1976 Das Lusaka-Manifest kommt zu dem Schluss, dass die Dekolonisierung Namibias in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen die Grundvoraussetzung sei, mit Südafrika Frieden zu schließen.
Die UNO Vollversammlung bestätigt SWAPO als "die einzige und authentische Vertretung des namibischen Volkes" (UNO AV Resolution 146 (XXXI)).
Südafrikanische Truppen greifen das PLAN-Lager in Shatotwa in Zambia an, mit großen Verlusten auf der SWAPO-Seite.
Timothy Hadino Hishongwa wird SWAPOs Vertreter für Skandinavien, West-Deutschland und Österreich in Stockholm.
John Ya Otto wird SWAPOs Sekretär für Arbeit und Vorsitzender der Gewerkschaft, der National-Union für Namibische Arbeiter (NUNW)(National Union of Namibian Workers (NUNW)) im Exil.
Jesaya Nyamu wird SWAPOs Vize-Sekretär für Information in Luanda.
Unter den NNC-Funktionären befinden sich die SWAPO-Politiker Zephania Kameeta und Danny Tjongarero.
Südafrika entscheidet, eine Ratgebende Versammlung für Namaland zu bilden. Außerdem wird geplant, Rehoboth und Ost-Caprivi Selbstregierungen nach dem Odendaal-Konzept zu gewähren. Namaland soll aus 2,2 Millionen Hektar bestehen. Der Führer der Nama-Delegation zur Turnhalle Verfassungsgebenden Versammlung, Daniël Luipert, erklärt, dass die Nama eine politische Plattform brauchen. Der südafrikanische Minister für Farbigen-, Rehoboth- und Nama-Angelegenheiten, Hennie Smit, kündigt an, dass Gemeinschaften wie die der Nama ein eigenes Vaterland haben sollten. Ohne dieses gäbe es keine Entwicklung. Ethnische Strukturen für Berseba unter dem Führer Stephanus Goliath und für Tses unter dem Führer Joel Stephanus sind zwar geplant, werden aber im Augenblick noch nicht durchgeführt. Die Hauptstadt des Namalandes soll nahe der Brukkaros-Eisenbahnstation errichtet werden. Gibeon und Berseba sollen ausgebaut und das Hotel bei Asab entwickelt werden.
Ein Teil der Vereinigung für die Erhaltung des Tjamuaha-Maharero Königlichen Hauses schließt sich der SWAPO an. Daran nimmt auch der ehemalige Sekretär von Hosea Kutako und Mitstreiter von Clemence Kapuuo, Bartholomeus Gerhardt Karuaera, teil.
Die NAPDO, die sich stark gegen die Turnhalle-Konferenz wendet, verlässt die NNC und tritt der SWAPO bei.
Die DUF wird in die SWA Volksdemokratische Einheitsfront (SWAPDUF) (SWA People's Democratic United Front (SWAPDUF)) umgewandelt. Präsident wird Joseph Haraseb, Vize-Präsident wird Engelhardt Hubertus Lourentius Tuban Christy. SWAPDUF formt später eine Allianz mit der DTA.
Die NIP schließt sich später der NNF an, sie entsteht erst 1981 wieder als eigenständige Partei.
Die Massenflucht von portugiesischen "Weißen" aus Angola geht weiter.
Es kommt zu erneuten Grenzkonflikten um die Insel Kasikili im Chobe.
Januar Auf ihrem Jahresparteikongress sucht die NNC den "Dialog mit den Kräften, die kompromisslos die Befreiung Namibias von jeglicher Fremdherrschaft anstreben".
05./08.01. Eine Internationale Konferenz für Namibia in Dakar/Senegal wird vom Internationalen Institut für Menschenrechte in Straßburg einberufen. Etwa 300 internationale Juristen nehmen teil. SWAPOs Befreiungskampf wird unterstützt.
30.01. Der UNO Sicherheitsrat nimmt einstimmig die UNO SR Resolution 385 an. Der Rat ersucht Südafrika, die politische Macht dem Volk von Namibia zu übertragen und freie Wahlen unter UNO-Aufsicht vor dem 31.08.1976 zuzulassen. Die Resolution wird zum Sprungbrett der USA mit ihren westlichen Verbündeten England, Frankreich, Kanada und West-Deutschland die Initiative in der Namibia-Frage zu nehmen.
