungsvolle, anerkannte Therapie. Erfrorene Extremitäten sollten so weit wie möglich geschont und vor jeglicher Verletzung geschützt werden und sind nach anfänglichem raschen Auftauen weich zu verbinden."

Ausgezeichnete, proteinreiche und geschmackvolle Ernährung, viel Vitamin C und gute Kleidung bieten die beste Vorbeugung gegen Erfrierungen. Ein weiterer Schutz besteht darin, daß man versuchen sollte, Finger und Zehen so oft wie möglich zu bewegen.

Oswald Ölz empfiehlt weiterhin: "Ein Sortiment von Pflastern, Verbandsstoffen und elastischen Binden hilft, die kleinen Probleme mit Blasen, Verrenkungen und schmerzenden Gliedmaßen zu meistern. Stärkere Gelenks- und Muskel schmerzen dürfen kurzfristig mit einem anti-rheumatischen Medikament behandelt werden."

Wichtig ist außerdem die Mitnahme elastischer Binden für Knie- und Fußgelenke, die bei Überbeanspruchung große Beschwerden machen können. Besonders die Knie sind bei langen Abstiegen gefährdet. Man spricht im Himalaya von "Sahib's Knie", das besonders schonend und fürsorglich behandelt werden sollte. Entlastung, Ruhe, schmerzstillende Mittel, entsprechende Einreibesalben und die elastische Binde verschaffen hier die einzige Erleichterung.

Es ist dringend zu empfehlen, sich vor und nach der Trekking-Expedition einer gründlichen fachärztlichen Untersuchung mit allen dazugehörigen Testen zu unterziehen. Bei der Zusammenstellung der Rucksackapotheke sollte ein Arzt um Rat gefragt werden. Die Haltbarkeitsdauer der Medikamente muß beachtet werden. Unterwegs müssen die Arzneimittel vor Staub, Hitze und Feuchtigkeit geschützt werden. Man sollte sich besonders bei schmerzstillenden Medikamenten und Schlafmitteln vor Gewöhnung hüten und sie daher wirklich nur im Notfall nehmen. Antibiotika wirken sich vor allem in großen Höhen negativ auf die Leistungsfähigkeit aus. Wenn man Antibiotika nehmen muß, dann sollte man "klotzen und nicht kleckern" und die antibiotische Kur bis zur letzten Pille zu Ende führen. Mein Vorschlag für eine Rucksackapotheke, basierend auf mehr als vierzig Jahren Himalayaerfahrung, wird in der nächsten Aufstellung gezeigt:

Mein Vorschlag für eine Rucksackapotheke:

1. Antacidum gegen Magenübersäuerung;

2. Antibiotikum gegen bakterielle Infekte: gegen Blasenentzündungen, eitrige Bronchitis, Lungenentzündung, Durchfall mit Fieber, Blinddarmentzündung und andere bakterielle Entzündungen;

3. Durchfallmittel: a. Banaler Durchfall, b. Wurmverdacht, c. Amöbenverdacht

d. Durchfall mit Fieber (Antibiotikum);

4. Abführmittel;

5. Entwässerndes Mittel bei Höhenkrankheit;

6. Nitroglyzerin: gegen Höhenkrankheit;

7. Halsschmerzlutschtabletten;

8. Hustenmittel: Hustenbonbons, Codein;

9. Hämorrhoiden: Salben und Zäpfchen;

10. Hautverletzungen: Desinfizierende Salbe;

11. Mittel gegen Entzündungen: äußerlich;

12. Malariaprophylaxe;

13. Schlafmittel;

14. Schmerzmittel: a. Gängige Schmerzmittel wie Aspirin, b. Antirheumatikum, c. Codein, d. Mittel gegen schwere Schmerzen, wie etwa "Valoron" oder entsprechendes;

15. Schneeblindheit: Augentropfen;

16. Verbandsmaterial: Schnellverbände, Verbandsspray, Pflaster, Tupfer, sterile Augenbinde, elastische Binden, Schere, Pinzette, Kammerschiene für Knochenbrüche;

 17. Vitamin- und Mineralbrausetabletten.

 

UNTERWEGS AUF EXPEDITION

 

Irgendwann vor dem Aufbruch von zu Hause ist man überzeugt, alles bedacht und gewissenhaft vorbereitet zu haben, aber in den ersten Tagen der Reise beschleicht einen dann doch immer das schlimme Gefühl, etwas Entscheidendes vergessen zu haben. Man hat die Anreise durch Indien oder Pakistan hinter sich gebracht, und sobald die ersten Schritte auf einer neuen Expedition gemacht sind, löst sich der Vorbereitungsstress langsam auf. Nach einigen Tagen und den ersten Blasen an den Füßen gewöhnt man sich schnell wieder an den Expeditionsalltag. Die übrige Welt mit all ihren Zivilisationsverrücktheiten versinkt, und man hat schon nach kurzer Zeit das Gefühl, als wäre man seit Jahren unterwegs. Autos, selbst einfache Fahrzeuge auf Rädern, Elektrizität, Telephon, Fernsehen, Flugzeuge, Computer, alles das ist verschwunden, als ob es diese Dinge niemals gegeben hätte, und man vermisst sie auch nicht. Täglich ist man mehr davon überzeugt, daß eine Trekking- Expedition - richtig verstanden und richtig angepackt - die schönste Art und Weise ist, sein Leben zu "erleben". Aber selbst hier, in dieser noch unberührten Welt, sind einige Worte der Überlebenshilfe am Platze.

Die klimatischen Unterschiede sind genauso extrem wie der Himalaya selbst. Es kann einem passieren, daß man nachts im Zelt minus dreißig Grad Celsius erlebt und sich am nächsten Tag in der reflektierenden Höllenglut bei plus fünfzig Grad Celsius über einen Gletscher schleppt. Man kann sich dagegen nur mit vernünftigem Verhalten und entsprechender Kleidung wappnen.

Man muß sich darauf einrichten, daß ärztliche Hilfe im allgemeinen nicht erreichbar ist und daß man sich im Krankheits- oder Verletzungsfalle selbst helfen muß. Auf Rettungsflüge mit einem Hubschrauber sollte man sich infolge schwieriger Wetterverhältnisse und kaum vorhandener Kommunikationsmöglichkeiten besser nicht verlassen. In Höhen über 5 000 Meter ist eine Hubschrauberrettung kaum durchführbar, da die in Nepal und anderen Himalayaländern vorhandenen Hubschrauber nicht in solche Höhen aufsteigen können. Die Nachrichtenübermittlung durch Läufer zur Hubschrauberzentrale dauert mehrere Tage und ist zudem zweifelhaft. Falls die Nachricht wirklich richtig übermittelt worden ist, ist es fraglich, ob der Hubschrauber den Hilfebedürftigen in der Hochgebirgswildnis des Himalaya auch tatsächlich findet. Trotzdem kann eine Hubschrauberrettung manchmal zur letzten Überlebenschance werden. Daher ist es anzuraten, in Kathmandu oder Islamabad, eine Versicherung für Hubschrauberrettungen abzuschließen. Diese Rettungsaktionen sind nämlich recht kostspielig: Einige tausend US-Dollar sind schnell ausgegeben.

