1894 Etwa 1 200 "Weiße" leben im Schutzgebiet.
Edmund Troost bringt einen dampfangetriebenen Traktor in das Land, um Güter durch die wasserlose Namibwüste zu transportieren.
Vier Dampfer landen in Swakopmund mit Gütern und Passagieren (1895 sind es fünf).
Eine Station am Kreuzkap wird für das Schlagen von Robben und die Verarbeitung von Guano errichtet.
Regional-Büros werden in Windhoek (Gustav Duft) und Keetmanshoop (Golinelli) eröffnet.
John Ludwig beginnt mit der Anlage von Gemüsegärten und Weinbergen in Klein-Windhoek.
Das Kharaskhoma-Syndikat wird in die South African Territories Company Ltd. umgewandelt.
Der Farmer Ferdinand Gessert kauft von Paul Frederiks (1893-1906) von Bethanien, dem Nachfolger Joseph Frederiks’ II, die Farmen Inachab, Sandverhaar, Witputs und Feldschuhhorn.
01.01. Theodor Leutwein landet in Swakopmund. Er wird der neue Kaiserliche Landeshauptmann der Kolonie (Der Titel "Landeshauptmann wird durch kaiserliche Verfügung am 18.04.1898 in "Kaiserlichen Gouverneur" umgewandelt). Nach dem Weggang von Curt von Francois im August des Jahres wird Leutwein auch der Kommandeur der Schutztruppe. Leutwein sieht seine Aufgabe darin, einen "Kolonialismus ohne Blutvergießen" zu verwirklichen. Dieses "Leutwein-System" (teile und herrsche, Verhandlungen mit den Gemeinschaftsführern, Geduld, taktische Milde) funktioniert mehr oder weniger bis zum Zusammenbruch im Großen Widerstandskrieg Jahre 1903/04. Die Rheinische Mission spielt eine wichtige Rolle in der Errichtung der deutschen kolonialen Herrschaft.
Leutwein beginnt eine Dezentralisierung der Verwaltung und eröffnet drei Regional-Büros in Windhoek (Friedrich von Lindequist, auch für Otjimbingwe zuständig), Otjimbingwe und Keetmanshoop (Gustav Duft und später Golinelli).
Leutwein berichtet, dass die Ovaherero etwa 500 000 Rinder in ihrem Besitz hätten. Er berichtet weiterhin, dass er die Hoffnung habe, dass der Bevölkerungsdruck unter den Ovaherero so zunähme, dass sie gezwungen seien, ihre riesigen Rinderherden an die "weißen" Siedler zu verkaufen. Dies geschiehy jedoch für viele Jahre nicht. Stattdessen gibt es zum ersten Mal das akute Problem von überweideten Grasflächen, da die Ovaherero-Herden in einem immer geringer werdenden Raum zusammengedrängt werden.
24.01. Ein Gefecht zwischen den Deutschen und Hendrik Witbooi findet in den Naukluftbergen statt. Die Deutschen unter dem Kommando von Unteroffizier Carl Seiler erleiden eine Niederlage.
Februar Leutwein trifft Samuel Maharero in Okahandja.
24.02. Leutwein und von Francois greifen die Khauas-Nama in Aais (am Zusammenfluss von Weißem- und Schwarzem Nossob) und in Naosanabis (heute Leonardville) am Vereinigten Nossob an.
18.03. Weitere Schutztruppenverstärkungen landen mit dem Schiff Jeanette Woermann in Swakopmund.
19.03. Ein Kriegsgericht verurteilt den Führer der Khauas-Nama Andreas Lambert (!Nanib) zum Tode. Der Grund für seine Verurteilung ist, dass er sich weigerte, wie Hendrik Witbooi, einen Schutzvertrag mit den Deutschen zu schließen. Sein Nachfolger wird Eduard Lambert.
20.03.

