1935 Die Diamantenindustrie erlebt einen erneuten Aufschwung. Die Förderung erfolgt hauptsächlich im südlichen Sektor des Sperrgebietes (Diamanten-Gebiet Nr. 1 bis 26o Süd) (Diamanten-Gebiet Nr. 2 liegt nördlich von 26o Süd bis zu einem Gebiet nördlich von Conceptionbucht (Lange Wand)).
Angeregt durch die Forschungen des deutschen Geologen Hans Cloos kommen zwei junge deutsche Geologen ins Land, Henno Martin und Hermann Korn. Sie beginnen zunächst mit der geologischen Aufnahme des Naukluft-Gebirges und des Messum-Kraters. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verstecken sie sich in der zentralen Namib-Wüste ("Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste"). Martin wird nach dem Krieg im SWA Regierungsdienst angestellt und wird später Professor in Kapstadt und Göttingen.
Die erste "schwarze" Regierungsschule wird in Rietquelle (Aminuis) gegründet. Weitere Schulen folgen 1940 am Waterberg und 1944 in Epukiro. Im Norden werden keine Staatsschulen zwischen 1920 und 1960 gebaut. Die Missions-Schulerziehungen ist im allgemeinen rudimentär. Der höchste Schulstandard, den ein junger Namibier erreichen kann, ist Standard drei. Das entspricht fünf Schuljahren. Erst im Jahre 1948 erreicht der erste Namibier das Matrik. Südafrikas Erziehungsphilosophie wird formell im Bantu-Erziehungsgesetz von 1953 umgesetzt. Der (1953) Minister für Eingeborenenfragen, Henry Frensch Verwoerd, erklärt, dass "es keinen Platz für ... [Afrikaner] in der europäischen Gemeinschaft, abgesehen von niedrigen Arbeiten, gäbe. ... Erziehung dürfe nicht weiter als Standard zwei gehen, mit etwas lesen, schreiben und basischen Rechenunterricht in der Muttersprache, als auch die Kenntnis von Englisch und Afrikaans, und die kardinalen Prinzipien der christlichen Religion."
Die erste Straßenbrücke wird über den Otjiwarongofluss auf der Fernstraße von Otjiwarongo nach Otavi gebaut.
Katima Mulilo wird die neue Distriktshauptstadt des Caprivizipfels.
Interne Probleme innerhalb des Deutschen Bundes führen zur Amtsniederlegung des Vorsitzenden, Wilhelm Schwietering.
Die sechs Mitglieder der Baster Ratgebenden Versammlung werden gewählt.
Proklamation Nr. 29 von 1935 regelt die Kontrolle von Kontraktarbeitern in SWA.
Der Ovatjimbaführer Kahewa-Nawa stirbt. Eine fehlender Nachfolger (Kahewa-Nawas Brüder Karuho und Weripaka sind nicht sehr populär bei ihren Anhängern und qualifizieren nicht für eine Nachfolge) führt zu einer weiteren Schwächung der Gruppenführer im Kaokoveld.
Der SWA Fleischrat (Meat Board) wird ins Leben gerufen, um die Interessen der Fleischindustrie zu vertreten.
01.04. Der vormalige Führer des Deutschen Bundes, Albert Voigts, wird erneut als Vorsitzender gewählt. Es kommt bald zu Konflikten zwischen ihm und den Mitgliedern der radikaleren und militanten NSDAP. Die NSDAP verlässt daraufhin den DB und gründet die Deutsche Front unter M. Neuendorf. Diese Entwicklung führt später zu Auflösung des Deutschen Bundes.
25.04. Eine neue Brücke für die Eisenbahnlinie von Swakopmund nach Walvisbucht wird über die Swakop-Enge, fünf Kilometer landeinwärts, gebaut.
Die wiederbelebte Diamantengewinnung führt zum Bau einer neuen kleinen Anlage am Bogenfels zwischen der Mündung des Oranje und Lüderitz.
03.07. Urieta Gertse, geb. Kazahendike stirbt mit 99 Jahren, hochgeehrt in Otjimbingwe.
Oktober Die Rheinische Missionars-Konferenz unterstützt die verbotene NSDAP (Landesprobst Wackwitz ist der Hauptsprecher. Er wird 1939 von den SA-Behörden gezwungen, das Land zu verlassen. Das wird von Heinrich Vedder bedauert, da er doch "so viel Anstrengungen für das Dritte Reich unternommen hätte"). Nicht alle Rheinische Missionare unterstützen die Nazi-Ideologie. Missionare wie Heinrich Rust, Friedrich Pönninghaus und andere distanzieren sich von dieser Ideologie.
02.12. Südafrika publiziert einen Entwurf über den "Fünften Provinz"-Status von SWA.
1936 Es kommt zu Konfliktsituationen zwischen der Otjiserandu auf der einen und dem Windhoeker Eingeborenen-Ratgebenden Ausschuss auf der anderen Seite. Hosea Kutako wird von der SWA Administration gebeten, in dem Zwist zu vermitteln, ist aber nicht erfolgreich.
Die Volkszählung von 1936 ergibt, dass von 30 000 Europäern in SWA 3 300 Deutsche noch nicht als Südafrikaner naturalisiert worden sind.
Die aufstrebende Diamantenindustrie führt zur Gründung von Oranjemund, das anfänglich Orange River Mouth genannt wird. 1940 wird Orange River Mouth in Orange Mouth umgetauft. Erst ab 1951 wird der Ort offiziell Oranjemund genannt. Das Hauptquartier der Consolidated Diamond Mines of S.W.A. (CDM) ist zu dieser Zeit immer noch in Lüderitz.
Die systematische Salzgewinnung beginnt in der Nähe von Swakopmund.
Die Berg Aukas-Mine wird von der SWAC übernommen.
Die Römisch-Katholische Missionsstation Otjiwarongo wird gegründet.
Harold Eedes, Eingeborenenkommissar im Kavango seit 1932 (bis 1946), verlegt den Kavango-Hauptort von Nkurenkuru nach Rundu (Runtu bis in die späten 1940iger genannt).
Der Ongandjera-König Sheya shaAmukwa stirbt. Sein Nachfolger ist der 22. Ongandjera- König Tshaanika shIipinge (1936-1948).
10.02. Die erste direkte Telephonverbindung zwischen SWA und Südafrika wird eröffnet.
März Die Van Zyl Kommission veröffentlicht ihren Bericht und rät der südafrikanischen Regierung, SWA als "Fünfte Provinz" der Union von Südafrika zu verwalten, solange es in Übereinstimmung mit den Bestimmungen des Mandatvertrages geschieht. In dem Bericht wird weiter ausgeführt, dass " ... Es ist wahr, dass die Eingeborenen ... keinen Einfluss in der Verwaltung haben, aber, was kann erwartet werden, wenn, wie im 1933/34 Haushalt, von £ 613 000, nur £ 14 000 oder 2,25 %, für die Eingeborenen aufgewendet, und wenn von £ 105 000 für Erziehung nur £ 11 000, 9,5%, für die Eingeborenen-Volksbildung aufgewendet wurden, bei einer 10 größeren Eingeborenenzahl gegenüber den Weißen. ... "
09.07. Der Administrator für SWA, David Gideon Conradie, besucht das Kaokoveld und trifft die Kaokoland-Gruppenführer in Kaoko Otavi.
18.07. Der Gruppenführer der Kai||khaun aus Hoachanas, !Hoëb ||Oasmab (alias Fritz Lazarus ||Oaseb) stirbt. Nachfolger wird Noach Tsai-Tsaib.