Februar Vier "weiße" Namibier werden von PLAN-Soldaten umgebracht. Nach der Verhaftung des einen Soldaten, Filemon Nangolo, wird dieser angeklagt, dass er zusammen mit Kanisius Hanilesi (er entgeht seiner Verhaftung, kommt aber später in einem Buschbrand nahe Windhoek um) die Farmer Shirley Merle und Bertus Nico Louw aus Grootfontein als auch Gerd und Elke Walters aus Okahandja umgebracht hätte. Filemon Nangolo wird zum Tode verurteilt und am 30.05.1977 hingerichtet (während er in einem Rollstuhl sitzt, wegen der Verwundungen, die er bei seiner Verhaftung erhalten hat).
März/April Innerhalb der SWAPO kommt es zu einer politischen Krise in Lusaka/Zambia: Die SWAPO-Jugendliga und andere SWAPO-Exilanten fordern den längst überfälligen Parteikongress. Es kommt auch zur Rebellion von PLAN-Soldaten in Zambias westlicher Provinz. Die Auflehnung wird von Andreas Shipanga, dem früheren Parteisekretär der SWAPO, Solomon Mifima und Immanuel Engombe unterstützt. SWAPO bezeichnet die Rebellion später als die "Shipanga-Rebellion".
02./19.03. Während der dritten Sitzung der Turnhalle-Konferenz drohen einige "schwarze" Konferenzteilnehmer, sich von der Konferenz zurückzuziehen, wenn die ständigen drastischen Einmischungen der NPSWA nicht aufhörten. Die Rechtmäßigkeit und Glaubwürdigkeit der Konferenz wird durch die Mehrdeutigkeit der südafrikanischen Politik, insbesondere im Hinblick auf die Fortsetzung des Odendaal-Planes, ernsthaft in Frage gestellt.
11.03. Danny Tjongarero erklärt, dass der Turnhalle-Plan unannehmbar sei, "da er das Land auf einer ethnischen Basis zersplittert".
25.03. Der südafrikanische Verteidigungsminister P.W. Botha kündigt im Parlament den Rückzug der südafrikanischen Verteidigungskräfte aus Angola an.
SWAPOs PLAN beginnt, seine Truppen in Angola, unter dem Kommando von General Dimo Hamaambo, zu organisieren. Angolas Präsident Neto gibt SWAPO das Recht, die alte Eisenmine von Cassinga als Durchgangslager zu benützten. Lubango wird SWAPOs militärisches Hauptquartier für das südliche Angola. SWAPOs politisches Hauptquartier wird von Lusaka/Zambia nach Luanda/Angola verlegt. Die Südafrikaner haben jedoch immer noch die Luftüberlegenheit. Sie richten ihrem Verbündeten UNITA in Jamba im südöstlichen Angola ein militärisches Lager ein.
26.03. Trotz erster Erfolge muss sich Südafrika unter einem internen und weltweiten Proteststurm aus Angola zurückziehen.
April Der Namibia National-Rat (Namibia National Council) bildet sich als Konsequenz der Okahandja Nationalen Einheitskonferenz vom November 1975. Der Rat besteht aus der "zweiten" Parteiengruppierung der Okahandja-Konferenz. Der Rat löst sich auf, als die meisten Parteien sich der im April 1977 geformten NNF anschließen.
01.04. Der Ost-Caprivizipfel bekommt unter dem Namen Lozi die Selbstverwaltung nach dem Odendaal-Konzept. Linyanti wird die neue Hauptstadt. Das führt zur Abspaltung der Mayuni-Fwe (benannt nach dem Dorf Mayuni zwischen Kongola und Sibbinda im Mashigebiet). Diese Gemeinschaft nennt sich auch die "wahren Fwe" oder Mayuni. Sie spricht Sifwe wie andere Fwe-Gemeinschaften. Es kommt zu Spannungen zwischen den Mayuni unter dem Führer Tembwe Mayuni und den Linyanti-Fwe.
21.04. Auf Antrag der SWAPO-Parteiführung in Zambia werden 27 SWAPO-Mitglieder, viele von ihnen von der SWAPO-Jugendliga, von den zambischen Behörden verhaftet. Unter ihnen befinden sich auch Andreas Shipanga, Solomon Mifima und Immanuel Engombe. Sie werden zunächst in ein Internierungslager in Nampundwe und später in Gefängnisse in Tanzania gebracht. Weitere 1 600 bis 2 000 rebellierende PLAN-Soldaten werden im Lager von Mboroma bei Kabwe in Zambia eingesperrt.