Ein Friedens- und Schutzvertrag wird zwischen Eduard Lambert von den Khauas-Nama und dem Deutschen Reich geschlossen.
Ein weiterer Schutzvertrag wird zwischen Simon Koper (!Gomxab) von den Fransman-Nama oder !Khara-khoen und Deutschland in Gochas geschlossen.
Ludwig von Estorff tritt der Schutztruppe bei. Er wird mit zwei Kompanien zu je 120 Mann von Kaiser Wilhelm II am Neuen Palais in Potsdam vereidigt. Einer der Schutztruppler ist Karl Wischkon.
24.03. Militärstationen werden in Gibeon und Hoachanas aufgebaut.
April Ovahereroführer Kambazembi vom Waterberg unternimmt den Versuch, Nikodemus Kavikunua und Führer Riarua mit Samuel Maharero zu versöhnen. Das misslingt, und Riarua mit seinem Verbündeten Kandji Tjetjo treibt sogar Samuels Vieh davon. Daraufhin zieht Samuel mit seinen Anhängern aus Sicherheitsgründen nach Osona.
19.05. Nikodemus Kavikunua besucht Windhoek und bittet um deutsche Unterstützung. Er hat damit keinen Erfolg, da Leutwein sich im Süden befindet und Gustav Duft keine Unterhandlungsvollmacht besitzt.
25.06. Leutwein unterstützt Samuel Mahareros Machtanspruch und entzieht Riarua während der Verhandlungen in Okahandja alle Machtbefugnisse.
17.07. Weitere Schutztruppenverstärkungen landen mit dem Schiff Lulu Bohlen in Swakopmund. Einer der Schutztruppenoffiziere ist von Estorff.
27.07. Ein Schutzvertrag wird zwischen den Vilander Baster und dem Deutschen Reich geschlossen.
27.08. Leutwein greift die Witbooi-Nama unter dem Befehl von Hendrik Witbooi in den Naukluftbergen an.
03.09. Die erste Regierungsschule wird in Windhoek errichtet (Erste Lehrerin: Helene Nitze).
Vor dem Großen Widerstandskrieg, 1904-1909 wurden noch folgende Schulen (nur für "weiße" Kinder) eröffnet: Gibeon (1900), Keetmanshoop (1901), Grootfontein (1901), Swakopmund (1901) und Karibib (1903), an allen Orten außer Swakopmund mit Schülerheimen. Eine Schulpflicht gibt es wegen der Verkehrsverhältnisse und der Kosten nicht.
15.09.


Nach der Schlacht in den Naukluftbergen sind beide Armeen erschöpft. Die Deutschen hatten zahlreiche Verluste zu beklagen (27% der totalen Truppenstärke). Leutwein erklärt, dass strategisch wenig gewonnen wäre. Die Witbooi-Kräfte befänden sich im Gebirge und die Deutschen außerhalb. Als Witbooi einen ehrenvollen Waffenstillstand anbietet, greift Leutwein sofort zu. Ein Schutzvertrag wird 13 Tage später von beiden Parteien unterzeichnet. Die Witboois dürfen ihre Waffen behalten und genießen eine gewisse Autonomie. Der Vertrag hält zehn Jahre.
12.11. Ein Privatvertrag wird zwischen der DKGSWA und Paul Frederiks von Bethanien
geschlossen.
26.11.
Leutwein überredet Samuel Maharero und Zacharias Zeraua von Otjimbingwe, Manasse Tyiseseta von Omaruru zu treffen, um Konsens zwischen den Ovahereroführern herbeizuführen. Leutweins Machtdemonstration führt zum Verlust von Manasses Eigenständigkeit. In Omaruru wird in Folge eine deutsche Militärgarnison eingerichtet.
30.11. Leutwein setzt den Damaführer Cornelius ||Goreseb (Judas ||Goreseb ist sein Nachfolger) als ersten Gruppenführer der Okombahe-Dama ein, um die Position Manasses zu schwächen. Der Ovahereroführer Daniel Kariko von Okombahe wird gleichzeitig abgesetzt. Spätere Differenzen zwischen Kariko und Manasse Tyiseseta werden von Leutwein ausgenützt und führen zur völligen Entmachtung Karikos im Jahre 1896.
06.12.
Leutwein schließt mit Samuel Maharero einen Vertrag, der die südliche Grenze des Hererolandes festlegt. Dieser Vertrag führt zu ernsthaften Konsequenzen für das Ovahererovolk und leitet den Vieh- und Landverlust auf Seiten der namibischen Einheimischen ein.
22.12. Samuel Maharero ersucht Leutwein, die südliche Grenze des Hererolandes zu revidieren. Es ist nur eine Frage der Zeit bis es zu einem ernsthaften Interessenkonflikt zwischen Ovaherero und Deutschen kommen muss.
Samuel bestätigt die Landrechte der Rheinischen Missionsgesellschaft im Hereroland.
24.12. Während eines Besuches bei der Rheinischen Missionsstation Keetmanshoop äußert Hendrik Witbooi: "Es gibt verständnisvolle Männer unter den Deutschen, die unseren Charakter als Nama anerkennen und uns entsprechend behandeln; es gibt aber auch rücksichtslose Männer, die nur Befehle geben können und vor denen habe ich Angst."
26.12./15.01.1895 Ein ernsthafter Disput über die südliche Grenze des Hererolandes im östlichen Sektor bricht zwischen den Ovambanderuführern Kahimemua Nguvauva und Nikodemus Kavikunua und den Deutschen aus. Kavikunua opponiert in jeder Hinsicht Samuel Maharero, auch in der Grenzfrage, die für die Ovaherero und Ovambanderu eine außerordentlich sensitive Angelegenheit darstellt. Der scharfe und bittere Grenzkonflikt bringt den Streit zwischen Maharero und Kavikunua zum Siedepunkt.

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[Inhaltsverzeichnis]

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