Die ersten Expeditionswochen werden von der Notwendigkeit einer vernünftigen Höhenanpassung diktiert. Man sollte nicht der Versuchung erliegen, sich das Leben zu leicht zu machen. Zu einer sinnvollen Akklimatisierung gehört es, den Rucksack selbst zu tragen und ihn nicht einem Träger aufzubürden. Der Körper passt sich unter Last leichter an große Höhen an als ohne. Zur Höhenanpassung gehört außerdem, daß man sich Zeit läßt und in den ersten Tagen nicht übertreibt. Das "pole, pole" (langsam, langsam) der Kisuaheli-Führer vom Kibu Berg, dem höchsten Berg Afrikas in Tansania, sollte man gerade auch im Himalaya beherzigen. Man sollte pro tausend Meter Höhenanstieg über 4 000 Meter eine Woche Akklimatisierung zulassen. Wenn man einen 6 000 Meter hohen Berg besteigen will, braucht man demnach eine durchschnittliche Anpassungszeit von zwei Wochen.

Neben den deutlichen Symptomen der Höhenkrankheit müssen während der Expedition ständig Puls und Urinausscheidung beobachtet werden. Wenn der Ruhepuls am Morgen maßgeblich (zwanzig Prozent oder mehr) über dem gewohnten morgendlichen Puls liegt, so ist das ein deutliches Zeichen dafür, daß man sich noch nicht ausreichend akklimatisiert hat. Wenn die tägliche Urinmenge unter einem Liter liegt und die Urinfarbe goldgelb ist, dann muß das ebenfalls als ein Alarmzeichen angesehen werden. In diesem Falle muß man große Mengen trinken. Man darf auch nicht vergessen, die Salz- und Mineralverluste, die durch Schwitzen, Durchfall und Erbrechen auftreten können, zu ersetzen. In beiden Fällen, bei einem zu hohen Ruhepuls und zu niedriger Urinausscheidung, sollte man nicht weiter aufsteigen, sondern besser absteigen. Es gibt bisher kein Medikament, das die Akklimatisierung erleichtert. Man kann nur die Symptome zum Teil bekämpfen.

Bei Anzeichen der Höhenkrankheit wird zwischen milden und ernsthaften Symptomen unterschieden. Die milden Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Appetit- und Schlaflosigkeit und bei großer Anstrengung Atemlosigkeit sowie Schwindel- und Kältegefühle und Mangel an Willenskraft. Sie verschwinden bei einer richtig geplanten Anpassungsphase nach einigen Tagen. Die milde Form bekommt fast jeder Bergsteiger, der sich in Höhen über 3 500 Meter begibt. Diese Symptome sind jedoch nicht als ausgesprochen gefährliche Alarmzeichen anzusehen.

Gefährlich wird es erst, wenn die Symptome nach ein bis zwei Wochen nicht verschwinden. Höchste Gefahr besteht, wenn man auch im Ruhezustand im Zelt von Atemlosigkeit geplagt wird, wenn zu einem brodelnden Geräusch in der Brust rasselnder, keuchender Husten mit Auswurf hinzukommt (Gefahr des Lungenhöhenödems), wenn schwerste Kopfschmerzen von völliger Teilnahmslosigkeit und Inaktivität begleitet werden, wenn im normalen Verhalten des Bergsteigers Änderungen auftreten (Gefahr des Gehirnhöhenödems) und sich die typische grau-blaue Gesichtsfarbe zeigt. Wenn eines oder mehrere dieser Anzeichen vorliegen, dann besteht unmittelbare Lebensgefahr. Es muß der sofortige Abstieg oder Abtransport in tiefere Regionen erfolgen. Man sollte unter diesen Umständen ernsthaft eine Hubschrauberrettung in Erwägung ziehen, denn dann wird der Bergsteiger zum Patienten und gehört unter fachärztliche Aufsicht.

Der Höhenbergsteiger muß sich immer vor Augen halten, daß man mit der Höhenkrankheit nicht spielen kann. Sie ist auch mit eiserner Willensanstrengung nicht zu überwinden. In über 5 000 Meter Höhe akklimatisiert sich der Mensch kaum noch. In Höhen über 6 000 Meter Höhe kann man sich ohne ernsthafte Folgen nicht längere Zeit aufhalten. Hier beginnt die Todeszone, und der gequälte Organismus reagiert mit schweren Störungen.

In 5 500 Meter Höhe beträgt der Sauerstoffdruck nur noch die Hälfte und bei 7 000 Meter ein Drittel des Normaldruckes auf Meereshöhe. Diese dramatische Abnahme des Sauerstoff-Partialdruckes ist die Ursache für das Streiken des menschlichen Organismus. Durch erhöhte Pulsschlagfrequenz und die erhöhte Produktion von roten Blutkörperchen versorgt sich der Körper mit mehr Sauerstoff. Die Vermehrung der roten Blutkörperchen steigert jedoch die Erfrierungsgefahr. Deshalb kann die Erfrierung von Gliedmaßen in Höhen von über 5 000 Meter bei durchaus mäßigen Frosttemperaturen auftreten. Bei Erfrierungen darf die Froststelle niemals mit Schnee eingerieben werden. Dadurch wird alles nur noch schlimmer. Ebensowenig sollte der erfrorene Körperteil massiert werden. Und durch den Genuss von alkoholischen Getränken erreichte man bei größerer Kälte das Gegenteil des Erhofften: Alkohol beschleunigt den Blutkreislauf und läßt damit nur noch mehr Körperwärme abfließen. Die wichtigste Therapie bei Erfrierungen ist die Zufuhr von Wärme. Man muß die betroffenen Körperteile möglichst schnell auftauen, auch wenn es noch so weh tut. Man muß sie an den wärmsten Körperstellen aufwärmen und notfalls auf sie urinieren.

Um Erfrierungen zu vermeiden, sollten die Handschuhe bei großer Kälte - besonders bei starkem Wind - nie ausgezogen werden. Man sollte über den Handschuhen noch ein Paar Daunenhandschuhe tragen. Dem Unglück von Maurice Herzog, dem beide Hände erfroren, nachdem ihm 1950 bei der Erstbesteigung der Annapurna die Handschuhe im Sturm davongeflogen waren, kann man entgehen, indem man seine Handschuhe durch eine Schnur um den Hals und durch einen Ärmel sichert. Wer die Handschuhe verliert, kann sein Leben verlieren! Man muß mit der Schnur um den Hals allerdings auch aufpassen. Einige Male hätte ich mich beim Klettern fast damit erwürgt. Trotzdem ist das System mit Schnur und Karabinerhaken zu empfehlen - besonders für begeisterte Fotografen.

Um Erfrierungen rechtzeitig entgegenwirken zu können, sollte man immer wieder auf weiße Hautstellen achten. Ansonsten ist Daunenbekleidung der beste Schutz gegen Erfrierungen. Auch Unterhandschuhe, Socken und eine Sturmhaube, alles aus reiner Seide, haben sich bewährt. Über den Daunenanorak sollte vor allem bei starkem Wind noch eine Windschutzkleidung getragen werden. Nasse Kleidungsstücke sollten so schnell wie möglich gewechselt und anschließend im Schlafsack getrocknet werden.