Mai




Der Generalkommissar für die eingeborenen Völker, Jannie de Wet, kündigt weitere Maßnahmen an, um die Grenze zwischen dem Ovamboland und Angola besser zu sichern.
Selbstregierung für das Rehobothgebiet wird aufgrund der Verfassung (paternal laws) von 1872 zugestanden (Rehoboth Selbstregierungsgesetz, Nr. 56 von 1976). Ein Führungs-Rat (Chief’s Council)wird die neue Rehoboth Regierung bilden. Der südafrikanische Minister für Farbigen-, Rehoboth- und Nama-Angelegenheiten, Hennie Smit, kündigt Wahlen für den Rehoboth Gesetzgebenden Rat für September 1977 an. Im Juni 1977 sollen Wahlen für den Kaptein von Rehoboth stattfinden.
01.05. Die Bantu Investment Gesellschaft unter Johan Lerm bildet eine eigene Entwicklungsgesellschaft für den Kavango, die Ekuliko Kavango Limited. Vorgesehene Projekte sind u.a. die Shadikongoro-, Vungu-Vungo- und Musese-Bewässerungsprojekte und das Mangetti-Farmprojekt.
29.-31.05. SWAPO hält einen nationalen Kongress in Walvisbucht, der die Turnhalle-Konferenz ablehnt und die SWAPO-Führung im Amt bestätigt.
02.06. Die vierte Sitzung der Turnhalle-Konferenz findet statt.
04.06. Die Ya-Otto-Kommission, die von SWAPO angestellt worden war, um die Gründe, die zur Shipanga-Rebellion (zwischen Juni 1974 und April 1976) geführt hatten, zu untersuchen, kommt zu folgendem Ergebnis: 1. Infiltrationen durch den Feind; 2. Machtkämpfe innerhalb der SWAPO; 3. Inkompetenz innerhalb der Parteistrukturen und 4. fehlgeleitete Elemente innerhalb der Partei.
27.07. Wahlen für den Lozi Gesetzgebenden Rat finden im Ost-Caprivi statt. 83% der registrierten Wähler nehmen an der Wahl teil. Der Führer Richard Muhinda Mamili der Fwe-Gemeinschaft wird Chef-Minister von Lozi und ersetzt damit den früheren Chef-Minister M. Moraliswani von der Subiya-Gemeinschaft.
28.07.-02.08. SWAPOs vergrößertes Zentralkomitee veröffentlicht in Nampundwe/Zambia eine neue Parteiverfassung und ein neues politisches Programm. Die Parteiverfassung versucht, die Empfehlungen der Ya-Otto-Kommission zu inkorporieren.
Hidipo Hamutenya wird in das Zentralkomitee und Politbüro der SWAPO gewählt.
August Der zambische Präsident Kenneth Kaunda eröffnet zusammen mit Mosé Penaani Tjitendero das UNO-Institut für Namibia (UNIN) in Lusaka, das namibische Beamte ausbilden soll. Der Aufbau eines solchen Institutes wurde vom UNO-Kommissar für Namibia Sean McBride initiiert. Hage Gottfried Geingob wird Direktor des Institutes. Hidipo Hamutenya ist eines der Gründungsmitglieder.
Frans Stellmacher, Vorsitzender der Rehoboth Volkspartei, löst die Partei auf und schließt sich der SWAPO an, um die ethnische Zersplitterung Namibias durch eine namibische Lösung zu ersetzen.
18.08. Während der fünften Sitzung der Turnhalle-Konferenz erreichen alle Delegierten Übereinstimmung für eine vorläufige Drei-Stufen-Verfassung, die eine nationale Regierung sowie autonome regionale und städtische Verwaltungen mit klar definierten Befugnissen vorsieht. Es wird vorgeschlagen, dass eine provisorische Regierung am 01.01.1977 für zwei Jahre eingesetzt werden soll. In dieser Zeit soll eine permanente Regierungskommission eine unabhängige Verfassung für Namibia erarbeiten. Der Verfassungsplan der Turnhalle-Konferenz sieht eine multi-rassische Zentralregierung, Homelands und die Beibehaltung einer Regierungsform der ethnischen Teilung vor. Unabhängigkeit soll Ende 1978 erfolgen. Die US-Regierung, nicht zufrieden mit den politischen Richtlinien der Turnhalle, schaltet Henry Kissinger, US-Staatssekretär für Äußeres, ein, sich mit der Namibiafrage zu befassen. Kissingers Einbeziehung in die Namibiapolitik erfolgte bereits ab April 1976.
