1977 Niko Bessinger wird der Schatzmeister im SWAPO-Büro in Windhoek.
Crispin Mabebo Matongo wird Vorsitzender des SWAPO-Büros in Kitwe (Caprivizipfel).
Danny Tjongarero wird in Oshakati von der südafrikanischen Sicherheitspolizei verhaftet. Die Polizei gibt eine unterschriebene Erklärung Tjongareros heraus, in der dieser sich von SWAPO distanziert. Tjongarero zieht später diese Erklärung zurück, da sie ihm unter Druck und Folter abgepresst wurde.
Jan Samuel Herero (|Hô|arab) wird bis 1984 Führer der Bethanien-Nama.
John McNab, Karl Freygang und A.J. Strauss spalten sich von Ben Africas RBA ab und gründen die Rehoboth Demokratische Partei.
Wegen des niedrigen Kupferpreises muss die Otjihase-Mine schließen, sie öffnet jedoch 1980 wieder.
März Die HNP bildet eine "weiße Widerstandsbewegung" BOERSWA (Bewegung für die Beibehaltung der unverbrüchlichen Einheit zwischen der Republik und Südwestafrika) (Beweging vir die Behoud van die Onverbreekbare Eenheid tussen die Republiek en Suidwes-Afrika). Die Turnhalleprinzipien werden als "Rassen-Föderation", die zu "schwarzer Mehrheitsregierung" und zum "Untergang des weißen Mannes in Südwestafrika" führen würde, verurteilt.
18.03. Die Verfassungsrichtlinien der Turnhalle-Konferenz werden von der Versammlung ratifiziert. Die offizielle "weiße" Opposition, die FP von Bryan O'Linn, äußert gut fundierte Kritik an den Turnhalle-Verfassungsrichtlinien. Kozonguizi, juristischer Berater der Ovaherero-Delegation bei der Turnhalle, unterstützt die Verfassung als "möglich". Substantielle Kritik kommt von den meisten namibischen Kirchen, der Vereinigten Evangelischen Lutherischen Kirche in Namibia, der Anglikanischen Kirche und der Römisch-Katholischen Kirche. SWAPO lehnt die Turnhalle-Verfassung als eine "neo-kolonialistische Taktik der Südafrikaner, die mit Hilfe einiger südafrikahörigen Stammesführer zu Zersplitterung und Bantustanisierung Namibias führen würde", ab.
Wegen der Intervention der fünf Westmächte im UNO Sicherheitsrat fällt das südafrikanische Parlament keine Entscheidung über die Turnhalle-Verfassungsrichtlinien. Das Parlament entscheidet sich, eine Lösung für die Namibiafrage aufgrund der UNO SR Resolution 385 von 1976 zu finden.
22.03. Der UNO Sicherheitsrat beginnt eine neue Debatte über Namibia. Die afrikanischen Staaten fordern wieder ein verbindliches Waffenembargo sowie den Stopp aller neuen Anleihen und Investitionen in Südafrika, wenn die südafrikanische Besetzung Namibias nicht beendet würde.
April Der Namibia National-Rat (Namibia National Council) bildet die Grundlage für die Bildung der NNF. Die NNF formt eine Parteienallianz zwischen Damara-Rat, DEC, FP, SWANU, Mbanderu-Rat, Namibia Fortschrittspartei (Bondelswarts), NIP und Voice of the People Party. Die SWAPO-Demokraten (SWAPO-D) unter Andreas Shipanga formen später eine Zeitlang eine Allianz mit der NNF. Die NNF unterstützt einen namibischen unabhängigen Einheitsstaat, der nicht unter südafrikanischer Kontrolle stehen soll, die Abschaffung der Apartheid, eine garantierte Gewährleistung der fundamentalen Menschenrechte, unabhängige Rechtsstaatlichkeit und eine gemischte Wirtschaftsform zwischen Staats- und Privatwirtschaft. Die NNF stellt ab 1980 ihre Parteitätigkeit für beinah zehn Jahre ein.
07.04.
Die Kontaktgruppe der fünf Westmächte trifft den südafrikanischen Premierminister Vorster in Kapstadt, um die Namibiafrage erneut aufzunehmen. Diese Gesprächsrunde basiert auf einer deutlichen diplomatischen Note der Westmächte mit dem Ziel, Südafrikas illegale Besetzung Namibias zu beenden (Erste Kapstadt-Gipfelkonferenz).