Es ist selbstverständlich, daß Hygiene und Körperpflege auch auf einer Extremtour nicht vernachlässigt werden sollten. Im allgemeinen tragen große Höhen und die nicht gerade schweißtreibenden tiefen Temperaturen nicht zu einem gesteigerten Waschbedürfnis bei. Ab und zu sollte man sich aber doch zu einer Miniwäsche in einem eiskalten Gletscherbach zwingen. Man fühlt sich danach besser, und außerdem ist ein gewaschener Körper ein warmer Körper. Es ist ein Märchen, daß Dreck isolierend wirke. Gerade in großen Höhen und bei großer Kälte muß neben optimalem Essen und Trinken auf die Körperpflege geachtet werden, denn nur so kann die notwendige Energie- und Wärmezufuhr gewährleistet werden.

Wenn man in einen kalten Gletscherbach gefallen ist, hilft es, sich sofort im Schnee zu wälzen, da der Schnee die Nässe der Kleidung aufsaugt. Anschließend läuft man am besten gleich weiter, um Bewegungswärme zu erzeugen.

Man tut gut daran, sich dem Tagesrhythmus der Träger anzupassen. Etwa um 5Uhr30, wenn der Morgen graut, wird aufgestanden. Frühstück gibt es nicht, sondern nur Tee und einige Kekse. Da hilft dann der eigene Schokoladen-, Käse- oder Müslivorrat. In der Frühe wollen die Träger ein möglichst großes Stück Weges zurücklegen, weil dann die Lawinen- und Gletscherspalteneinbruchsgefahr am geringsten ist. Etwa um zehn Uhr wird an einem geschützten Platz, der Wasser hat, gekocht und die Hauptmahlzeit des Tages vertilgt. Ein guter Appetit bedeutet, daß man ausreichend akklimatisiert ist.

Gegen 11Uhr30 geht es dann weiter. Nicht viel später als 16 Uhr wird ein Schlafplatz gesucht und das Nachtlager aufgeschlagen. Hier wird dann die zweite Mahlzeit des Tages zubereitet. Sobald es dunkel wird, wird es eiskalt, und man begibt sich am besten direkt nach dem Abendessen in den Schlafsack im Zelt, wo man noch Musik hören oder Tagebuch schreiben kann.

Das Tagebuchschreiben sollte zur systematischen Routine werden. Es ist ein gutes Ventil für aufgestaute Gefühlserlebnisse, denn man kann seinen Emotionen ruhig freien Lauf lassen und die gewaltigen physischen- und psychischen Erlebnisse so niederschreiben, wie man sie im Moment empfindet. Eine Extremtour ist ja immer auch eine "Reise zu sich selber", und das Tagebuchschreiben hilft, das innerste "Ich" zu finden. Hinterher ist das Tagebuch dann ein gültiges Dokument der Erfahrung, die leicht "das" Erlebnis des Lebens gewesen sein kann.

Beim Anmarsch in die unbewohnten Hochregionen des Himalaya hat man als Teilnehmer einer Kleinst-Expedition immer wieder Gelegenheit, in den Häusern der gastfreien Bergbewohner oder in buddhistischen Gompas zu übernachten. Die Palette der nächtlichen Unterkunft reicht dabei vom Auslegen des Schlafsacks in einer verrußten Sherpahütte bis hin zum, den Göttern verdienstvollen, Lager vor einer großen Gebetsmühle in einem Kloster. Man bekommt auf diese Art und Weise tiefe Einblicke in das Leben der Sherpa, wenn auch nicht immer eine ungestörte Nachtruhe. Es ist nicht jedermanns Sache, Ohren- und Nasenzeuge eines großen Sherpanachtlagers zu werden. Meistens sitzt oder liegt ein alter Sherpa oder Lama in einer Ecke der Hütte und vertreibt seine Schlaflosigkeit mit stundenlangen, monotonen Gebetslitaneien. Der durchdringende Rauch brennt die ganze Nacht hindurch in den Augen. Man kann dem allen natürlich entgehen und sein Zelt draußen aufschlagen. Man vertauscht dann das Augentränen im warmen Mief mit einem gesünderen Zähneklappern in der Kälte draußen. Ständig brummende und gegen das Zelt stoßende Yaks können allerdings auch recht störend sein.

Übernachtungen in Sherpahäusern sind in der Regel sehr billig. Sie kosten nicht mehr als ein paar Rupien oder sogar gar nichts, wenn man bei den Sherpa für ein kleines Entgelt einen Riesenberg Kartoffeln kauft und kochen läßt. Leider ist diese großartige Gastfreundschaft der Einheimischen schon oft von gewissenlosen Individuen missbraucht worden. Deshalb hat die nepalische Regierung Trekkingtouren, die privat und nicht von einer anerkannten Trekking-Agentur organisiert wurden, zeitweilig untersagt. Man sollte die angebotene Großzügigkeit der Einheimischen ruhig annehmen, sich dann aber seinerseits großzügig zeigen. Freundlichkeit, Takt und Bescheidenheit können vieles wieder gut machen, was andere verdorben haben.

Gegen Lawinen- und Schneebrett gefahr oder ungünstige Wetter verhältnisse kann man sich im Hoch-Himalaya kaum absichern, wohl aber gegen Abstürze. Drei tödliche Abstürze am Mount Everest im Jahre 1984 sind kaum zu verstehen und hätten sich vielleicht vermeiden lassen. Man sollte sich nie mehr zumuten, als das, wozu man mit Sicherheit fähig ist. Vernünftige bergsteigerische Aktivitäten und die Einhaltung der vorher genannten Verhaltensregeln sind die beste Versicherung dafür, daß man von einer anspruchsvollen Trekkingtour mit großer Wahrscheinlichkeit heil wieder nach Hause kommt.

Der Erfolg einer solchen Tour ist um so größer, wenn man sich in die Mentalität der Himalayavölker und ihre geistige Umwelt vertieft und versucht, sie zu verstehen. Mit Offenheit und Takt, Freundlichkeit, Ehrlichkeit und Achtung vor einer fremden Kulturwelt kann man viele Schwierigkeiten überbrücken und dafür sorgen, daß eine Trekking-Expedition in den Himalaya einer der Lebenshöhepunkte wird.

Eine Reihe von Trekking-Expeditionen, die ich aus eigener Erfahrung im Nepal-Himalaya kenne, wird im Anhang 3 vorgestellt

 

REISEZEIT

 

Nepals Klima wird wesentlich vom Sommermonsun geprägt, der im Durchschnitt von Ende Mai bis Ende September dauert. In dieser hochsommerlichen Zeit fallen achtzig bis neunzig Prozent der gemittelten jährlichen Niederschläge. Für Trekkingtouren mit Expeditionscharakter sind in den Monsun-beeinflussten Gebirgen des Himalaya, in Indien, Pakistan, Nepal und Bhutan, nur die Monate vor dem Monsun, von März bis Mai, sowie die Nachmonsunzeit, von September bis November, geeignet. Für Trekkingtouren in den Karakorum und nach Tibet sind jedoch die Hochsommermonate von Juni bis September am geeignetsten, da der Einfluß des Monsuns nicht bis dorthin reicht. In diesen Angaben liegt ein gewisses Maß von Unsicherheit, da sich die Monsunzeit leicht um einige Wochen verschieben kann. Das bringt natürlich jedes Expeditionsprogramm durcheinander und hat so manche Expedition scheitern lassen. Mit dieser Unsicherheit muß man leider leben.