Namibia_Hardap_Hoachanas_Cemetry_2.JPG (52662 bytes)

Das Grab vom Kai5khaun-Kapitän !Hoëb 5Oasmab (alias Fritz Lazarus 5Oaseb) von Hoachanas: Alter Friedhof: Hardap-Region: April 2003
Copyright of Photo: Dr. Klaus Dierks

Namibia_Hardap_Hoachanas_Cemetry_3.JPG (111155 bytes)

Die Ahnentafel der Kai5khaun (Red Nation) Gruppenführer von Hoachanas: Ab Kapitän !Hoëb 5Oasmab: Alter Friedhof: Hardap- Region: April 2003
Copyright of Photo: Dr. Klaus Dierks

Juli Nach dem Besuch des Administrators in das Kaokoveld und verursacht durch die sich verschlechternde Gesundheit von Vita Tom wird im Kaokoveld, das bisher vom Eingeborenenkommissar des Ovambolandes verwaltet wurde, ein Stammes-Rat (Ombongarero yomuhoko) in Okorosave geschaffen. Die zwei Hauptgruppenführer sind Vita Tom und Karuvapa. Die Ovaherero werden durch Moses Ndjai, Wilhelm Tjireye, Edward Tjipepa, George Hartley, Martin Tjiheura, Langman Tjihahura, Ludwig Tjitambo, Palminus M’gandje und Johannes Muzuma vertreten. Die Ovahimba und Ovatjimba werden durch die Führer Tjiparapara, Muzire, Marukwavi, Katje, Youruruka Tjirambo, Mumbombaro Kurama, Kwenda Kutanga, Kazungama Witahura Yapapu Ohupa, Kaimuvaza Mbunguho und Twazapu Musaso vertreten. In Ohopoho (später Opuwo) wird für den Rat ein Büro eingerichtet. Den Namen "Ohopoho" (Otjiherero: Es ist genug) soll Carl (Cocky) Hahn, Eingeborenenkommissar im Ovamboland, geprägt haben. Früher hieß der Platz Otjihinamaparero, auch Otjitoporwa (Otjiherero: Erstes Bohrloch in der Gegend).
Dezember Die SA Regierung lehnt die Ergebnisse des Van Zyl Berichtes nicht ab, kommt aber zu dem Schluss, den Status-Quo zu belassen und weder SWA einzuverleiben noch irgendeiner anderen Macht zu übergeben.
WB00823_.GIF (134 bytes)

[Inhaltsverzeichnis]

forward.GIF (132 bytes)