12.04. Hompa Daniel Sitentu Mpasi wird als neuer Uukwangali-Gruppenführer in Kahenge im Kavango eingesetzt.
22.04. Ehe die Besprechungen mit der Kontaktgruppe der fünf Westmächte fortgesetzt werden, bestellt Vorster das Turnhalle-Verfassungskomitee unter dem Vorsitz von Dirk Mudge nach Kapstadt.
27.04. Die westliche Kontaktgruppe, geführt von Don McHenry, Stellvertreter von Andrew Young, der einer der geistigen Väter der späteren UNO SR Resolution 435 ist, beginnt eine schwierige und zähe Verhandlungsrunde mit Vorster und Pik Botha. SWAPOs Sprecher Peter Katjavivi bestätigt, dass SWAPO an dem Unterhandlungsprozess nur teilnehmen würde, wenn die Turnhalleprinzipien abgeschafft würden, Wahlen auf einer nicht-ethnischen Basis unter UNO-Aufsicht stattfänden und dass Südafrikas Streitkräfte Namibia vor Beginn der Wahlen verlassen müssten.
18.05. In einem Referendum "nur für Weiße" stimmen 94,69% aller Wähler für die Turnhalleprinzipien, für die namibische Unabhängigkeit und eine Verfassung. Die besondere Betonung liegt bei dem "Prinzip der Gruppen-Autonomie". Ein "ja" bedeutet eine Stimme für die NPSWA-Politik und ein "nein" für die Politik der ultra-konservativen HNP.
20.05. Vorster trifft den US Vize-Präsidenten Walter Mondale in Wien. Mondale betont bei dem Treffen drei Hauptpunkte: Mehrheitsdemokratie für Namibia und Rhodesien sowie eine progressive Transformation der südafrikanischen Gesellschaft mit dem gleichen Ziel.
Anna Katrina Christian wird Gruppenführerin der Bondelswarts.
30.05. Die westliche Kontaktgruppe übergibt Südafrika eine diplomatische Note, um die Namibiafrage weiter voranzutreiben.
06.06. Eine starke Turnhalledelegation trifft die südafrikanische Regierung, um die Vorschläge der westlichen Kontaktgruppe zu besprechen.
08.06. Die Kontaktgruppe der fünf Westmächte trifft wieder die südafrikanische Regierung in Kapstadt (Zweite Kapstadt-Gipfelkonferenz).
10.06. Südafrika stimmt den Vorschlägen der Kontaktgruppe zu und verspricht, die Pläne für eine Interimsregierung aufgrund der Turnhalleprinzipien fallen zu lassen und freie Wahlen für eine Verfassungsgebende Versammlung zuzulassen. Südafrika soll die Delegierten der Turnhalle überzeugen, die Turnhalleprinzipien aufzugeben. In Vorbereitung dieser neuen Entwicklungen ersetzt Südafrika das Südwestafrika Verfassungs-Gesetz Nr. 39 von 1968 durch ein neues Verfassungs-Gesetz, das Südwestafrika Verfassungs-Ergänzungsgesetz, Nr. 95 von 1977 (06.07.). Ein südafrikanischer Generaladministrator soll zusammen mit einem UNO-Sondervertreter SWA verwalten und das Land auf die von der UNO überwachten Wahlen vorbereiten. Die Zweite Kapstädter Gipfelkonferenz löst immer noch nicht das Hauptproblem in der Namibiafrage, nämlich einen eindeutigen Mechanismus für den politischen Übergang zu schaffen. Südafrika folgt immer noch seiner doppelten Strategie: Auf der einen Seite arbeitet es aktiv auf eine interne Lösung zu ihren eigenen Bedingungen hin, andererseits jedoch werden die diplomatischen Anstrengungen für eine friedliche und international anerkannte Lösung für das Namibiaproblem fortgesetzt.
11.06. SWAPO lehnt den südafrikanischen Plan eines Generaladministrators ab und befürwortet den Übergangsprozess unter direkter UNO-Kontrolle. Theo- Ben Gurirab erklärt, "Südafrika habe kein gesetzliches oder moralisches Recht, das Gebiet zu verwalten, weder im Augenblick noch während der Übergangsphase".
22.06. Hendrik Witbooi verlässt nach 22 Dienstjahren den Schuldienst in Gibeon.
Juli Die SWA-Administration baut eine eigene Streitmacht in Namibia auf, die Südwestafrika-Gebietsmacht (SWATF)(South West Africa Territory Force (SWATF)).