In der Vormonsunzeit wird es ab April in den dem Sommermonsun ausgesetzten Gebieten des Himalaya schnell warm, was für größere Höhen günstig ist. Dafür nimmt allerdings die Gewitter- und Wolkenbildung mit entsprechender Neuschnee- und Lawinengefahr zu. Die Sicht ist lange nicht so gut wie in der Nachmon sunzeit. Aber die Nächte sind wärmer. Die hohen Himalayagipfel sind oft schon am frühen Vormittag in Wolken gehüllt. Zu dieser Jahreszeit blüht in den Tälern jede Blume und jeder Strauch. Besonders zauberhaft sieht der Rhododendron aus, und der Kontrast seiner verschiedenen Rot-Töne zum Eis des Hoch-Himalaya ist von nicht zu überbietender Schönheit.

Die Monsunzeit ist für Trekkingtouren nicht geeignet. Wenn man ein besonders harter Trekker ist, kann man sich zu dieser Jahreszeit höchstens in den Tälern des äußeren Himalaya bewegen. Die Massen der überaus angriffslustigen Blutegel muß man dann besser ignorieren. Der Monsun kann bis Mitte Oktober dauern, aber danach kann man mit etwa sechs Wochen stabiler Wetterlage rechnen. Man hat in dieser Zeit eine phantastisch klare Sicht und einen tiefblauen Nachmonsunhimmel. Ab Anfang November wird es dann schnell sehr kalt. Besonders in den Nächten kann das Thermometer auf arktische Temperaturen sinken. Trotz der größeren Kälte und der eventuell kürzeren Gutwetterperiode wird die Nachmonsunzeit für extreme Trekkingtouren empfohlen.

Der Winter, der Ende November beginnt und bis Anfang März dauert, kann wegen der Kälte und der gewaltigen Winter stürme nicht für Höhentouren empfohlen werden.

 

PARTNER AUF EXPEDITION

 

Leider hört man oft genug, daß Bergkameraden, die als Freunde auf eine Expedition aufbrachen, als Feinde zurückkehrten. Der weltberühmte Psychologe, Nobelpreisträger Konrad Lorenz, schrieb dazu: "Der sogenannte Expeditionskoller befällt bevorzugt kleine Gruppen von Männern, wenn diese in gewissen Situationen ganz aufeinander angewiesen und damit verhindert sind, sich mit fremden, nicht zum Freundeskreis gehörenden Personen auseinanderzusetzen. Der Stau der Aggression wird um so gefährlicher, je besser die Mitglieder der betreffenden Gruppe einander kennen, verstehen und lieben. In solcher Lage unterliegen alle Reize, die Aggression und innerartliches Kampfverhalten auslösen, einer extremen Erniedrigung ihrer Schwellenwerte. Subjektiv drückt sich dies darin aus, daß man auch kleine Ausdrucksbewegungen seiner besten Freunde, darauf wie sich einer räuspert oder schnäuzt, mit Reaktionen anspricht, die adäquat wären, wenn einem ein besoffener Rohling eine Ohrfeige hingehauen hätte."

Als im Jahre 1956 Albert Eggler, der Leiter der erfolgreichen Schweizer Everest Expedition, gefragt wurde, wie er nur monatelang immer die gleichen Gesichter aushalten hatte können, antwortete er: "Ich hätte sie alle ermorden können, nur die Angst vor den Ehefrauen bei meiner Rückkehr hielt mich davon ab."

Die Enge des Zusammenlebens, das "Sich nicht aus dem Wege gehen können" in einer beengten Zeltsituation, der Dauerzustand von Gefahr, Höchstanstrengung, Furcht und Einsamkeit, alles das führt in den Teufelskreis der Aggression gegen den Gefährten. Aus diesem Teufelskreis findet man nur selten wieder heraus, obwohl man nicht versteht, warum man aus nichtigen Anlässen immer wieder wie ein "Sektpropfen" in die Luft geht. Man kennt die verschiedenen Schwarzenbach'schen Stadien der Psychologie des Höhenbergsteigens: Das Scheuklappenstadium, das Sekt pfropfenstadium und das Hallelujahstadium. Man weiß, daß diese Stadien durch die Höhe hervorgerufen werden und oft mehr physische als psychische Ursachen, wie zu geringen Sauerstoff im Gehirn, haben.

Das mußte bereits Anfang dieses Jahrhunderts der britische Bergsteiger Tom Longstaff erfahren. Er wollte auf einer Himalaya-Expedition auch Gipfelhöhen messen. Bei seiner Rückkehr mußte er zu seinem Leidwesen feststellen, daß alle seine Theodolit lesungen verkehrt waren.

Man weiß auch, daß die "Interessengemeinschaft" der Expeditionsgefährten auf Gedeih und Verderben zusammengeschweißt ist, aber eine Lösung für zwischenmenschliche Konfliktsituationen findet man trotzdem nicht. Konflikte schwelen oft für Wochen bis zum Siedepunkt. Sie werden nicht ausdiskutiert, sondern in sich hineingefressen. Verschiedene Ansichten und Meinungen stehen sich plötzlich völlig unversöhnbar gegenüber. Die Extremsituation, die man nicht ändern kann, wirkt dabei als Verstärker.

Die zwischenmenschlichen Spannungen sind nach meiner Erfahrung Teil einer Expedition, den man hinnehmen muß. Mit ein wenig Einfühlungsvermögen, Takt und gesundem Menschenverstand kann man sie aber weitgehend dämpfen und abbauen. Ein gewisser Verdrängungs- oder Nicht-Beachtungs-Mechanismus kann hier sehr hilfreich sein. Das "Verdrängen" darf aber nicht mit "Hineinfressen" verwechselt werden. Ganz sicher spielt die Wahl des "richtigen" Gefährten eine wichtige Rolle.

Obwohl sich der Himalayabergsteiger nur für begrenzte Zeit in großen Höhen aufhält, und obwohl er im allgemeinen für seine Expedition oder seinen Treck sehr stark motiviert und gut vorbereitet ist, so ist doch das freiwillig auferlegte Martyrium der großen Höhe von einiger psychologischer Bedeutung. Man stellt sich immer wieder die Frage, warum nur man sich solche Gefahr und Anstrengung auferlegt hat. Jeder wird diese Frage natürlich anders beantworten. Die Beantwortung dieser Frage spielt auch eine Rolle in dem Verhältnis von Partnern untereinander.

Es gibt nicht nur einen Per sönlichkeitstyp, den es in große Höhen zieht. Die meisten Bergsteiger haben eine gehörige Portion Abenteurerblut in sich. Sie sind Natur- und Bergliebhaber. Man bekommt das Gefühl, daß nach einer Expedition in die hohen Berge der Welt das Leben in den Niederungen lebenswerter wird. Es gibt ganz sicher noch viele andere Gründe. Man muß aber bei der Partnerwahl berücksichtigen, daß Personen, die es in den Himalaya zieht, abnormale psychologische Eigenschaften aufweisen können. Solche Persönlichkeiten grenzen sich gerne vom Rest der Menschheit ab, fühlen sich als etwas Besseres. Sie können überselbstbewußt, extrovertiert und anmaßend sein. Andere, wiederum, haben lebenslange Minderwertigkeitskomplexe, die sie durch eine Himalaya-Expedition kompensieren müssen. Es gibt neurotische Typen, Persönlichkeiten mit dominierenden Abhängigkeitsmerkmalen, Altruisten und Masochisten. Den idealen Partner scheint es demnach nicht zu geben.

