1923 Die SWA Administration schließt mit der CDM die Halbscheid-Übereinkunft, die der CDM die Minenrechte im Diamanten-Sperrgebiet bis zum 31.12.2010 überlässt.
Der Römisch-Katholische Missions-Präfekt Joseph Gotthardt analysiert die erwachenden "schwarzen" Befreiungsbewegungen unter dem Slogan "Afrika den Afrikanern".
Januar Neue Überdruck-Briefmarken (Überdrucke paarweise in den zwei offiziellen Sprachen auf südafrikanischen Briefmarken, mit dem Porträt von König Georg V) werden für SWA herausgegeben. Diese Marken können auch in Mischfrankatur mit Marken ohne Überdruck verwendet werden.
Januar/April Hochwasser des Swakop unterbricht wiederholt den Eisenbahnverkehr zwischen Swakopmund und Walvisbucht.
14.03. Samuel Maharero stirbt im Exil in Serowe im britischen Bechuanaland.
16.03. Clemence Kapuuo wird in Teufelsbach bei Okahandja geboren.
02.04. Erneute Zwistigkeiten zwischen Vita Tom und Ovahimbaführer Muhona Katiti bringen, auf Ansuchen von Carl (Cocky) Hahn, Eingeborenenkommissar im Ovamboland, einen neuen Besuch von Charles Manning, mittlerweile Magistrat von Rehoboth, an das Kaokoveld. Als Resultat dieses Besuches empfiehlt Manning, dass das nördliche Kaokoveld in drei Stammesgebiete aufgeteilt werden solle: Muhona Katiti bekommt Ondoto, Epembe, Ovikange und Ehomba und Vita erhält die Gebiete westlich davon mit Otjitanga, Hamalemba, Omangete, Ombakaha und Otjiyandjasemo. Der Ovatjimbaführer Kasupi war inzwischen verstorben. Sein Nachfolger wird Kahewa-Nawa, der das Ombeperagebiet bekommt.
13.04. Hahn trifft Vita zum ersten Mal. Er beschreibt ihn "Er ist ein gut aussehender alter Eingeborener mit ausgezeichneten Manieren und Persönlichkeit".
23.08. Samuel Mahareros Leiche - er war früher in Bechuanaland gestorben - wird nach Okahandja gebracht. Eine uniformierte Ovaherero-Ehrengarde unter der Führung von Hosea Kutako, Samuels Söhnen Traugott und Frederick und dem Magistrat von Okahandja, Warner, treffen Mahareros Sarg beim Eintreffen des Zuges in die Station von Okahandja. In den nächsten drei Tagen wird der Sarg in Traugott Mahareros Haus aufgebahrt.
26.08. Samuel Mahareros Begräbnis in Okahandja, neben seinen Ovaherero-Ahnen, ist Symbol für einen wiedergewonnenen Nationalstolz. Das Begräbnis wird von Hosea Kutako geleitet. Courtney-Clarke, Sekretär für SWA, Eingeborenenkommissar Cope, und Magistrat Warner aus Okahandja repräsentieren die SWA Administration. Nach dem Gottesdienst, der von Heinrich Vedder gehalten wird, findet das eigentliche Begräbnis nach Ovaherero-Tradition außerhalb der Kirche statt. Diese Ereignisse leiten eine spätere Krise mit der Rheinischen Missionsgesellschaft ein, die sich nicht von ihrer pietistischen Tradition von "Christlicher Westlicher Zivilisation" trennen mag.
Der Jahrestag des Begräbnisses wird seitdem jedes Jahr erneut begangen.