04.07. Sam Nujoma stellt auf der OAU-Gipfelkonferenz fest, dass die "Initiative der westlichen Kontaktgruppe begrüßt würde", warnt aber, dass "die westliche Initiative nicht die Vereinten Nationen umgehen dürfe". Vekuui Rukoro, Informations-Sekretär der NNF, lehnt die Idee eines südafrikanischen Generaladministrators ab.
15.07. Seit dem letzten Jahr werden im steigenden Maße Mitglieder von SWAPOs Volks-Befreiungs-Armee von Namibia (PLAN) und deren Unterstützer wegen Verletzung des Terrorismus-Gesetzes, Nr. 83 von 1967 vor Gericht gebracht. Die Anklagen gegen Ruben Hengula, Michael Shikongo und Lazarus Guiteb werden aufgrund von "Terrorismus-Aktivitäten", die im Jahre 1976 begangen worden waren, begründet..Sie werden alle zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt. Kurz nach dieser Gerichtssache wird Ben Ulenga von den Südafrikanern gefangen genommen und vor Gericht gestellt. Er wird zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er neun Jahre auf der berüchtigten südafrikanischen Gefängnisinsel Robben Island absitzen muss.
27.07. Südafrika setzt, trotz gegenteiliger Beteuerungen, die Politik der ethnischen Teilung durch die Bildung einer Damara Representative Authority unter der Führung von Justus ||Garoëb fort.
11.08. Einige liberale deutschsprachige Namibier gründen eine politische Druckgruppe (initiiert bereits im Juni), die Interessengemeinschaft Deutschsprachiger Südwester (IG), um sich für die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Interessen der deutschsprachigen Gemeinschaft in einem unabhängigen Namibia einzusetzen, aber auch um einen Beitrag zur Gestaltung eines demokratischen, unabhängigen Namibias zu machen. Die IG arbeitet später mit der DTA zusammen (1983 wieder aufgekündigt), wird aber keine politische Partei. Der Slogan ist: "Landesinteressen gehen vor Eigeninteressen". Die IG wird von der Regierung der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Der erste Präsident ist Herbert Halenke, der erste Vorsitzende ist Konrad Lilienthal. Der erste Vorstand besteht aus den folgenden Gründungsmitgliedern: Klaus Dierks, Claus Kock, Herbert Schneider, Hans-Erik Staby, Johann-Albrecht Brückner, Volker Rodenwoldt, Eberhard von Alten, Adolf Bartsch und Wilhelm Weitzel. Binnen zwei Jahren ist die IG in 18 Orten im Lande durch Regionalgruppen vertreten und führt fast 3 000 Namen in ihrer Mitgliederliste.
31.08.
Die Walvisbucht Administrations-Proklamation, Nr. R 202 von 1977 schafft die Voraussetzung für die Eingliederung von Walvisbucht und der Atlantikinseln (Bird, Mercury, Seal, Penguin, Halifax, Possession, Albatross, Pomona, Plum Pudding und Roast Beef sowie Long Island) in den Kap-Wahlkreis Namakwaland.
September Eine dritte Gipfelkonferenz zwischen Südafrika und der westlichen Kontaktgruppe findet in Pretoria statt. Das Haupthindernis für einen diplomatischen Erfolg ist immer noch die Präsenz der südafrikanischen Streitkräfte in Namibia.
Theo-Ben Gurirab fordert den Abzug der südafrikanischen Truppen, "ehe der politische Prozess startet".
Der UNO Generalsekretär Waldheim trifft verschiedene Experten für UNO- Friedenseinsätze, z.B. Brian Urquhart. Eine UNO-Einsatztruppe von 7 000 bis 10 000 Personen wird geplant. SWAPO besteht auf den Abzug der südafrikanischen Truppen vor den Wahlen. Die Vereinten Nationen schlagen einen Kompromiss vor: Die südafrikanischen Truppen sollten auf eine Stärke von 5 000 und 7 000 reduziert werden, die dann auf die Militärbasen in Grootfontein oder Oshivelo beschränkt werden sollten. Vorster lehnt diesen Kompromissvorschlag ab. Stattdessen schlägt Südafrika vor, die angolanische Grenze von beiden Seiten zu überwachen. Südafrika akzeptiert Martti Ahtisaari als Waldheims Sondervertreter, um "faire und freie Wahlen" für eine Verfassungsgebende Versammlung zu überwachen. Solche Wahlen werden für die zweite Hälfte im Jahre 1978 vorgesehen. Abgesehen von den Differenzen zwischen SWAPO, den Westmächten und Südafrika über die militärische Präsenz der Vereinten Nationen in Namibia, taucht die Walvisbucht-Frage als weiteres diplomatisches Problem auf. SWAPO fordert die "bedingungslose Wiedereingliederung in ein unabhängiges Namibia". Die Verhandlungen der dritten Gipfelkonferenz stehen kurz vor dem Abbruch, und es wird eine vierte Gipfelkonferenz zwischen Südafrika und der westlichen Kontaktgruppe geplant.