Der entscheidungsfreudige, konfliktlose Alleinreisende mit starker Persönlichkeit hat diese psychologischen Partnerprobleme natürlich nicht. Leider scheidet diese Art des Reisens bei den meisten Himalaya-Expeditionen aus, da man einen Partner braucht.

Psychologen haben herausgefunden, daß Mann und Frau allein die idealsten Ex peditionspartner sind, vorausgesetzt, daß man auf die klassische Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern verzichtet. Je größer die Zuneigung zwischen den beiden ist, desto leichter werden die Anstrengungen, Entbehrungen und Stimmungsschwankungen des anderen ertragen.

In Fällen, in denen man sich mit dem Gefährten gleichen Geschlechts zusammentut, muß man sich der unausweichlichen Kampfsituation bewusst sein. Die einen reagieren mit Wutausbrüchen, andere leben grollend und resignierend nebeneinander, sind überempfindlich oder ständig beleidigt. Man muß sich vor der Expedition auf diese Situation einstellen und vorher darüber sprechen, daß es unweigerlich so kommen wird und daß man Spannungen als unvermeidlich hinnehmen muß. Hinterher darf man nicht nachtragend sein, sondern sollte über die Reibereien lachen. So kann man vermeiden, daß aus einer vorübergehenden Kampfsituation eine dauerhafte wird.

Man sollte während der Expedition immer wieder miteinander reden, auch über die schwelenden Konflikte. Unter gar keinen Umständen darf man sich ständig anschweigen und die Wut hinunterschlucken. Man sollte nicht versuchen, ihn um jeden Preis zu überzeugen. Stattdessen sollte man versuchen, sich in den Gefährten hineinzuversetzen. In Perioden von Erschöpfungszuständen sollte man den Partner jedoch in Ruhe lassen; ihn zur Kommunikation zu zwingen, hat keinen Zweck.

Ein Lob zur rechten Zeit hat schon manche Freundschaft eine Expedition überdauern lassen. Das "bayrische" Prinzip: "Nicht geschimpft ist genug gelobt" zählt nicht im Himalaya.

Man sollte sich vor der Expedition darüber einig sein, was jeder zu tun hat. Wer ist der Organisator, wer sorgt für die Ausrüstung, die Verpflegung, Permits, Träger usw.? Wer ist der Leiter? Auch über die Ziele und die Dauer der Expedition muß man sich rechtzeitig einigen. Bei den Expeditionskosten sollte man auf korrekte Buchführung achten und auf genauer Abrechnung bestehen. Man hüte sich aber vor Pfennigfuchserei. Großzügigkeit macht sich auch hier bezahlt. Man vermeide Erfolgszwang und Konkurrenzdenken, denn Leistungen sollten miteinander und nicht gegeneinander erbracht werden.

Wenn man aber doch - trotz aller guten Vorsätze und trotz besten Bemühens - die Umstände stärker sind als der gute Wille, so sollte man die Versöhnung bei der großen Erfolgsparty nach der Expedition herbeiführen.

Es ist ein großer Trost, daß die Zeit - fast - alle Wunden heilt und daß die Erinnerung an das großartige, gemeinsam Erlebte alles andere bald überstrahlt und so den Weg ebnet zu dem "Wollen wir nicht wieder zusammengehen?"

 

PHOTOGRAPHIEREN

 

Gute Photos bringt man aus dem Himalaya nicht ohne weiteres nach Hause, und zwar nicht wegen der physischen Extreme, sondern wegen der Lichtverhältnisse, die - wie alles im Himalaya - ebenfalls extrem sind. Am frühen Morgen kann es passieren, daß das düstere Tal, noch in nachtblaue Schatten gehüllt, eine Verschlusszeit von 1/30 Sekunde und die Blende vier braucht, während die hohen, von der Morgensonne angestrahlten Gletscher darüber bereits 1/500 Sekunde und Blende elf erfordern. In solchen Fällen ist es gewiss nicht einfach, die richtige Belichtung zu finden. Bei der Lösung solcher und anderer Probleme hilft nur langjährige Erfahrung. Nun könnte man meinen, im Zeitalter von computerisierten, automatischen Kameras ist das alles kein Problem mehr. Weit gefehlt: Ein Computer ersetzt nicht den menschlichen Verstand und die langjährige Erfahrung!

Andere physische Widrigkeiten, wie große Kälte, Hitze und Feuchtigkeit können mit entsprechenden Gegenmaßnahmen unter Kontrolle gehalten werden. Die eigentliche Schwierigkeit besteht nicht darin, gute Photos nach Hause zu bringen, sondern den Charakter und die Seele einer Himalaya-Expedition einzufangen. Nicht die technisch vollkommene Kamera, sondern das "sehende" Auge schafft die Photos, die diesem Ziele nahe kommen.

Photos, die den wirklichen Charakter einer Expedition treffen, die die Gefühle widerspiegeln, die tiefe Emotionen hervorrufen, sind selten. Die ganze Wirklichkeit einer Himalaya-Expedition kann durch kein Photo wiedergegeben werden. Das Verhältnis der 1/500 Sekunde zur Lichtflut auf den gleißenden Gletschern des Hoch-Himalaya symbolisiert das Verhältnis zwischen Photo und Wirklichkeit. Die Kunst, durch ein Photo das auszudrücken, was man im Augenblick empfindet, das "Schaffen einer neuen Wirklichkeit", gelingt nicht immer. Viele gute Himalaya-Photos sind nur der von den tibetischen Göttern gelenkten Einbildungskraft zu verdanken. Die Angsttränen des Sherpa-Kindes, das freie Lachen einer Sherpani, die Anstrengung des Bergsteigers, die Erschöpfung im Gesicht des Freundes, die Versunkenheit der Lamas in der Gompa, das Licht auf den Gletschern, die grauenvolle Tiefe, alles das gehört dazu. Wenn es gelingt, solche Momente festzuhalten, dann haben die gnädigen Götter die Hand gelenkt.

Gerade im Himalaya gibt es viele Dinge, die nicht erklärbar sind. Wo kommen die merkwürdigen Flecke auf einem Film her, den ich auf einem hohen Gipfel nahe des Cho Oyu gemacht habe? Hochwissenschaftliche Tests in einem weltberühmten Labor in Europa haben ergeben, daß es sich um elektronische Strahlen handelt, die auf den Film gefallen sind. Viele Fragen bleiben dennoch offen. Warum ist ausgerechnet nur dieser eine Film durch "elektronische" Strahlen beschädigt worden und nicht die anderen auch? Der Film war, wie alle anderen, fabrikneu und original verpackt, hatte die gleiche Emulsionsnummer und ist nachgewiesenermaßen nie durch eine Röntgenkontrolle gegangen. Vielleicht ist dieser eine Film der Preis dafür, daß ich von meinen verschiedenen Trekking-Expeditionen Photo-Material zurückbringen durfte, das dem gesteckten Ziel nahe kommt.