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Herero-Tag in Okahandja (Rot-Flaggen-Tag): Zum Gedächtnis an die Heimkehr des toten Samuel Maharero: 23./26.08.1923: Mit Ovaherero-Gruppenführer Alfons Kaihepaovazandu Maharero aus Okonja (bei Otjinene) in der ersten Reihe (links): Otjozondjupa Region: 24.08.2003
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Herero-Tag in Okahandja: Zum Gedächtnis an die Heimkehr des toten Samuel Mahaerero: 26.08.1923: Otjozondjupa Region: 24.08.2003
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Herero-Tag in Okahandja: Zum Gedächtnis an die Heimkehr des toten Samuel Mahaerero: 26.08.1923: Erste Reihe in der Mitte: Katuutire Nathaniel Kaura: Otjozondjupa Region: 24.08.2003
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Herero-Tag in Okahandja: Zum Gedächtnis an die Heimkehr des toten Samuel Mahaerero: 26.08.1923: Otjozondjupa Region: 24.08.2003
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Herero-Tag in Okahandja: Zum Gedächtnis an die Heimkehr des toten Samuel Maharero: 23./26.08.1923: Die Ehrengarde nähert sich der Grabstätte der Maharero-Dynastie: Otjozondjupa Region: 24.08.2003
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Herero-Tag in Okahandja: Zum Gedächtnis an die Heimkehr des toten Samuel Maharero: 23./26.08.1923: Die Ehrengarde betet an der Grabstätte der Maharero-Dynastie: Otjozondjupa Region: 24.08.2003
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Herero-Tag in Okahandja: Zum Gedächtnis an die Heimkehr des toten Samuel Maharero: 23./26.08.1923: Omuherero aus Botswana: Mit dem "Ausrottungsbefehl von Lothar von Trotha: Otjozondjupa Region: 24.08.2003
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Herero-Tag in Okahandja: Zum Gedächtnis an die Heimkehr des toten Samuel Maharero: 23./26.08.1923: Katuutire Nathaniel Kaura am Friedhof der Maharero-Dynastie: Otjozondjupa Region: 24.08.2003
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Herero-Tag in Okahandja: Zum Gedächtnis an die Heimkehr des toten Samuel Maharero: 23./26.08.1923: Am Friedhof der Maharero-Dynastie: Otjozondjupa Region: 24.08.2003
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Herero-Tag in Okahandja: Zum Gedächtnis an die Heimkehr des toten Samuel Maharero: 23./26.08.1923: Ovaherero-Gruppenführer an den Ovaherero-Gräbern auf dem Rheinischen Missionsfriedhof: Otjozondjupa Region: 24.08.2003
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Als Resultat dieser Renaissance wird kurz danach die Otjiserandu (Rote-Truppen-Organisation oder "Truppenspieler"), um den neuen nationalistischen Ovaherero-Aspirationen Ausdruck zu verleihen, geformt. Vorläufer der Otjiserandu gab es bereits 1916 in Okahandja (Otjiherero: Otruppe)(Die Ovaherero-Gesellschaft war seit den 1860iger Jahren in hohem Maße militarisiert mit europäisch inspirierten, bewaffneten und uniformierten Einheiten. Diese Einheiten wurden nur in politisch unruhigen Zeiten mobilisiert. Die einzige Ausnahme war die kleine ständige Streitkraft von Manasse Tyiseseta in Omaruru). Truppenspielerregimenter gab es ebenfalls 1917 am Waterberg, Omaruru, Outjo, Swakopmund, Windhoek, Lüderitz, Keetmanshoop und Okahandja. Eduard Maharero aus Okahandja, der ab 1921 in der UNIA eine Rolle spielte, verleiht sich den Titel eines "Kaiser" der Truppenspieler.
Die Otjiserandu und Ovahereroführer wie Hosea Kutako spielen eine entscheidende Rolle, den Widerstand gegen die südafrikanische Kolonialadministration zwischen 1923 und 1958 aufrechtzuerhalten. Sie formen aus dem geschlagenen und fragmentierten Ovahererovolk eine wichtige politische Kraft in Namibia.
Frederick Maharero, der älteste Sohn Samuel Mahareros, bittet nach dem Begräbnis die SWA Administration, im Gebiet bleiben zu dürfen. Er wird dabei von Hosea Kutako, Traugott Maharero, Alfred Maharero, Salatiel Kambazembi (der um 1920 nach SWA zurückgekehrt war), Joel Kasetura, Asser Kamusuvise, Silphanus Mungunda und Wilfried Kazondonga unterstützt. Frederick wird nicht erlaubt, auf Dauer in SWA zu bleiben, und im Dezember 1924 wird er ausgewiesen.

02.09. In der Christuskirche in Windhoek wird von Pfarrer Heyse eine mehrteilige Gedenktafel für die gefallenen protestantischen deutschen Soldaten während der Widerstandskriege und die umgekommenen deutschen Bürger der Kolonialzeit zwischen 1893 und 1913 enthüllt. Diese Gedenktafel wird seit damals als ein "Wahrzeichen des kämpfenden kolonialen Deutschtums im südlichen Afrika", als ein Symbol eines einseitigen Feindbildes und unverhohlenen Superioritätsdenkens der Deutschen in SWA angesehen. Die Gedenktafel war bereits 1912 von der damaligen deutschen Kolonialverwaltung in Auftrag gegeben worden und, während des Ersten Weltkrieges im Jahre 1916, als sich Südwestafrika bereits fest in südafrikanischer Hand befand, in Deutschland gefertigt worden.
Anfang September In der Missionskirche der Römisch-Katholischen Kirche, der späteren Kathedrale in Windhoek, wird auch eine Gedenktafel für die katholischen Gefallenen aufgehängt. Diese Tafel wird allerdings, im Gegensatz zu denen in der Christuskirche, als Symbol des deutschen Kolonialismus im Jahre 1994, vier Jahre nach der Unabhängigkeit der Republik Namibia, demontiert.
28.09.



Der Administrator für SWA und ein Teil der Baster-Gemeinschaft entwickeln eine neue Verfassung. Das führt zu der Proklamation Nr. 28 von 1923 für beschränkte Selbst-Verwaltung der Baster. Diese Proklamation führt zu einem Konflikt zwischen zwei Baster Fraktionen, die durch den Raad (Rat) und den Nuwe Raad (Neuer Rat) repräsentiert werden. Eine Einladung des Administrators Gysbert Reitz Hofmeyr wird durch den Nuwe Raad abgelehnt. Der Nuwe Raad sendet daraufhin an den südafrikanischen Premierminister eine Petition mit der Bitte, dem Rehoboth Gebied die Unabhängigkeit zu gewähren. Die Bitte wird abgelehnt.
23.10. Das Londoner Abkommen, das sogenannte De Haas-Smuts Abkommen, legt fest, dass Deutsche in SWA die südafrikanische Bürgerschaft annehmen sollten (Zuidwest-Afrika Naturalisatie van Vreemdelingen Wet, 1923)(Südwestafrika Gesetz zur Naturalisierung von Ausländern). 3 228 Deutsche werden dadurch als (britische) Südafrikaner naturalisiert. Deutsche erhalten dadurch die gleichen Rechte und Pflichten wie Südafrikaner. Es wird weiterhin bestimmt, dass die SWA Administration den Gebrauch der deutschen Sprache mit "äußerster Sympathie" fördern will. Deutsche Einwanderung nach SWA wird unterstützt.

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San in Namutoni, 1923
Namibia State Archive

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