Der UNO-Rat für Namibia lehnt die Turnhallevorschläge ab.
24./27.08. Der NPSWA-Parteikongress (Uhuru-Kongress) findet in Windhoek statt. Der Kongress fordert, dass eine provisorische Regierung maximale Autonomie für ethnische Gruppen zulassen soll und dass die politische und wirtschaftliche Hegemonie der "Weißen" nicht angetastet werden dürfe. Der harte Kurs auf dem Kongress wird durch die "Du Plessis-van Zijl-Achse" repräsentiert. Die Achse setzt sich für die Entlassung von Billy Marais, Sekretär der Turnhalle und Vertrauter Dirk Mudges ein, um Mudges Position in der Konferenz zu unterminieren. Marius Maree wird anstatt Marais als neuer Sekretär angestellt. Später fügt der südafrikanische Premierminister Vorster noch hinzu, dass Walvisbucht ab 01.01.1977 wieder in Südafrika eingegliedert wird, dass die Beschlüsse der Turnhalle-Konferenz auch gegen die Vereinten Nationen durchgeführt und dass "Südwestafrika nicht an die SWAPO ausgeliefert werden würde". Diese Äußerungen untergraben noch mehr die Glaubwürdigkeit der Turnhalle-Konferenz.
15.09. Die Römisch-Katholische Kirche öffnet ihre Privat-Schulen für Kinder aller namibischen Gemeinschaften.
Oktober Nachdem Vorster und Kissinger zwischen Juni und September drei Beratungen hinter geschlossenen Türen führten, stellen die USA mit ihren westlichen Verbündeten England, Frankreich, Kanada und West-Deutschland nun einen eigenen Plan für Namibia vor. Die fünf Westmächte schlagen faire und freie Wahlen "eine Person-eine Stimme" in einem unitarischen Staat Namibia vor.
Das fortgesetzte Bündnis zwischen der Turnhalle-Konferenz und Südafrika unter Ausschluss von nationalistischen Kräften wie der SWAPO und der SWANU im Dekolonisierungsprozess führt zu einer Resolution der Afrikagruppe innerhalb der Vereinten Nationen, die ein verpflichtendes Waffenembargo gegen Südafrika fordert. Diese Resolution wird wieder durch das Veto der drei westlichen ständigen Mitglieder im UNO-Sicherheitsrat blockiert. Theo-Ben Gurirab, Vertreter der SWAPO bei den Vereinten Nationen, verurteilt das Veto auf das Stärkste.
Rössing Uranium, internationaler Konzern und Tochterfirma der Rio Tinto Zinc, eine der größten Übertage-Uranminen der Welt, beginnt ihre Tätigkeit in Arandis, östlich von Swakopmund. Sie stellt ein intensives Trainingsprogramm für ihr Personal auf.
29.11. Es gibt Spekulationen, ob Dirk Mudge von der "Du Plessis-van Zijl-Achse" abgesetzt oder ob er die NPSWA wegen seiner Differenzen mit der "Achse" verlassen würde.
20.12. Die UNO Vollversammlung verabschiedet verschiedene Resolutionen. In Resolution 31/146 wird der bewaffnete Kampf SWAPOs und die Unabhängigkeit Namibias unterstützt. Die Turnhalle-Konferenz wird abgelehnt. In Resolution 31/152 bekommt SWAPO permanenten Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen. In Resolution 32/9 D wird die beabsichtigte Einverleibung Walvisbuchts verurteilt.
Ende 1976 Die NNC löst sich nach dem Austritt von SWAPO auf. Der Gegensatz zwischen SWAPO und SWANU setzt sich auch in den Siebzigern fort. SWAPO nimmt vier politische Gruppen auf: Die Nama von Gibeon, Vaalgras, Hoachanas und Keetmanshoop unter der Führung von Hendrik Witbooi. Witbooi wird SWAPOs Sekretär für Erziehung und Kultur in Namibia (bis 1983).
Mburumba Kerina, der die Pro-Turnhalle PROSWA/Namibia-Stiftung leitet, unterstützt die Turnhalle-Prinzipien. Er geht so weit, zu erklären, dass die Turnhalle die Bedingungen, die durch die OAU, die Vereinten Nationen, den Internationalen Gerichtshof in Den Haag und das Lusaka-Manifest gesetzt wurden, erfüllt.
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