Neben dem "Auge" und der Erfahrung ist natürlich auch die richtige Photoausrüstung wichtig. Optimale Ergebnisse bringen nach wie vor großformatige Diapositive oder Negative. Eine Großformatkamera ist im Himalaya zwar eine große Belastung, aber das Resultat lohnt die Mühe.

Die leichteste 6x6 Spiegelreflexkamera ist eine zweiäugige Kamera, die wegen der einfacheren Spiegel- und Verschlusskonstruktion weniger wiegt als die einäugige. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, daß eine zweiäugige Kamera mit Wechselobjektiven und mechanischem Verschluss nach wie vor im Himalaya am zuverlässigsten funktioniert. Elektronische, batterieabhängige, computergesteuerte Kameras geben in großer Höhe und bei arktischen Temperaturen nur zu gerne den Geist auf. Mechanische Verschlüsse scheinen unter solchen Umständen zuverlässiger zu arbeiten.

Auf "Tricks" beim Photographieren im Himalaya habe ich immer verzichtet. Mein Prinzip war es immer, Wirklichkeit zu zeigen, um "neue Wirklichkeiten zu schaffen". Im Himalaya sollte man neben dem Normalobjektiv (80 mm) ein mäßiges Teleobjektiv (180 mm) dabei haben. Das Weitwinkelobjektiv (65 mm) ist nicht so wichtig, aber nützlich für Panoramaaufnahmen, für die Enge in Sherpahütten und Klosterräumen und die Tempel- und Moscheenarchitektur beim Anmarsch. Für wirkungsvolle Innenauf nahmen in Gompas und Sherpahäusern ist außerdem ein starker Elektronenblitz, der wenigstens sieben Meter ausleuchten sollte, nützlich. Er sollte von handelsüblichen Batterien (Alkaliebatterien) geladen werden, da Akkus im allgemeinen wegen der fehlenden elektrischen Energiequellen im Himalaya nicht aufgeladen werden können. Batterien können, wenn auch nicht immer in Alkalie-Qualität, im Himalaya erworben werden. Das gleiche Argument ist im verstärkten Maße auch für Videokameras gültig. Man sollte ein Modell wählen, das mit normalen Batterien und nicht mit aufladbaren Akkus arbeitet. Es muß dabei auch bedacht werden, daß Batterien bei niedrigen Temperaturen eine verkürzte Lebensdauer haben.

Ich verwende keinerlei starke Filter, sondern nur ein normales "Skylightfilter", um die starken Blautöne des ultra-violett-reichen Lichtes im Himalaya zu dämpfen. Der Filter dient außerdem dazu, die Objektive vor Schnee, Staub, Nässe und Fingerabdrücken und die hochempfindliche Glasoberfläche der Optik vor Beschädigungen zu schützen. Die Filter sollten deshalb ständig auf den Objek tiven bleiben.

Man sollte bei der Menge des Filmes nicht sparen. Ich habe noch von niemandem gehört, der auf einer Himalaya-Expedition zu viel Filme dabei gehabt hätte. Oft genug ist das Gegenteil der Fall. Gerade wegen der schwierigen Belichtungsverhältnisse im Himalaya sieht man sich dazu veranlasst, in komplizierten Fällen mehrere Belichtungen (bracketing) auszuprobieren. Nichts ist schlimmer, als bei der Fülle von einmaligen Motiven mit Film sparen zu müssen.

Man sollte seinen gesamten Filmvorrat von zu Hause mitbringen. Nur so kann man sicher sein, frischen Film mit den gleichen Emulsionsnummern zu haben. In Indien, Pakistan und Nepal sind spezielle Filme oft nicht erhältlich. In praktisch allen Himalayaländern sind sie, wenn überhaupt erhältlich, sehr teuer, oft überlagert und durch verkehrte Lagerung oder zu langen Transport alles andere als vertrauenswürdig. Einer meiner Freunde kaufte in einem großen Photogeschäft in Kathmandu Filme, die sich später als gebrauchte und bereits belichtete herausstellten und vermutlich irgendwo gestohlen, umgespult und in neue Patronen eingefüllt worden waren.

Wer dann am Ende der Trekking-Expedition wirklich noch Filme übrig haben sollte, kann sie mit Leichtigkeit verkaufen und dafür kunstgewerbliche Souvenirs, die Indien, Pakistan und Nepal so überreichlich zu bieten haben, mit nach Hause nehmen.

Für die Lichtverhältnisse im Himalaya und im allgemeinen für alle Länder mit intensivem Sonnenlicht geben, nach meiner Erfahrung, professionelle, feinkörnige Diapositiv Filme mit 50 ASA die besten Ergebnisse. Die Diapositive sind superscharf und farblich ausgezeichnet und brillant. Mit einem solchen Film sollte man allerdings vertraut sein, da er auf Fehlbelichtungen außerordentlich kritisch reagiert. Man sollte bereits vor der Expedition mit den verschiedensten Belichtungsstufen einige Probeaufnahmen vom gleichen Motiv machen, um die optimale Belichtung kennen zulernen. Man sollte auch nach der Rückkehr aus dem Himalaya einen Film mit möglichst verschiedenen Belichtungen vom gleichen Motiv in einem vertrauenswürdigen Photo-Entwicklungslabor probeentwickeln lassen, um so die günstigsten Entwicklungsparameter festzustellen.

Belichtete und unbelichtete Filme müssen bei der Reise durch den indischen Subkontinent gegen die feuchte, für Filme mörderische Hitze geschützt werden. Kälte macht dagegen den Filmen wenig aus. Bei großer Kälte sind Filme spröde und müssen beim Spannen der Kamera langsam und mit Gefühl weitertransportiert werden. Durchleuchtung auf Flugplätzen sollte vermieden werden. Auch alle Versicherungen des Kontrollpersonals, daß die Durchleuchtungsmaschine den Filmen nicht schaden könne, nutzen nichts mehr, wenn die Geräte veraltet oder falsch justiert waren. Außerdem spielt hier eine Summierung der Strahlenmengen eine schwer kalkulierbare Rolle. Das Stichwort "Photos vom Mount Everest" überzeugt auch besonders schwierige Beamte. Freundlichkeit und Takt werden auch hier helfen.

Alles in allem muß beim Photo graphieren im Himalaya fast genauso viel beachtet werden wie beim Bergsteigen.

 

FINANZIERUNG

 

Immer wieder taucht die Frage nach der Finanzierung des Unternehmens einer Trekking-Expedition in den Himalaya auf. Prinzipiell ist eine Reise in den Himalaya nichts anderes als irgendeine beliebige Ferienreise. Wenn man die Grundsätze einer selbst organisierten Trekking-Expedition beachtet, ist eine solche Tour nicht teurer als irgendeine andere Urlaubsreise in ferne Länder. In Anbetracht der minimalen Unterkunfts- und Transportkosten während des Trecks - man trägt sein Hotel auf dem Rücken und benützt die eigenen Füße als Fortbewegungsmittel - kann sie sogar billiger sein. Um die Unabhängigkeit und die "Unschuld" des Unternehmens zu wahren, sollte man es auch selbst finanzieren, anstatt sich dabei auf andere zu verlassen. Warum sollte irgendeine Fremdquelle zur Finanzierung beitragen? Das Bergsteigen im Himalaya ist eine wertfreie Tätigkeit und bringt nur einem selbst etwas. Im Normalfall hat niemand anderes irgendeinen Vorteil davon.