01.09. Südafrika stellt einen Generaladministrator für Namibia, Richter Marthinus Theunis Steyn an, um SWA aufgrund der Regierungsbekanntmachung 1666 vom 19.08.1977 zu regieren.
26.09. Eine Gruppe unter Dirk Mudge bricht mit der NPSWA, die Namibia seit ihrem ersten Wahlsieg im Jahre 1950 ununterbrochen regiert hat.
28.09. Die NPSWA löst den direkten Parteienverbund mit der Nationalen Partei von Südafrika.
Oktober Der Generaladministrator hebt die folgenden Gesetze auf: Den Mixed Marriages- und den Immorality Act, ebenso die Pass-Gesetze. Das Kontraktarbeiter-System wird dagegen fortgesetzt.
Die Römisch-Katholische Kirche hält ihre erste Synode in Mariabronn bei Grootfontein ab. Erstmals kommen "schwarze" und "weiße" Mitarbeiter der Katholischen Kirche offiziell zusammen.
03.10. Wahlen für den Kaptein von Rehoboth finden aufgrund des Rehoboth Selbstregierungsgesetzes, Nr. 56 von 1976 statt. Die Wahl wird knapp von dem Führer der Basterdelegation bei der Turnhalle-Konferenz und der RBA, Ben Africa, gewonnen. Sein Opponent ist Hans Diergaardt von der Rehoboth Befreiungspartei. Diergaardt stellt das Wahlergebnis in Frage und geht vor Gericht. Die Gerichtssache wird von ihm gewonnen und Africa kann nicht als Kaptein des Rehobothgebietes eingeschworen werden.
Die Einführung dieser und anderer ethnischer Regierungen nach dem Odendaal-Plan beweist Pretorias Doppelstrategie in der Dekolonisierung Namibias.
05.10. Eine neue "weiße" Partei wird von Dirk Mudge gegründet, die Republikanische Partei (RP). Die Führerschaft der RP besteht aus Hans-Erik Staby, Abraham Davids, Anna Frank und "Bertie" Botha.
Die Überbleibsel der NPSWA wird 1978 als Aktionsfront zum Schutze der Turnhalleprinzipien (AKTUR) neu gegründet.
06.10. Die Turnhalle wird von Generaladministrator Steyn offiziell aufgelöst.
21.10. Der Gründungskongress der Republikanischen Partei (RP) findet in Windhoek statt.
31.10. Wahlen finden für den Rehoboth-Volksrat statt. Sie werden von Diergaardt gewonnen.
01.11. Südafrika gliedert Walvisbucht in den Kap-Wahlkreis Namakwaland ein.
04.11. Der UNO Sicherheitsrat nimmt einstimmig die UNO SR Resolution 418 an, die ein umfassendes Waffenembargo gegen Südafrika beschließt.
05.11. Die Demokratische Turnhalle-Allianz (DTA) wird gegründet. Der Ovaherero-Führer Clemence Kapuuo wird ihr erster Präsident. Dirk Mudge wird der Vorsitzende. Die NUDO (Clemence Kapuuo), die RBA (Ben Africa), die LP (Andrew Kloppers), die SWAPDUF (Engelhardt Christy), die Nama-Allianz (Daniël Luipert), die RP (Dirk Mudge) und die NDP (Cornelius Ndjoba) schließen sich zur DTA zusammen. Die Caprivi-Allianzpartei (CAP) wird von Gabriël Siseho gegründet und schließt sich der DTA an.
Die Kavango-Allianzpartei (KAP)(Alfons Majavero) wird gegründet und schließt sich der DTA an.
Die Tswana-Allianz (P. Tibinyane) wird von Turnhalledelegierten gegründet und schließt sich der DTA an.
Dezember Der Generaladministrator Steyn kündigt an, dass das Bantu-Erziehungssystem abgeschafft würde. Die wichtigen Regierungsabteilungen "Bantu-Verwaltung und -Entwicklung, Farbigen-, Rehoboth- und Nama-Angelegenheiten und Wasserbau" werden dem Generaladministrator übertragen.
01.12. Die RP gründet eine Parteizeitung: Die Republikein. Der erste Chefredakteur ist Johannes Petrus (Jan) Spies.
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[Inhaltsverzeichnis]

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