Man kann es natürlich versuchen, seine Erlebnisse zu vermarkten. Viele haben es versucht. Die meisten sind wieder in der Versenkung verschwunden. Wenige haben überlebt und können weiterhin davon leben. Ich glaube nicht, daß viele von der Vermarktung ihrer Erlebnisse im Vergleich zu den Risiken und den investierten Kosten sonderlich reich geworden sind. Andere Tätigkeiten erzielen mit weitaus geringerem Einsatz und Risiko viel größere Gewinne. Wer aber meint, daß seine Erlebnisse so einzigartig seien, daß er sie kommerziell nützen müsse, unterliegt den gleichen Marktgesetzen wie jeder andere, der mit Öffentlichkeitsarbeit seinen Unterhalt verdient. Man kann Vorträge halten, Zeitungsartikel und vielleicht sogar ein Buch schreiben sowie Photos und Videofilme verkaufen. Wo die Möglichkeiten gegeben sind, kann man eine Kletterschule oder einen Ausrüstungsladen aufmachen. Man kann sich mit Ausrüstungsherstellern zusammentun und deren Produkte testen und dafür Werbung betreiben. Auf dem "Risikomarkt des Berufsbergsteigers" sind die Bedingungen für alle ziemlich gleich, und es läßt sich schwer sagen, was für den Einzelnen möglich ist und was nicht.

Ohne die "Kampfhandlungen", die entsprechenden leistungsbezogenen Erlebnisse, geht es natürlich nicht. Himalaya-Bergsteigerei, ganz gleich in welcher Größenordnung, ist immer ein Risiko, ist immer gefährlich und fasziniert die Menschen immer noch - ist also zu vermarkten. Man sollte in dem Geschäft des Bergsteigens jahrelange, besser noch jahrzehntelange Erfahrung haben. Aber die bergsteigerische Erfahrung reicht nicht aus, wenn man nicht gerade der "Erstbesteiger des Mount Everest" ist. Man muß auf anderen Gebieten ganz einfach irgendwelche Talente mitbringen und beispielsweise gut photographieren, schreiben oder Vorträge halten können. Und man muß es verstehen, seinen Erlebnissen eine gewisse Einmaligkeit zu verleihen. Die Konkurrenz ist groß. Man gerät leicht in den Sog des Erfolgszwanges, in einen Teufelskreis, aus dem man nur schwer wieder herausfindet. Wer aber höher hinaus will und keine unbegrenzten Geldquellen für sein Hobby zur Verfügung hat, hat kaum eine andere Wahl. Heute stehen für die Bergsteigerei im Himalaya keine öffentlichen Gelder mehr zur Verfügung, und das ist auch gut so. Wer aber wirklich gut photographieren kann, Spaß am flüssigen schwungvollen Schreiben hat und vielleicht auch noch ein guter Vortragsredner ist, kann es versuchen. Er kann die weiteren Mittel für das schönste Hobby der Welt schaffen.

 

ANHANG 1: WORTSCHATZ IN NEPALI

 

Danke.....Dhanyebad

Guten Tag, auf Wiedersehen.....Namaste

Verzeihen Sie.....Maf garnu hola

Sei nicht böse.....Nariishan nii

Wie bitte?.....Ke-re?

Wie geht es Ihnen?.....Tapai lai kasto chha?

Mir geht es gut.....Malai shancho chha

Das ist nett von Ihnen.....Tapai ko kriipa ho

Es schmeckt.....Miitho chha

Mache nicht solche Sachen.....Tyeshto kura nagarana

Wie heißen Sie?.....Tapai nam ke ho?

Meine Name ist.....Mero nam ... chha

Wieviel?.....Kattii?

Wie spät ist es?.....Kattii bajjyo?

Bitte noch einmal.....Kripaya, ferii ek-palta

Sagen Sie.....Bhonnu hos

Geben Sie.....Dhinnu hos

Sprechen Sie langsamer.....Diilo bolnu hos

Ich kann Sie nicht verstehen.....Maile tapai lai bujhannu sakiina

Ich spreche wenig Nepali.....Ma Nepali kam bolchhu

Ist er zu Hause?.....Hunu hunchha?

Ich habe nicht erhalten.....Pako chhaina

Was ist dies?.....Yo ke ho?

Das ist Tee.....Chiiya ho

Das ist teuer.....Badata bho

Billig.....Shasto

Das gefällt mir.....Yo ramro chha

Das gefällt mir nicht.....Malai yo ramro lagena

Ich habe kein Geld.....Paisa chhaina

Wo ist der Weg?.....Bato kaha chha

Ist der Weg steil?.....Yo bato ukalo chha?

Bergauf.....Ukalo

Bergab.....Oralo

Nach links.....Bayan

Nach rechts.....Dayan

Geradeaus.....So-jae

Hierher.....Yata

Gefährlich.....Dadhlagdo

Wo ist der Träger?.....Bhariya kaha chha?

Wo ist das Haus?.....Gharr kaha chha?

OK.....Thike

Was gibt es heute?.....Keke chha aja timi kaha?

Was ist los?.....Ke bhayo, ha?

Es ist Schlimmes passiert.....Naramro bhayo

Ich habe verloren.....Maile haraye

Ich rauche nicht.....Shiigareta khanna

Ich habe Hunger.....Ma bhuka ako chhu

Ich habe Durst.....Ma ter-kha ako chhu

Ich bin müde.....Ma thaka-ko chhu

Ich bin krank.....Ma biirami chhu

Ich fühle mich nicht wohl.....Malai shancho chhaina

Ich möchte schlafen.....Malai sutnu man lagyo

Ich möchte essen.....Malai khannu man lagyo.

 

ANHANG 2: WORTSCHATZ IN TIBETISCH

 

(Aussprache phonetisch wie im Deutschen)

Das Glück sei mit Dir (feierliche Begrüßung).....Tashi delek

Danke.....Tutsché-tsché

Die Götter sollen siegen.....Cha gyal lho

Sind Sie Tibeter?.....Böba rebä?

Bitte.....Kutschi

Es tut mir leid.....Gon-da

Wie geht es Ihnen?.....Kam sang-bo du-gé?

Danke, mir geht es gut.....Nga de-bo yin, tutsché-tsché

Auf Wiedersehen (Person, die geht).....Kale-schu

(Person, die bleibt).....Kale-pä

Sage es bitte noch einmal.....Gyar-tu leb-de

Langsam.....Ke-lieh ke-lieh

Ich verstehe nicht.....Ngee ha-ko ma-song

Können Sie englisch?.....Yin-jieh gee sing-gieh du-gee

Was ist Ihr Name?.....Kyoe-ree ming karee ree?

Mein Name ist.....Ngee ming ... yin

Gut.....Ya-go

Ist das gut?.....Die ya-go du-gee?

Das ist gut.....Die ya-go du

Das ist nicht gut.....Die ya-go min-du

Das gefällt mir.....Nga die ga-bo du

Das gefällt mir nicht.....Nga die ga-bo min-du

Nein danke.....Le-mee, tutsché tsché

Ich wünsche keinen Buttertee.....Nga bö-tscha me-go

Ich bin krank.....Nga ne-gie

Wieviel ist das?.....Gon ke-dzee?

Was ist der Name von?.....Phe-gie ming?

Ist das der Weg nach?.....Die ... gi lang-ga rebä?

Ist der Weg schlecht?.....Lang-ga dug-ja du-gee?

Gefährlich.....Le nyeng-ga.

 

ANHANG 3: EINIGE TREKKING-EXTREM-VORSCHLÄGE

 

Nachfolgend werden zur Anregung einige Trekkingtouren mit Expeditionscharakter, die ich persönlich gegangen bin, vorgestellt. Die Routen werden in einer allgemeinen Form dargestellt. Nähere Einzelheiten können Landkarten, Reiseführern, den Veranstaltungs Programmen von Trekking-Agenturen und Reisebüros sowie Spezial-Reiseführern, die es jedoch kaum gibt, entnommen werden. Das größte Abenteuer besteht darin, "von der Landkarte herunterzumarschieren" - wie etwa im Hongu oder nördlich von Manaslu, Annapurna und Dhaulagiri - und seine eigenen Erfahrungen zu machen. Wer dieses "von der Landkarte heruntermarschieren" mit all seinen Risiken jedoch scheut, sollte vom Trekking Extrem besser die Finger lassen und sich einer Standard Tour anschließen.

1. TREKKING-ROUTE: Bergsteigen im Khumbu (Mount Everest Gebiet): Lukla (2 900 m)(Stol Piste) - Namche Bazar - Khumjung - Gokyo - Cho Oyu-Base - Nyimagawa La - Lobuche - Gorak Shep - Mount Everest Base - Chukung - Island Peak - Pangpoche - Tengpoche - Namche Bazar - Lukla.

Höchster Punkt: Island Peak 6 189 m.

Tiefster Punkt: Chaunrikharka 2 600 m.

Dauer: Mindestens 24 Tage ohne Gipfel und Akklimatisierungszeit

Mögliche Gipfel: Luza Peak 5 593 m

Gokyo Kang 5 483 m

White Peak 5 640 m

P 5666 südlich Nyimagawa La

Kalar Pattar 5 600 m

Chukung Ri 5 546 m

Pokalde 5 806 m

Island Peak 6 189 m.

Charakter der Route: Expeditionscharakter; gute bergsteigerische Erfahrung und beste Kondition erforderlich. Besuch der Sherpadörfer im Khumbu und der Klöster Pangpoche, Tengpoche und Thame.

Beste Reisezeit: April bis Juni/Oktober bis November.

2. TREKKING-ROUTE: Bergsteigen im Khumbu (Variante zu Route 1): Lukla (2 900 m)(Stol Piste) - Namche Bazar - Khumjung - Gokyo - Cho Oyu-Base - Cho La Col - Lobuche - Gorak Shep - Mount Everest Base - Chukung - Island Peak - Pangpoche - Tengpoche - Namche Bazar - Lukla.

Höchster Punkt: Island Peak 6 189 m.

Tiefster Punkt: Chaunrikharka 2 600 m.

Dauer: Mindestens 24 Tage ohne Gipfel und Akklimatisierungszeit

Mögliche Gipfel: Luza Peak 5 593 m

Gokyo Kang 5 483 m

White Peak 5 640 m

P 5245 nördlich Cho La Tsho

Kalar Pattar 5 600 m

Chukung Ri 5 546 m

Pokalde 5 806 m

Island Peak 6 189 m.

Charakter der Route: Expeditionscharakter; gute bergsteigerische Erfahrung und beste Kondition erforderlich. Besuch der Sherpadörfer im Khumbu und der Klöster Pangpoche, Tengpoche und Thame.

Beste Reisezeit: April bis Juni/Oktober bis November.

3. TREKKING ROUTE: Bergsteigen im Rolwaling/Khumbu (seit 1983 ist ein spezielles Permit für den Rolwaling und ein Trekking-Gipfel-Permit für die Übersteigung des Trashi Laptsa erforderlich): Bahrabise an der Tibet-Straße - Bigu - Simi Gaon - Beding - Na - Trashi Laptsa (5 755 m) - Thame - Namche Bazar - Lukla.

Höchster Punkt: Pacharmo 6 273 m.

Tiefster Punkt: Bahrabise 800 m.

Dauer: Mindestens 21 Tage ohne Gipfel und Akklimatisierungszeit

Mögliche Gipfel: Yalung Ri 5 630 m südlich Na

Yalungtse 5 766 m

Ramdung 5 930 m

Pacharmo 6 273 m südlich Trashi Laptsa

Charakter der Route: Expeditionscharakter; schwierige Tour mit inhärenten alpinen Gefahren: Lawinen und Steinschlag, Eisbruch im Drolambao Gletscher, gute bergsteigerische Erfahrung und beste Kondition erforderlich. Besuch der Sherpadörfer im Rolwaling/Khumbu und der Klöster Bigu, Beding und Thame.

Beste Reisezeit: April bis Juni/Oktober bis November.

4. TREKKING ROUTE: Bergsteigen im Hongu (Trekking Permit schwierig erhältlich): Lukla 2 900 m - Namche Bazar - Tengpoche - Chukung - Amphu Laptsa - West Col - Hongu Tal - Mera La - Drangnag - Hinku Tal - Zatr Teng - Lukla.

Höchster Punkt: Mera 6 461 m.

Tiefster Punkt: Chaunrikharka 2 600 m.

Dauer: Mindestens 22 Tage ohne Gipfel und West Col und Ak klimatisierungszeit.

Mögliche Gipfel: Chukung Ri 5 546 m

Island Peak 6 189 m

P 6246 westlich Amphu Laptsa

Mera 6 461 m

Charakter der Route: Hochalpine Tour mit schwerem Expeditionscharakter; beste Kondition und Bergerfahrung erforderlich; Besuch der Sherpadörfer im Khumbu und der Klöster Tengpoche und Pangpoche möglich.

Beste Reisezeit: April bis Juni/Oktober bis November

5. TREKKING ROUTE: Rund um den Manaslu (Trekking Permit schwierig erhältlich): Arughat Bazar 500 m: Busstop an der Kathmandu-Pokhara Straße oder Flugplatz Gurkha - Khorlak - Jagat - Setibas - Deng - Barcham - Lho - Sama - Larkya La 5 200 m - Bim ta Khoti - Tilje - Thonje - Jagat - Khudi Bazar: Von hier aus entweder zurück nach Pokhara.

Höchster Punkt: Larkya La 5 200 m.

Tiefster Punkt: Arughat Bazar 500 m.

Dauer: Mindestens 22 Tage ohne Gipfel und Akklimatisierungszeit

Mögliche Gipfel: P 4950 nordöstlich von Sama

Schwierige Sechstausender nördlich und südlich Larkya La

Bergrücken 4 500 m nördlich von Thonje

Charakter der Route: Hochalpiner Passübergang; Gute bergsteigerische Erfahrung und beste Kondition erforderlich. In den Schluchten des Marsyandi teilweise schlechte Wege und haarsträubende Brücken; Besuch der Sama Gompa.

Beste Reisezeit: April bis Juni/Oktober bis November.

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